Aktuell beleuchtet / 27.11.2017

Versicherungen verschenken

Alle Jahre wieder liegen auch Versicherungspolicen unter dem Weihnachtsbaum. Aber ist das sinnvoll? Welche Policen sich wirklich als Präsent für wen eignen und was vor dem Abschluss zu beachten ist – ein Überblick.

Geschenke unter dem Christbaum – Bildnachweis: istockphoto.com © kanzefar

Versicherungen: Das sind sinnvolle Geschenke

Folgende Versicherungen können eine sinnvolle Risikovorsorge darstellen. Wie weit sich aber Menschen absichern wollen, sollten sie selbst entscheiden. Deswegen rät ihre-vorsorge.de von "Überraschungs-Versicherungen" ab. Ohnehin müssen Versicherte in den meisten Verträgen selbst unterschreiben.

Kinderinvaliditätsversicherungen

Sie springen ein, wenn das Kind in jungen Jahren so schwer erkrankt oder verunglückt, dass es ein Leben lang finanzielle Unterstützung benötigt. Sehen die Policen wie üblich eine Rentenzahlung und eine Einmalzahlung vor, kosten sie schnell bis zu 500 Euro im Jahr. Hier können die Verwandten mit dieser sinnvollen Police tatsächlich eine wichtige Risikoabsicherung schenken. 

Krankenzusatzversicherungen

 Für Kinder können sie eine gute Wahl sein. Sie entlasten die Eltern finanziell, wenn sie zum Beispiel die Kosten für teure kieferorthopädische Maßnahmen ganz oder teilweise übernehmen. Solche Policen gibt es ab 10 Euro monatlich aufwärts. Auch für Erwachsene gibt es diesen Schutz – etwa in der Form einer Zahnzusatzversicherung. Je nach Tarif können durch die Kombination von gesetzlichem Kassenzuschuss plus Versicherung bis zu 80 Prozent der Kosten von Implantaten oder Inlays erreicht werden.

Beliebt sind auch Zusatzversicherungen, die Chefarztbehandlung oder Zwei-Bett-Zimmer garantieren. Solche Zusatzversicherungen zu verschenken, macht aber nur dann Sinn, wenn der Beschenkte solche Leistungen tatsächlich benötigt oder sich diese künftig wünscht. 

Auslandsreisekrankenversicherung

Sie übernimmt Kosten für ambulante und stationäre Behandlungen im Ausland und – je nach Vertrag – auch den Rücktransport vom Ausland nach Hause. Für eine ganze Familie kostet sie kaum mehr als 20 Euro im Jahr. Sie ist ein sinnvolles Geschenk für alle, die im Urlaub Deutschland verlassen.

Schutzbriefe

Automobilclubs,  Autohersteller und Versicherungen bieten jährlich kündbare Schutzbriefe mit einem breiten Leistungsspektrum an. Versichert sein kann Pannen- und Unfallhilfe, Kostenerstattung bei Reiseabbruch, Krankenrücktransport, Mietwagen oder Werkstattservice.

Risikolebensversicherung

Wenn der Ernährer stirbt, zahlt sie eine zuvor vereinbarte Summe. Die Höhe der Prämie wird von einer Reihe von Faktoren beeinflusst – etwa der Höhe der Versicherungssumme, dem Alter, dem Gesundheitszustand oder davon, ob der Versicherte raucht oder ein sonstiges gefährliches Hobby hat.

Private Berufsunfähigkeitsversicherungen

Sie zahlt, wenn unfall- oder krankheitsbedingt die Ausübung eines Berufs nicht mehr möglich ist. Sie ist eine sinnvolle Ergänzung zur Erwerbsminderungsrente der gesetzlichen Rentenversicherung. Im Gegensatz zu ihr stellen Versicherungskonzerne allerdings eine Risikoprüfung an. Antragsteller werden genau durchleuchtet. Menschen mit Gesundheitsproblemen erhalten keine Berufsunfähigkeitsversicherung oder müssen Risikozuschläge zahlen. Diese Versicherung gehört zu den teuersten überhaupt – schnell können vierstellige Summen auflaufen. Ihre-vorsorge.de rät eine solche Versicherung nicht ohne Beratung – etwa durch eine Verbraucherzentrale oder einen unabhängigen Honorarberater – abzuschließen.

Unnütze Versicherungsgeschenke

Ein wenig sinnvolles Geschenk unterm Baum sind Versicherungen, die mehr Sparvertrag als Risikoabsicherung sind. Das beste Beispiel sind Ausbildungsversicherungen. Die sind nichts anderes als Kapitallebensversicherungen, die auch dann weiter bespart werden, wenn ein Elternteil stirbt. Der Nachteil: Die Verträge sind extrem unflexibel, die Rendite ist mäßig. Hier heißt die Devise: Finger weg!

Vorsicht ist auch bei den vielen „Enkel-Policen“ angebracht, die auf dem Markt sind: Dahinter verstecken sich Versicherungspakete, die neben einer wenig empfehlenswerten Kapitallebensversicherung auch eine Unfall- und eine Krankenzusatzversicherung beinhalten. Es ist besser, sinnvollen Schutz wie den einer Krankenzusatzversicherung über eine leistungsstarke Police separat abzudecken. Das macht auch flexibler: Sind die Finanzen mal knapp, lässt sich flexibler auswählen, welche Versicherung beitragsfrei gestellt (Einzahlungen werden vorübergehend gestoppt) oder gekündigt werden kann.

