Aktuell beleuchtet / 03.02.2012

Steuerfalle für Auslandsrentner

Rentnern im Ausland drohen Steuernachzahlungen, weil sie „beschränkt steuerpflichtig“ sind. Sie verlieren den Grundfreibetrag und die Möglichkeit zum Ehegatten-Splitting.

Dünen am Ostseestrand – Bildnachweis: fotolia.com © Thorsten Schier

Wer Jahrzehnte lang hart gearbeitet hat, freut sich auf den Ruhestand – besonders dann, wenn der künftige Wohnort dort liegt, wo andere Urlaub machen. Oder aber man in die ursprüngliche Heimat zurückkehren kann. Allerdings kann es für so manchen Rentner ein böses Erwachen in der ausländischen Ruhestands-Oase geben. Denn es drohen unter Umständen Steuernachzahlungen.

Grund dafür ist, dass Rentner, die ihren Wohnsitz nach Italien, Polen oder Südfrankreich verlegen, vor dem Finanzamt als beschränkt steuerpflichtig gelten. Das hat zur Folge, dass viele persönliche und familienbezogene Vergünstigungen bei der Steuerpflicht nicht berücksichtigt werden.

Für Rentner heißt das vor allem: Der Grundfreibetrag von 8.004 Euro geht verloren; Verheiratete können nicht das Ehegatten-Splitting in Anspruch nehmen. Darüber hinaus dürfen sie Ausgaben für außergewöhnliche Belastungen – etwa Krankheitskosten – oder für Haushaltshilfen nicht steuerlich geltend machen.

Ist also der steuerfreie Anteil der Brutto-Rente abgezogen, müssen die Betroffenen für den Rest der Rente komplett Steuern zahlen. Für die Rentner-Jahrgänge des Jahres 2011 beläuft sich dieser Besteuerungsanteil auf 62 Prozent.

Das gilt nicht nur für Leistungen aus der gesetzlichen Rentenkasse, sondern auch für Betriebs-Renten, Zahlungen aus berufsständischen Versorgungswerken oder auch Rürup-Rentenverträgen. 

Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht

Um die Steuerlast möglichst niedrig zu halten, sollten Ruheständler im Ausland beim Finanzamt Neubrandenburg einen Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht stellen; die Behörde ist für alle Rentner im Ausland steuerlich zuständig.

Voraussetzung dafür ist, dass mindestens 90 Prozent der Einkünfte in Deutschland versteuert werden müssen. Zu den Renten, die in Deutschland steuerpflichtig sind, zählen vor allem

  • die gesetzliche Rente
  • Renten aus landwirtschaftlichen Alterskassen
  • Zahlungen aus berufsständischen Versorgungswerken sowie
  • Rürup-Renten.

Doppelbesteuerungsabkommen mindert Steuerlast

Übrigens: Die Steuerpflicht richtet sich nach dem deutschen Gesetz – unabhängig davon, ob Sie im Ausland schon eine Steuererklärung gemacht oder gar Steuern gezahlt haben.

Allerdings sind die Behörden bemüht, eine doppelte Besteuerung zu vermeiden. Aus diesem Grund gibt es mit einigen Ländern so genannte Doppelbesteuerungsabkommen.

Wer zum Beispiel seinen Lebensabend in Spanien, den USA oder Tschechien verbringt, muss in Deutschland keine Steuererklärung abgeben. Allerdings gibt es auch Abkommen, in denen geregelt ist, dass der deutsche Fiskus weiter die Hand aufhalten darf. Davon betroffen sind zum Beispiel Österreich, Belgien, Dänemark, Frankreich, Italien und Holland.

Wer also seinen Ruhestand dort verbringt, wo er früher Ferien gemacht hat, sollte schnellstmöglich einen Antrag beim Finanzamt Neubrandenburg einreichen. Möglicherweise bleibt einem dann die Steuernachzahlung erspart – und somit doch noch genug Geld für einen entspannten Lebensabend übrig.

Mehr Infos gibt’s auf den Seiten des Finanzamts Neubrandenburg – inklusive aller Anträge und Formulare zum Download. 

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