Rente / 12.10.2020

Was Arbeitslosigkeit für die Rente bedeutet

In der Krise sind mehr Menschen auf Arbeitslosengeld angewiesen. Manche rutschen sogar in Hartz 4. Wie sich das auf die Rente auswirkt.

Junges Paar sitzt am Tisch mit Unterlagen und schaut ernst auf einen Taschenrechner.

Inhalt

Wie wirkt sich Arbeitslosengeld 1 auf die Rente aus?

Wer arbeitslos wird und Arbeitslosengeld bezieht, muss keine hohen Einbußen bei der Rente befürchten. Die Rentenansprüche steigen auch während der Arbeitslosigkeit, weil die Arbeitsagentur für Sie Beiträge in die Rentenversicherung einzahlt.

Die Agentur übernimmt den kompletten Beitrag. Sie zahlt also sowohl den Arbeitgeber- als auch den Arbeitnehmeranteil. Ihr Arbeitslosengeld wird dadurch nicht geschmälert.

Ihre Rentenansprüche steigen allerdings etwas langsamer. Denn die Arbeitsagentur überweist für Arbeitslose an die Rentenkasse Beiträge auf Basis von 80 Prozent ihres Bruttoarbeitseinkommens vor der Arbeitslosigkeit.

Die Zeit des Arbeitslosengeld-1-Bezugs ist damit für die spätere Rente um ein Fünftel weniger wert als die vorherige Beschäftigungszeit.

Konkret heißt das: Ein volles Jahr Arbeitslosengeld-Bezug bringt bei einem Bruttoverdienst von 3.000 Euro ein Minus bei der späteren Monatsrente von etwa 6 bis 7 Euro. Bei vier Monaten Arbeitslosengeld-Bezug sinkt die spätere Monatsrente um gut 2 Euro.

Gilt Arbeitslosigkeit als Versicherungszeit für die Rente?

Die Zeit, in der Sie Arbeitslosengeld 1 beziehen, zählt als vollwertige Versicherungszeit, wenn es um Ihre Altersrente geht. Sie kann Ihnen also einen Anspruch auf alle vorzeitigen Altersruhegelder, aber auch auf Erwerbsminderungsrente sichern.

Einschränkung bei Altersrente für besonders langjährig Versicherte:

Bei der Altersrente für besonders langjährig Versicherte sieht es etwas anders aus. Hier gilt eine besondere Wartezeit von 45 Jahren. Zeiten des Bezugs von Arbeitslosigkeit zählen hierbei mit. Ausnahme: Wenn Sie in den letzten beiden Jahren vor Erreichen der für Sie geltenden Altersgrenze Arbeitslosengeld bezogen haben, werden diese beiden Jahre nicht auf die Wartezeit angerechnet.

Arbeitslosengeld 1 beantragen: Muss ich Ersparnisse offenlegen?

Arbeitslosengeld 1 ist eine Versicherungsleistung. Sie steht Ihnen zu, wenn der Versicherungsfall eingetreten ist. Nach Ihren Ersparnissen werden Sie deshalb im Antrag auf Arbeitslosengeld 1 nicht gefragt. Das ändert sich allerdings, wenn Sie später gegebenenfalls auf Arbeitslosengeld 2 (Hartz 4) angewiesen sind.

Wie wirkt sich Arbeitslosengeld 2 (Hartz 4) auf die Rente aus?

Wer Arbeitslosengeld 2 (ALG 2) bezieht, ist bei der Rentenversicherung weit schlechter gestellt als Empfänger von Arbeitslosengeld 1.

Für die Höhe Ihrer Rente bringt Ihnen Hartz-4 nichts, weil die Hartz-4-Träger für Sie keine Rentenbeiträge einzahlen. Das bedeutet: Schon einige Jahre des Bezugs von ALG 2 können Sie im Alter an den Rand der Armut bringen.