Eine Unfallversicherung schadet nicht, ist aber als Einzelpolice oft auch günstiger – zudem ist eine Kinderinvaliditätsversicherung der weitergehende und damit empfehlenswertere Schutz.

Bessere Alternative: Sparverträge

Eine Versicherung ist ein starres Vertragswerk. Sind die Policen vor allem zum Kapitalaufbau gedacht, gibt es bessere Alternativen: Ein Sparvertrag ist genauso möglich wie ein Fondssparplan, der über Jahre wächst.

Solche Lösungen verursachen weniger Kosten, die zu Lasten der Rendite gehen, und sie sind deutlich flexibler – davon profitieren Schenker wie Beschenkte gleichermaßen. Es gibt keine Mindestlaufzeit, und monatliche Zahlungen können problemlos ausgesetzt oder auch erhöht werden. Und der Beschenkte kommt einfacher an sein Geld, wenn er es benötigt – und muss keine langen Kündigungsfristen abwarten. Viele Banken bieten zudem Konten für den Nachwuchs an, die kostenfrei sind.

Vier Grundsätze für sinnvolles Schenken

Grundsatz 1: Nicht doppelt absichern

Wenn Versicherungen verschenkt werden, muss dabei – unabhängig von der Art der Police – an einiges gedacht werden. So sollten die Schenker zunächst einmal in Erfahrung bringen, welche Policen bereits vorhanden sind. So bringen Doppelversicherungen beispielsweise im Bereich der Krankenzusatzversicherungen nichts – die Kosten werden nur einmal erstattet. Eine zweite Police ist zum Fenster rausgeschmissenes Geld.

Grundsatz 2: Gesundheitsfragen gemeinsam beantworten

In einigen Versicherungsanträgen müssen Gesundheitsfragen beantwortet werden. Die Angaben müssen richtig und vollständig sein, da sonst im Fall der Fälle die Versicherung nicht zahlt.

Das ist zum Beispiel besonders wichtig bei einer

  • Kinderinvaliditätsversicherung
  • Risikolebensversicherung
  • Krankenzusatzversicherung
  • Reisekrankenversicherung
  • privaten Berufsunfähigkeitsversicherung

Tipp: Der Schenker sollte unbedingt mit den Eltern vor dem Vertragsschluss sprechen und sie nicht mit einer Police überraschen, die dann wegen falscher Gesundheitsangaben niemals zahlen muss.

Grundsatz 3: Beitragspflichten beachten

Für Frust unterm Tannenbaum – vor allem bei den Eltern – kann auch der Umstand sorgen, dass es bei einer verschenkten Police mit dem Verschenken an sich nicht getan ist. Denn die Verträge ziehen eine Beitragspflicht nach sich, die sich nicht selten über Jahrzehnte erstreckt.

Wer Versicherungen verschenkt, sollte willens und in der Lage sein, diese Prämie dauerhaft zu zahlen. Denn die beste verschenkte Versicherung nützt nichts, wenn die Eltern nach kurzer Zeit die Prämie zahlen müssen und damit finanziell überfordert sind – und genau das ist ja in der Regel der Grund, weswegen sie die Versicherungen nicht selbst abschließen.

Ohne ausreichende "Deckung" droht ansonsten ein wichtiger Versicherungsschutz irgendwann gekündigt zu werden, wenn die Prämienzahlungen ausbleiben. Bei echten Risikoabsicherungen entfällt der Schutz dann, bei Kapitalversicherungen führt eine Kündigung dazu, dass das einstige Geschenk ein Verlustgeschäft wird, wenn nicht einmal die eingezahlten Beiträge zurückgezahlt werden.

Grundsatz 4: Ein gutes Produkt auswählen

Wie bei allen Produkten gilt: Preis- und Leistung(sspektrum) müssen nicht unbedingt im Verhältnis stehen. Gerade bei den teuren Versicherungen – Risikolebens-, Berufsunfähigkeits- und Kinderinvaliditätsversicherung – ist eine unabhängige Beratung oder wenigstens gründliches Einlesen eigentlich Pflicht.

Beratung gibt es unter anderem beim Bund der Versicherten, bei Verbraucherzentralen oder bei unabhängigen Versicherungsberatern. Aber auch bei günstigeren Versicherungen lohnt ein Vergleich.

Tipp: Die Stiftung Warentest bietet individuelle Versicherungsvergleiche an. Ein Vergleich für eine Risikolebensversicherung kostet zum Beispiel 15 Euro. Für viele Versicherungen bietet die Stiftung Warentest auch Vergleiche auf Basis von Modelfällen an. Der Download einzelner Artikel kostet maximal 2,50 Euro.

Grundsatz 5: Versicherungsunterlagen aushändigen

Wer eine Versicherung verschenkt, sollte dem Beschenkten alle Unterlagen aushändigen. Dazu gehören der Versicherungsschein und die Allgemeinen Versicherungsbedingungen.

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Autor

Michael J. John