Altersvorsorge / 25.01.2021

Tagesgeld, Festgeld & Co.: Für wen lohnen verzinste Sparprodukte?

Wenn Sicherheit Trumpf ist, kommen für die Geldanlage auch klassische Bankprodukte in Frage. Was Sie beachten sollten.

Tagesgeld, Festgeld & Co.: Für wen lohnen verzinste Sparprodukte? – Junges Paar sitzt zuhause mit Taschenrechner und vergleicht Sparprodukte.

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Wenn es um ihr Geld geht, wollen die meisten Deutschen lieber keine Experimente wagen. Jeder Dritte achtet bei der Geldanlage besonders auf die Sicherheit, fast ebenso viele auf niedrige Preise und Gebühren (29 Prozent). Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Deutschen Bank.

Wer bei der Geldanlage langfristig denkt und speziell fürs Alter vorsorgen will, landet schnell bei der Riester-Rente. Sicher sind Riester-Produkte allemal. Egal ob Rentenversicherung, Banksparplan oder Fondsparen: Sparer können sich bei allen Riester-Formen darauf verlassen, dass zu Rentenbeginn das eingezahlte Kapital zur Verfügung steht.

Doch Riester-Verträge gelten als kompliziert und besonders unflexibel. Viele Sparer wollen nach einigen Jahren nichts mehr von Ihrem Vertrag wissen, lassen ihn ruhen oder kündigen sogar. Warum also nicht einfach das Geld bei einer Bank anlegen?

Staatliche Einlagensicherung bietet guten Schutz

Tatsächlich können Verbraucher bei Bankprodukten auf eine Sicherheit setzen. Denn für Bankinstitute innerhalb der EU gilt: Bei einer Pleite sind bis zu 100.000 Euro pro Person und Bank durch die staatliche Einlagensicherung geschützt. Für Gemeinschaftskonten von Ehepartnern liegt die Grenze bei 200.000 Euro.

Die Einlagensicherung gilt zwar EU-weit, liegt aber in der Verantwortung jedes einzelnen Staates. Gerät eine Bank in finanzielle Schwierigkeiten, steht der jeweilige Staat für den Betrag ein, in dem das Institut seinen Hauptsitz hat.

Bei Staaten mit geringer Bonität bleibt also ein Restrisiko. Viele Finanzexperten raten deshalb dazu, sich bei der Wahl des Instituts auf Länder mit Bestnoten der bekannten Ratingagenturen zu beschränken. Dazu gehören neben Deutschland zum Beispiel Schweden, die Niederlande, Dänemark und Luxemburg. Je nach Land gibt es zusätzliche Sicherungssysteme, in Deutschland zum Beispiel den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken.

Die staatliche Einlagensicherung greift bei allen Bankeinlagen, also bei Sparbüchern, Tagesgeld- und Girokonten, Sparbriefen und Festgeld. Bei Staatsanleihen sieht es anders aus. Das Ausfallrisiko hängt unmittelbar von der Bonität des Staates ab.

 

 

Vorteile Nachteile Einlagensicherung
Sparbuch
  • einfach zu handhaben
  • 2.000 Euro monatlich verfügbar
  • keine Mindesteinlage
  • Zinsen nahe Null
ja
Tagesgeld
  • gesamtes Kapital ist täglich verfügbar
  • täglich kündbar
  • variabler Zinssatz erfordert regelmäßigen Check
  • teilweise Negativzinsen bei hohen Einlagen
ja
Sparbrief/Festgeld
  • fester Zinssatz über die gesamte Laufzeit
  • Kündigung nicht oder nur mit Verlust möglich
  • Kapital während der Laufzeit nicht verfügbar
ja
Staatsanleihe
  • garantierte Rendite beim Kauf
  • hohe Sicherheit bei Staaten mit schlechter Bonität
  • Renditechancen bei Staaten mit geringerer Bonität
  • teils hohe Transaktionskosten
  • Ausfallrisiko bei Staaten mit schlechter Bonität
  • geringe Rendite bei Staaten mit guter Bonität
  • Währungsrisiko bei Nicht-Euro-Ländern
nein

Sparbuch: Inflation frisst die Zinsen auf

Das Sparbuch ist ein Klassiker, den oft schon die Großeltern zum Vermögensaufbau nutzen. Tatsächlich haben auch heute noch viele Bundesbürger ein Sparbuch, denn es ist einfach zu handhaben und meist kostenlos.

