Altersvorsorge / 07.12.2020

Unzufrieden mit dem Riester-Vertrag – was tun?

Maue Rendite, zu hohe Kosten: Wer seinen Riester-Vertrag bereut, sollte ihn nicht einfach kündigen. Wie Sie am besten vorgehen.

Wortwolke mit Begiffen zur Riester Rente auf transparentem Grund, dahinter ein Mann in weißem Hemd mit Krawatte, der mit einem Stift darauf zeigt.

Inhalt

Machen Sie den Faktencheck

Zuerst sollten Sie die Rahmendaten des Riester-Vertrages prüfen – und die Rendite mit den damit verbundenen Garantien.

Nehmen wir folgenden Fall an:

  • Sie zahlen monatlich den Höchstbeitrag von 175 Euro (inklusive der Zulage)
  • Sie zahlen seit 37 Jahren ein, nachdem Sie mit 30 Jahren mit dem Sparen begonnen haben.
  • Die Riester-Zulagen und die Steuervorteile machen im Schnitt 30 Prozent Ihres Beitrags aus.

Bei einem guten Anbieter haben Sie in diesem Fall ein Kapital von 77.700 Euro garantiert – das entspricht exakt der Summe der Beiträge und Zulagen. Tatsächlich haben Sie aber nach Abzug der Zulagen und Steuervorteile nicht 175 Euro monatlich gezahlt, sondern lediglich 122,50 Euro.

Damit erzielen Sie eine Rendite von 1,84 Prozent, selbst wenn Sie am Ende nur Ihr Erspartes mit den Zulagen herausbekämen – und dazu kommt noch die Rendite des Vertrages selber. Alle diese Erträge erhalten Sie bei voller Kapitalgarantie.

Tipp 1: Riester-Anbieter wechseln

Der Riester-Frust richtet sich bei vielen auf die vermeintlich geringen Erträge der Vergangenheit. Tatsächlich schwächeln Riester-Banksparpläne seit Jahren, weil kaum Zinsen zu erwirtschaften sind. Auch klassische Riester-Rentenversicherungen bringen nicht mehr die Rendite aus früheren Zeiten.

Jüngere Sparer sollten deshalb einen Wechsel des Riester-Anbieters in Betracht ziehen und ein Riester-Fondsparplan zu wählen. Wer noch mehr als 20 Jahre bis zur Rente hat, kann so die Rendite deutlich erhöhen, auch wenn beim Anbieter-Wechsel Kosten anfallen. Unter Umständen übernimmt der neue Riester-Anbieter die Wechselkosten des alten Anbieters.

Den alten Vertrag lassen Sie entweder beitragsfrei ruhen oder Sie übertragen das Kapital in den neuen Vertrag.

Auf den Kostenfaktor achten

Entscheidend bei einem neuen Riester-Vertrag ist der Kostenfaktor. Damit wird umrissen, wie viel der Anbieter von der Rendite Ihrer Riester-Rente abzweigt. Beispiel: Beträgt bei 6 Prozent Vertragsrendite der Kostenfaktor 1 Prozent, dann kommen bei Ihnen 5 Prozent Rendite an – das ist ok und marktgerecht. Bei einer Kostenquote von 2,5 Prozent kommen hingegen nur noch 3,5 Prozent bei Ihnen an – eher ein schlechter Deal.

Anbieterwechsel: Das ist wichtig

Neben dem Kostenfaktor kommen weitere Faktoren dazu, die bei einem Wechsel auschlaggebend sind:

  • Wie finanzstark ist der Versicherer? Immerhin wollen Sie ein Leben lang auf ihn vertrauen.
  • Wie oft können Sie Fonds wechseln und bietet der Anbieter dafür genug Auswahl?
  • Wie wird im Alter das Vermögen in sichere Anlagen umgeschichtet?

Lassen Sie sich von einem Riester-Experten Alternativen vorschlagen und ziehen Sie bei einem attraktiven Angebot einen Wechsel in Betracht.

Tipp 2: Fondswechsel vornehmen

Sie haben bereits eine fondsgebundene Riester-Rentenversicherung, aber die Rendite ist Ihnen dennoch zu gering?

Der Erfolg von fonds­gebundenen Riester-Versicherungen hängt immer davon ab, wie die Fonds performen, die Sie gewählt haben. In welche Fonds Ihr Sparbeitrag fließt, können Sie dabei fast immer selbst bestimmen und sollten es auch tun, denn die Wertentwicklung der einzelnen Fonds kann extrem unterschiedlich verlaufen.

Ihr Anbieter kann Ihnen Auskunft geben, welche Fonds Sie wählen können – und Sie können auf Seiten wie onvista.de Informationen über die Fonds abrufen.

Wer es einfacher haben möchte, findet bei finanztest.de den Riester-Optimierer. Er nennt für viele Riester-Tarife die jeweils besten Fonds aus dem Angebot des Versicherers. Die Datenbank wird gegen eine Gebühr von 3 Euro freigeschaltet und ist unter www.test.de zu finden.

Tipp 3: Immobilie mit Riester-Rente finanzieren (Wohn-Riester)

Sie können die Riester-Rente auch nutzen, um das Eigenheim schneller zu entschulden. Angespartes Kapital aus dem Riester-Vertrag lässt sich zur Schuldentilgung einsetzen. („Wohn-Riester“)

Steht eine Verlängerung Ihres Darlehens an, kann das angesparte Riester-Vermögen als Eigenkapital eingesetzt werden.

Nachteil: Im Alter muss der Wohnwert der Immobilie versteuert werden. Allerdings ist die effektive Steuerlast sehr gering und kann durch Einmalzahlungen noch deutlich reduziert werden.

Tipp 4: Einzahlungen erhöhen und Steuern sparen

Bei steuerlich gemeinsam Veranlagten durchaus lohnen, mehr in den Riester-Vertrag einzuzahlen. Der Grund: Die Beiträge für die Riester-Rente sind als Sonderausgaben absetzbar – und zwar bei jedem Ehegatten bis zu 2.100 Euro inklusive der Zulagen.

Müssten Ehegatten zum Beispiel zusammen lediglich 2.800 Euro einzahlen, um die volle Förderung zu bekommen, hätten Sie einen Steuervorteil von etwa 980 Euro. Die Zulagen werden von diesem Steuervorteil aber wieder abgezogen – bei einer vierköpfigen Familie mit jüngeren Kindern sind das 950 Euro. Es bleibt also nur ein Steuervorteil von knapp 30 Euro.

Erhöhen die Ehepartner die Einzahlungen auf 4.200 Euro, haben Sie beim gleichen Steuersatz einen Steuervorteil von 1.470 Euro – 500 Euro mehr als vorher.

Die freiwilligen Zahlungen können also durchaus zu einem hohen Steuerbonus führen, der die Riester-Rendite attraktiver macht.

Tipp 5: Riester-Vertrag nicht kündigen

Eine Kündigung eines Riester-Vertrages ist immer die schlechteste Variante. Die Kündigung erscheint oft als Möglichkeit, das Kapital im Vertrag „locker zu machen“.

Aber: Bei einer Kündigung müssen Sie alle Riester-Zulagen zurückzahlen. Ebenso entgehen Ihnen die Steuervorteile. Im schlimmsten Fall verlieren Sie so mehr als die Hälfte des ersparten Kapitals. Und dann ist der Riester-Vertrag tatsächlich ein Fiasko.

Autorenbild

Autor

Oliver Mest