Aktuell beleuchtet / 28.05.2018

Urlaub trotz Krankengeld – geht das?

Sommer, Sonne, Urlaub – das wünschen sich in den nächsten Wochen viele Arbeitnehmer. Aber dürfen auch Krankengeld-Bezieher in den Urlaub fahren? Die Antwort: Es kommt aufs Ziel an.

Bergpanorama – Bildnachweis: fotolia.com © T. Linack

Bei den gesetzlichen Krankenkassen gilt die Regel: Kranke sollen sich so verhalten, dass es ihre Genesung fördert oder wenigstens nicht behindert. Deshalb dürfen Bezieher von Krankengeld auch spazieren gehen oder – je nach Art ihrer Erkrankung – das Schwimmbad besuchen. Und wenn es der Genesung nicht entgegen steht, dürfen sie grundsätzlich auch während des Krankengeld-Bezugs in den Urlaub fahren. Dabei muss allerdings zwischen einem Urlaub in Deutschland und im Ausland unterschieden werden.

Urlaub in Deutschland

Wer Krankengeld der gesetzlichen Krankenversicherung erhält, darf sich in Deutschland – solange dies seine Genesung nicht gefährdet – an beliebigen Orten aufhalten. Er darf beispielsweise an der Nordsee oder im deutschen Teil der Alpen Urlaub machen (was bei manchen Krankheiten durchaus die Genesung fördern kann).

Eine Inlandsreise können Versicherte auch während des Erhalts von Krankengeld jederzeit ohne Genehmigung ihrer Krankenkasse antreten. „Die telefonische und postalische Erreichbarkeit während des Urlaubs“ sollte dabei allerdings immer gewährleistet sein, erklärt die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD): Das ist wichtig, etwa wenn ein Schreiben des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) eingeht und fristgerecht beantwortet werden muss.

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Urlaub im Ausland

Anders sieht es bei einem Auslandsurlaub aus. Der Anspruch von Versicherten auf Krankengeld „ruht“generell, wenn diese sich im Ausland aufhalten. Das steht in Paragraf 16 des fünften Sozialgesetzbuchs (SGB V).

Gleichzeitig regelt dieser Paragraf aber auch, dass der Anspruch auf Krankengeld nicht ruht, wenn sich Versicherte „nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit mit Zustimmung der Krankenkasse im Ausland aufhalten“. Das bedeutet: Wer im Ausland Urlaub macht, hat nur dann Anspruch auf Krankengeld, wenn die Krankenkasse dem Urlaub ausdrücklich zustimmt.

Doch diese Zustimmung muss häufig erfolgen, entschied das Sozialgericht Karlsruhe am 20. Februar 2018 (Aktenzeichen: S 4 KR 2398/17). Gestritten wurde in Karlsruhe über die Frage, ob eine Krankenkasse einfach so die Zustimmung verweigern kann.

Es ging um einen bereits längerfristig erkrankten Arbeitnehmer, der für sich und seine Familie schon lange vor dem Eintritt seiner Krankheit für zwei Wochen ein Ferienhaus an der Mittelmeerküste gebucht hatte. Daher bat er seinen gesetzlichen Krankenversicherer darum, den Urlaub antreten zu dürfen, ohne deswegen auf die Fortzahlung des Krankengeldes verzichten zu müssen.

Der Krankenkasse legte er hierzu eine Bescheinigung seines Arztes über seine Reisefähigkeit vor. Dieser attestierte dem Erkrankten zudem, dass sich der Urlaub vorteilhaft auf seine Genesung auswirken könne. Außerdem seien im Urlaubszeitraum keine Arzttermine geplant.

Doch die Kasse lehnte die Fortzahlung von Krankengeld im Urlaub ab. Schließlich sei die positive Auswirkung des Urlaubs nicht gesichert.

Der Versicherte wehrte sich per Widerspruch und Klage gegen die Entscheidung seiner Krankenkasse und hatte beim Sozialgericht Karlsruhe Erfolg. Dieses befand, die Versicherung habe ihr Ermessen fehlerhaft ausgeübt.

„Die Vorschriften über das Ruhen des Krankengeldanspruchs bei einem Auslandsurlaub (sollten) nur eine ungerechtfertigte Inanspruchnahme von Krankengeld in den Fällen verhindern, in denen die Arbeitsunfähigkeit im Ausland nur mit Schwierigkeiten festgestellt werden“ könne.

Beim Kläger sei die Arbeitsunfähigkeit in Deutschland festgestellt worden. Sie liege auch unstreitig während des Urlaubs vor. Daher verbleibe für eine Ablehnung durch die Krankenkasse kein Raum mehr. Dies ergebe sich für das EU-Ausland schließlich auch aus höherrangigem Recht der Europäischen Union.

Rechtzeitig Antrag stellen

Wer als Krankengeldbezieher ins Ausland fahren will, sollte dies rechtzeitig bei seiner Krankenkasse beantragen. Der Antrag kann formlos gestellt werden, am besten einige Wochen vor dem geplanten Urlaub. Ein aussagekräftiges Attest des behandelnden Arztes sollte auf jeden Fall beigefügt werden.

Auf Basis dieses Antrages kann die Krankenkasse dann eine Stellungnahme beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung einholen.

Bei einem Antrag auf eine Auslandsreise muss die Krankenkasse eine Ermessensentscheidung treffen. Hierzu prüft sie,

  • ob die Gefahr eines Leistungsmissbrauchs besteht,
  • ob eine erfolgreiche Behandlung auch im Ausland gewährleistet ist und
  • ob die Gefahr besteht, dass die Arbeitsunfähigkeit als Folge des Auslandsaufenthalts verlängert wird.

Achtung: Sollte die Krankenkasse Ihren Urlaub nicht genehmigen, sollten Sie (zunächst) auch nicht fahren. Wenn sie trotzdem verreisen, kann das zu einem Entzug des Krankengelds für die Reisezeit und gegebenenfalls auch zu einem generellen Verlust des Krankengeld-Anspruchs führen. Legen Sie Widerspruch gegen die Entscheidung der Krankenkasse ein.

Auch den Arbeitgeber benachrichtigen

Krankengeld gibt es für diejenigen, die länger als sechs Wochen krank sind. Da es die Krankenkasse und nicht der Arbeitgeber zahlt, hat der Chef im Prinzip bei der Urlaubsgenehmigung für Langzeit-Kranke nicht mitzureden.

Besser ist es aber dennoch meistens, (auch) den Arbeitgeber über die Urlaubspläne zu informieren. „Wenn Sie dies tun und ihm aufzeigen, dass sich der Urlaub nach Einschätzung Ihres Arztes positiv auf Ihre Gesundheit auswirken kann, schaffen Sie eines: Vertrauen“, erklärt die Unabhängige Patientenberatung Deutschland.

Weitere Informationen

www.patientenberatung.de
Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) brät kostenlos u.a. zu den Rechten von Patienten und Krankenversicherten

www.sozialgericht-karlsruhe.de
Pressemitteilung auf der Internetseite des Sozialgerichts Karlsruhe

Autorenbild

Autor

Rolf Winkel