Rente / 01.08.2022

Steuererklärung: Was Rentner wissen sollten

Auch Rentner müssen eine Steuererklärung abgeben – unter bestimmten Bedingungen. Was für wen gilt.

Rentnerin füllt Steuererklärung aus. Bild: IMAGO / Niehoff

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Tschüss Finanzamt – das würden viele Rentnerinnen und Rentner gerne sagen. Doch oft führt auch für Ruheständler kein Weg an der Steuererklärung vorbei. Dieses Jahr bleibt dafür bis Ende Oktober Zeit.

Auch für Rentner gilt für die Steuererklärung nach dem Vierten Corona-Steuerhilfegesetz der Abgabestichtag 31. Oktober 2022.

Wer sich von einem Lohnsteuerhilfeverein oder einem Steuerberater bei der Erklärung helfen lässt, hat sogar Zeit bei Ende August 2023. Doch nicht alle Rentner müssen eine Steuererklärung abgeben.

Wann muss ich als Rentner eine Steuererklärung abgeben?

Vor allem in den folgenden drei Fällen:

  1. Wenn das Finanzamt Sie dazu auffordert.
  2. Wenn Sie neben Ihrer Rente noch weitere steuerpflichtige Einkünfte haben – etwa aus Vermietung und Verpachtung.
  3. Wenn der steuerpflichtige Teil Ihrer Jahresbruttorente den steuerlichen Grundfreibetrag überschreitet.

In den Fällen 2 und 3 sollten Sie nicht abwarten, bis das Finanzamt Sie zur Abgabe einer Steuererklärung auffordert. Denn „die Steuererklärung ist eine Bringschuld“, so Joachim Rong. Er ist Beratungsstellenleiter beim Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH) in Berlin.

Wie hoch ist der steuerliche Grundfreibetrag?

„Wenn Sie Ihre Steuererklärung für 2021 abgeben, gilt ein Grundfreibetrag von 9744 Euro, für Verheiratete und offiziell Verpartnerte ist es doppelt so viel“, erklärt Rong. „Liegt der steuerpflichtige Teil unter diesem Betrag, müssen Sie keine Steuererklärung abgeben. Andernfalls sind Sie in der Regel dazu verpflichtet“.

Wurde der Grundfreibetrag nicht kürzlich erhöht?

Ja, auf 10.347 Euro. Dieser Betrag gilt allerdings für 2022 und nicht für die Steuererklärung 2021.

Wie berechne ich den steuerpflichtigen Teil meiner Rente?

Nicht Ihre komplette gesetzliche Rente ist steuerpflichtig. Sie können einen kleinen Werbungskostenfreibetrag von 102 Euro, vor allem aber Ihren Rentenfreibetrag abziehen. Dieser hängt davon ab, wann Sie in Rente gegangen sind, und wird im zweiten Jahr Ihres Rentenbezugs berechnet.

Bei Rentenbeginn bis 2005 lag der Besteuerungsanteil noch bei 50 Prozent. Seitdem steigt er mit jedem Kalenderjahr an und der Freibetrag schrumpft. Wer beispielsweise 2019 in Rente gegangen ist, hat einen Besteuerungsanteil von 78 Prozent. Die übrigen 22 Prozent sind steuerfrei. Den steuerfreien Anteil der Rente teilt ihnen die Rentenversicherung mit.

Tipp: Fordern Sie dazu eine Rentenbezugsmitteilung, die so genannte Mitteilung zur Vorlage beim Finanzamt, bei der Rentenversicherung an. Das können Sie bequem online erledigen. Dann erhalten Sie zukünftig für jedes Kalenderjahr eine Meldung.

Beispiel: Steuerpflichtigen Teil der Rente berechnen

Angenommen, Sie sind 2019 in Rente gegangen und haben 2021 eine Bruttorente von 14.000 Euro bezogen.

  • Davon sind (22% x 14.000=) 3080 Euro steuerfrei. Diesen Steuerfreibetrag können Sie sich merken. Er gilt für Sie lebenslang und verändert sich auch bei Rentenerhöhungen nicht. Künftige Rentenerhöhung sind damit voll steuerpflichtig.
  •  Von den 14.000 Euro Bruttorente können Sie damit (3080 plus 102) = 3182 Euro abziehen.
  •  Von Ihrer Rente sind also 10.818 Euro steuerpflichtig.

Wenn Sie alleinstehend sind, ist das mehr als Grundfreibetrag von 9.744 Euro. Deshalb sind Sie zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet.


