Soziales / 26.08.2019

Teilzeitarbeit ist Frauensache: Zahlen und Gründe

Teilzeitarbeit in Deutschland ist weiblich. Das geht aus aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hervor. Warum das so ist, hat das Delta-Institut ermittelt.

Bild zum Thema Teilzeitarbeit ist Frauensache: Zahlen und Gründe. – Junge Frau sitzt am Schreibtisch, schaut auf den Computer und blättert dabei in einem Dokument.

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Dass Teilzeitarbeit in Deutschland „weiblich“ ist, wird niemanden verwundern. Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit weist für 2018 im Schnitt 7,2 Millionen sozialversicherungspflichtig beschäftigte Frauen aus, die Teilzeit gearbeitet haben – das ist in etwa die Hälfte (48 Prozent) aller Frauen. Bei den Männern waren es dagegen nur 1,9 Millionen.

Die Zahl der weiblichen Teilzeitbeschäftigen hat dabei in den letzten Jahren deutlich zugenommen – allein bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Frauen von 4,4 Millionen im Jahr 2008 auf 7,2 Millionen heute. Laut Statistischem Bundesamt haben sich die Zahlen von 1990 bis heute mehr als verdoppelt. Vor allem in der Phase der Familiengründung, in den ersten Jahren mit jüngeren Kindern sowie im Fall der Pflege von Angehörigen entscheiden sich Frauen für eine Reduktion ihres Erwerbsumfangs.

Teilzeit-Frauen sind ein deutsches Phänomen

Im europäischen Schnitt belegt Deutschland, wenn es um die Teilzeitarbeit von Frauen geht, fast einen Spitzenplatz. Nur in den Niederlanden ist der Anteil der Teilzeitbeschäftigten an allen abhängig beschäftigten Frauen (Teilzeitquote) mit über 75 Prozent höher. Dann folgen bereits Österreich und Deutschland mit Werten von fast 50 Prozent. EU-weit liegt die Teilzeitquote von Frauen bei 31,7 Prozent. Besonders niedrig war die Quote unter Frauen in Bulgarien (2,4 Prozent), Kroatien (6,0 Prozent) und Ungarn (6,3 Prozent). Diese Prozentwerte beziehen sich auf 2017.

Niedrigere Stundenlöhne für Teilzeit-Arbeit

Teilzeitbeschäftigt zu sein bedeutet für Frauen im Schnitt – natürlich nicht in jedem Fall –, wenig zu verdienen, mit entsprechenden Auswirkungen auf die spätere Rente. Und das nicht nur wegen der niedrigeren Arbeitszeit, sondern auch wegen niedrigerer Stundenlöhne. Trotz meist gleichrangiger Berufsqualifikationen erhalten Frauen in Teilzeit einen deutlich geringeren Stundenlohn als Männer und Frauen in Vollzeit.

Besonders niedrig ist der Stundenlohn von Frauen in geringer Teilzeit: Frauen in sogenannten „atypischen Beschäftigungsverhältnissen“ mit einem Beschäftigungsumfang von maximal 20 Stunden pro Woche. Das sind Ergebnisse einer sozialwissenschaftlichen Repräsentativbefragung im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die vom Delta-Institut für Sozialforschung durchgeführt wurde.

Lebensqualität oder Teilzeitfalle?

„Lebensqualität oder Teilzeitfalle“ – das ist der Titel der Studie. Beides trifft zu, so könnte man diese Frage beantworten. Immerhin 85 Prozent der befragten Teilzeiterinnen stimmten der Aussage „Teilzeit bedeutet für mich mehr Lebensqualität“ zu. Gleichzeitig waren sich die Betroffenen meist (zu 68 Prozent) sicher, dass sie später von ihrer Rente kaum leben können werden. Und 45 Prozent der Teilzeiterinnen gingen davon aus, dass sie im Alter zusätzlich zur Rente auf die staatliche Grundsicherung angewiesen sein würden.

Wohl auch aus diesem Grund sind sich die Betroffenen in jungen Jahren zunächst meist sicher, dass es sich bei ihrer Teilzeitbeschäftigung nur um „eine vorübergehende Phase“ in ihrem Berufsleben handeln wird. Bei den 18- bis 24-jährigen Teilzeiterinnen stimmten 88 Prozent dieser Aussage zu, bei 45- bis 49-jährigen waren es nur noch 39 Prozent.

Chance auf Vollzeitstelle sinkt

Ab „der Mitte ihrer Berufsbiografie sehen Frauen zunehmend die Vorteile und Annehmlichkeiten von Teilzeit und entwickeln die Perspektive, dauerhaft in Teilzeit arbeiten zu wollen“, heißt es in der Delta-Studie. Zudem sinkt natürlich mit jedem Jahr der Teilzeitbeschäftigung die Chance, eine Vollzeitbeschäftigung zu finden.

Klar scheint damit: Wer den Sprung in einen Vollzeitjob plant, sollte diesen Plan so früh wie möglich umsetzen. Hierbei kann zum Beispiel die 2019 neu eingeführte Brückenteilzeit helfen.

Weitere Informationen

Teilzeit: Gift für die Rente

statistik.arbeitsagentur.de
Statistik der Bundesagentur für Arbeit zur Arbeitsmarktsituation von Männern und Frauen (PDF)

www-genesis.destatis.de
Tabelle des Statistischen Bundesamtes über Abhängig Erwerbstätige von 1985 – 2018

www.delta-sozialforschung.de
Studie des Delta-Instituts zu Frauen und Teilzeit

Brückenteilzeit und andere Teilzeit-Varianten: Diese Rechte haben Arbeitnehmer

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Autor

Rolf Winkel