Daneben punktet das Sparbuch mit relativer Flexibilität. „Der Sparer kann monatlich 2.000 Euro abheben oder mit einer dreimonatigen Frist größere Beträge kündigen“, erklärt Uwe Döhler, Finanzexperte bei der Stiftung Warentest. Mindesteinlagen gibt es nicht.

Großer Nachteil: Ein Sparbuch bringt kaum Zinsen. Laut der unabhängigen Finanzberatung FMH liegt der Zins im Durchschnitt bei 0,01 Prozent. Das heißt: Das Guthaben verliert an Wert, weil die Inflation daran nagt.

Tagesgeld: maximale Flexibilität, wenig Zinsen

Eine Geldanlage ohne feste Laufzeit und mit variabler Verzinsung bietet das Tagesgeldkonto. Es kann als Ergänzung zum Girokonto gesehen werden. Guthaben ist üblicherweise täglich verfügbar. „Als eiserne Reserve sollten zwei bis drei Monatsgehälter auf einem Tagesgeldkonto liegen“, sagt Uwe Döhler.

Auch wenn man Größeres vorhat, bietet sich das Tagesgeldkonto an. „Ein Ansparkonto für Anschaffungen“, nennt es Stefan Adam vom der Verbraucherzentrale Niedersachsen.

Strafzinsen und Lockangebote

Aber Vorsicht: Bei höheren Geldeinlagen – meist ab 100.000 Euro – drohen immer häufiger Negativzinsen. Banken kassieren dann gerne ein so genanntes Verwahrentgelt. Nach einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox verlangten Ende 2020 rund 200 Institute Strafzinsen für hohe Guthaben auf Tagesgeldkonten, Tendenz steigend.

Beliebt ist das Tagesgeldkonto trotzdem, vor allem wegen seiner Flexibilität: Geld abheben, einzahlen, umschichten, alles meist kein Problem.

Flexibel ist allerdings auch der Zinssatz. Der richtet sich nach dem Markt. Gehen die Zinsen nach unten, fällt auch die Rendite beim Tagesgeld niedriger aus. Doch das bekommt nicht jeder Anleger mit.

Lockangebote sind nicht ungewöhnlich. Viele Banken werben mit einem vergleichsweise guten Zinssatz, der allerdings oft nur auf wenige Monate begrenzt ist. Danach wird der Zins wieder gesenkt.

Darum rät Uwe Döhler: „Schauen Sie sich mindestens einmal im Jahr die Zinsentwicklung ihres Tagesgeldkontos an, vergleichen Sie mit anderen Tagesgeldkonten und schichten Sie eventuell um.“

Doch selbst wer stets dem besten Zins folgt und dafür auch das Ausland nicht scheut, bekommt laut FMH bei Tagesgeldkonten derzeit nicht mal 0,4 Prozent Zinsen im Jahr. Bei einer Inflationsrate von derzeit etwa 0,5 Prozent ist das Tagesgeldkonto auf Dauer also auch ein Minusgeschäft.

Dafür ist das Tagesgeldkonto sicher und kostengünstig. Genauso wie beim Sparbuch gilt die staatliche Einlagensicherung. Kontoführungsgebühren sollten keine anfallen.

Sparbrief: sicheres Sparen zum Festzins

Er gehört zu den ältesten Geldanlagen und zählt zu den festverzinslichen Wertpapieren. Beim Sparbrief wird eine bestimmte Summe für einen festen Zeitraum zu einem fest vereinbarten Zins angelegt. Der Zinssatz kann auch gestaffelt sein. Neben der jährlichen Zinsauszahlung können Sparer auch die sogenannte thesaurierende Anlage wählen, bei der die Zinsen wieder angelegt und beim nächsten Mal mitverzinst werden.

Der Vorteil liegt darin, genau zu wissen wann, wie viel Geld ausgezahlt wird. „Der Sparbrief ist eine sichere Geldanlage ohne Kursrisiko bei der Auszahlung“, sagt Verbraucherschützer Adam.