Für andere Renten gelten andere Steuerregeln

Viele Senioren haben neben der gesetzlichen Rente noch weitere Renteneinkünfte. Bei der Steuer gilt dabei folgende Grundregel: Immer, wenn im Arbeitsleben keine Steuern auf die Beiträge gezahlt wurden, müssen Sie später auf Ihre volle Rente Steuer zahlen. Dies gilt etwa bei der Riester-Rente. Umgekehrt ist nur der so genannte Ertragsanteil der Rente zu besteuern, wenn die Beiträge bereits aus versteuertem Einkommen gezahlt wurden.

Muss ich als Rentner wirklich Steuern zahlen?

Nicht unbedingt. Sie können nämlich in jedem Fall die von Ihnen gezahlten Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung voll steuerlich absetzen. Das sind im Beispielfall etwa 1540 Euro.

Zusätzlich kann jeder Steuerzahlende einen Pauschbetrag für Sonderausgaben in Höhe von 36 Euro absetzen

Damit rutschen Sie unter die „Steuergrenze“. Das Finanzamt wird für 2021 einen Steuerbetrag von 0“ errechnen.

Was passiert, wenn das Finanzamt eine Steuerschuld von „0“ errechnet?

Liegt ihr zu versteuerndes Einkommen deutlich unter dem steuerlichen Grundfreibetrag, können Sie sich für die Folgejahre von der Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung befreien lassen. Am besten geht das mit einem Antrag auf Löschung des Steuerkontos. Wird dem Antrag entsprochen, braucht man keine Steuererklärung abzugeben.

Bleibt es dann dabei, dass ich keine Steuererklärung abgeben muss?

Nicht unbedingt. Wenn Sie beispielweise eine Eigentumswohnung erben und Mieteinkünfte haben, rutschen Sie mit einiger Wahrscheinlichkeit wieder in der Steuerpflicht. Das gilt häufig auch, wenn Ihr Ehepartner stirbt und zu Ihrer eigenen Altersrente noch eine Witwen- oder Witwerrente hinzukommt.

Was gilt, wenn ich zusätzlich eine Hinterbliebenenrente erhalte?

„In dem Jahr, in dem Ihr Ehepartner stirbt, und im Folgejahr ändert sich wahrscheinlich steuerlich wenig“, erklärt VLH-Berater Rong. Wer als Rentnerin oder Rentner zuvor keine Steuern zahlen musste, wird dann zunächst auch durch die Hinterbliebenenrente meist nicht steuerpflichtig.  Denn im Sterbejahr des Ehepartners und im Folgejahr werden Sie noch mit dem oder der Verstorbenen gemeinsam steuerlich veranlagt.

Das bedeutet: In dieser Zeit wird Ihnen noch der Grundfreibetrag Ihres verstorbenen Partners zugestanden. Das ändert sich im übernächsten Jahr nach dem Tod des Partners. „Dann werden Sie gegebenenfalls plötzlich wieder steuerpflichtig“, so Rong.

Was gilt, wenn das Finanzamt für mich eine Einkommenssteuer festsetzt?

Dann wird das Finanzamt unter Umständen für Sie Steuervorauszahlungen festsetzen. In der Regel passiert das, wenn Ihre Steuerschuld in einem Jahr mindestens 400 Euro beträgt.

Vorauszahlungen sind normalerweise vierteljährlich zu leisten. Bei einer Steuerschuld von zum Beispiel 1000 Euro müssen Sie also jedes Quartal 250 Euro vorauszahlen. Im Folgejahr müssen Sie eine Steuererklärung abgeben. Unter Umständen wird Ihnen dann ein Teil Ihrer Vorauszahlung erstattet oder Sie müssen Steuer nachzahlen.

Was ist, wenn ich trotz Pflicht keine Steuererklärung abgebe?

Das ist keine gute Idee. Denn die entscheidenden Renten-Daten hat das Finanzamt ohnehin. Es gibt ein lückenloses Meldeverfahren, durch das das Finanzamt auch Einblick in die Alterseinkünfte von Senioren hat, die keine Steuererklärung abgeben. Nach einiger Zeit fordert das Finanzamt dann doch noch eine Steuererklärung ein.

Was ist, wenn ich die Steuererklärung verspätet abgebe?

„Dann droht eventuell ein Verspätungszuschlag von 0,25 Prozent der festgesetzten Steuer, mindestens aber 25 Euro pro Monat, den die Erklärung zu spät eingeht. Bei acht Monaten sind das dann schon 200 Euro“, rechnet VLH-Berater Joachim Rong vor.

Wer kann mir bei der Steuererklärung helfen?

Unter anderem Lohnsteuerhilfevereine. Der jährliche Mitgliedsbeitrag bei der VLH kostet für einen Rentner mit einer Jahresrente von 14.000 Euro beispielsweise 72 Euro. Dafür haben Sie Anspruch auf alle Leistungen, die mit der Steuererklärung zusammenhängen – bis hin zur Vertretung von den Finanzgerichten.

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Autor

Rolf Winkel