In Hochzinsphasen kann es sinnvoll sein, langfristige Sparverträge abzuschließen und sich die hohen Zinsen zu sichern. In der aktuellen Niedrigzinsphasen sieht das anders aus. Die Anlage ist zudem unflexibel, denn sie ist nicht kündbar.

Festgeld: Laufzeit nicht zu lang wählen

„Das Festgeld ist der moderne Sparbrief“, sagt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von „Finanztip“. So wird auch auf einem Festgeldkonto eine bestimmte Summe für eine vereinbarte Laufzeit zu einem fixen Zinssatz anlegt. Der Vorteil auch hier: niedrige Kosten, kein Verlustrisiko, genaue Kalkulierbarkeit.

Aber auch der Nachteil bleibt: Die niedrigen Zinsen. Auch hier macht die Niedrigzinsphase eine anständige Rendite unmöglich. „Zinsen bieten aktuell beim Festgeld nur noch Direktanlagebanken,“ sagt Adam. In der Regel gilt: Je länger die Laufzeit, desto höher die Zinsen.

Doch auch bei einem Jahr Laufzeit kommt der Sparer aktuell auf weniger als 1 Prozent Zins. Von längeren Laufzeiten rät Uwe Döhler von der Stiftung Warentest ab: „Wegen der Niedrigzinsphase raten wir zu Laufzeiten unter fünf Jahren.“ Ist das Geld einmal angelegt, kann man nicht oder nur unter Zinsverlusten aus dem Vertrag aussteigen.

Staatsanleihen: nichts für Kleinanleger

Bei einer Staatsanleihe leiht der Anleger dem Staat für eine festgelegte Zeit Geld und bekommt dafür Zinsen. Die Laufzeiten von Staatsanleihen liegen zwischen einigen Monaten und 30 Jahren.

Wie kreditfähig die Staaten sind, wird durch Ratingagenturen eingeschätzt. Die Spanne geht von AAA bis D, je nachdem wie der Staat finanziell aufgestellt ist. Die Staatsanleihen der Bundesrepublik zählen weltweit zu den sichersten.

Allerdings bedeutet hohe Bonität auch geringe Rendite. Die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen der Bundesrepublik lag im Dezember 2020 sogar im Minus (0,57 Prozent).

Anleihen werden in der Regel an der Börse gehandelt. Darum kommen zusätzliche Gebühren auf den Anleger zu. „Für die Staatsanleihe muss ein Depot geführt werden, das kann unter Umständen etwas kosten“, erklärt Uwe Döhler. Auch bei An- und Verkauf der Anleihe werden Gebühren fällig.

Diese Kosten schmälern aktuell den Zinsertrag auf. Entsprechend klar sind die Aussagen einiger Experten: „Im Augenblick können wir Staatsanleihen für Kleinanleger nicht empfehlen“, sagt etwa Tenhagen.

Altersvorsorge mit Sparbrief und Festgeld?

Alle Bankprodukte bieten ein gutes Maß an Sicherheit. Das Risiko, dass das Ersparte verloren geht, ist gering – besonders, wenn Sie sich auf finanzkräftige Anbieter aus ebenso finanzstarken Ländern im EU-Raum beschränken. Für die langfristige Altersvorsorge eignen sich Festgeld & Co. in der aktuellen Niedrigzinsphase aber nur begrenzt.

Bessere Renditechancen bietet der Aktienmarkt, aber wie steht es mit der Sicherheit? Kursverluste sind natürlich möglich, doch wer in breitgestreute Indexfonds (ETF) investiert, hält das Verlustrisiko in Grenzen.

Anleger brauchen zudem nicht die Insolvenz des Anbieters fürchten. Die Papiere gehören in einem solchen Fall zum Sondervermögen und nicht zur Insolvenzmasse.  

Der große Vorteil der Riester-Rente gegenüber Bankprodukten ist die staatliche Förderung. Gerade Geringverdiener mit Kindern können sich allein mit Grundzulage und Kinderzulagen einen Großteil ihrer Altersvorsorge vom Staat finanzieren lassen. Zudem ist bei der geförderten Riester-Rente das angesparte Vermögen während der Ansparphase pfändungssicher.

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 dpa/ihre-vorsorge.de