Die Zeit des Arbeitslosengeld-2-Bezugs ist aber für die Rente nicht wertlos. Sie gilt als „Anrechnungszeit ohne Bewertung“. Anrechnungszeiten ohne Bewertung sind wichtig, etwa wenn Sie eine vorzeitige Altersrente (für Schwerbehinderte und langjährig Versicherte) beziehen möchten oder erwerbsunfähig beziehungsweise erwerbsgemindert werden. Sie zählen aber nicht für die abschlagsfreie Altersrente für besonders langjährige Versicherte.

Tipp: Altersvorsorge „Hartz-4-sicher“ machen

Wer eine private Kapitallebensversicherung oder Rentenversicherung hat, sollte darauf achten, dass die Leistungen frühestens ab dem 60. Lebensjahr ausgezahlt werden können. Gegebenenfalls müssen Sie mit Ihrem Versicherer eine Vertragsänderung vereinbaren.

Durch eine entsprechende Vertragsanpassung sichern Sie sich hohe Freibeträge, die meist dafür sorgen, dass die Versicherung einem Anspruch auf Arbeitslosengeld 2 nicht entgegensteht. Lassen Sie sich rechtzeitig von Ihrem Versicherer beraten.

Rürup-Verträge und Riester-Verträge müssen ohnehin nicht gekündigt werden, bevor ALG 2 gezahlt wird.

Für Anträge, die bis Ende 2020 gestellt werden, gelten beim Arbeitslosengeld 2 erleichterte Bedingungen bei der Vermögensprüfung. So werden beispielsweise für eine vierköpfige Familie Rücklagen im Wert von 150.000 Euro als „nicht erheblich‘“ akzeptiert. Rücklagen in dieser Höhe stehen also einem Anspruch auf Arbeitslosengeld 2 nicht entgegen.


Hartz 4 und Anspruch auf Erwerbsminderungsrente

Wer dauerhaft krank ist, so dass er nicht mehr arbeiten kann, hat unter Umständen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente. Eine Bedingung lautet: Die Rentenversicherung hat in den letzten fünf Jahren vor Rentenbeginn mindestens drei Jahre Beiträge erhalten.

Während der Hartz-4-Zeit fließen zwar keine Beiträge, aber: Soweit Sie vor der Hartz-4-Zeit Versicherungsschutz erworben haben, etwa durch Bezug von Arbeitslosengeld 1 oder durch eine versicherungspflichtige Beschäftigung, bleibt dieser Schutz auch in Hartz-4-Zeit erhalten. Stellen Sie beispielsweise nach zwei Jahren ALG-2-Bezug einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente, so wird überprüft, ob sie die 3-in 5-Voraussetzung vor dem ALG-2-Bezug erfüllt haben.

Tipp: Bei Minijob Rentenversicherungspflicht nicht abwählen

Viele Minijobber erhalten zusätzlich das so genannte aufstockende Arbeitslosengeld 2. Sie leben also von Lohn plus öffentlicher Unterstützung.

Minijobs sind im Grundsatz rentenversicherungspflichtig und bringen ein geringes Rentenplus. Wichtiger ist jedoch: Die Zeit des Minijobbens zählt bei Rentenversicherungspflicht als vollwertige Versicherungszeit. Sie zählt mit, wenn es um die Anwartschaft auf vorzeitige Altersruhegelder oder die reguläre Altersrente geht. Das gilt auch für Minijobs, die neben dem Bezug von Arbeitslosengeld 1 ausgeübt werden.

Doch die meisten Jobber wählen die Rentenversicherungspflicht ab und sparen dadurch bis zu 16,20 Euro im Monat – und schneiden sich damit ins eigene Fleisch. Der ohnehin geringe Versicherungsbeitrag wird nämlich indirekt durch das Jobcenter finanziert. Denn wer 16,20 Euro als Rentenbeitrag zahlt, vermindert sein anrechenbares Einkommen genau um diesen Beitrag.
Das bedeutet: Das Jobcenter zahlt ihm monatlich 16,20 Euro mehr an Unterstützung.

Wer dagegen auf die Rentenversicherungspflicht verzichtet, dessen anrechenbares Einkommen steigt um 16,20 Euro. Die Folge: Das Amt überweist monatlich 16,20 Euro weniger.
Hier gilt also das Prinzip: In der einen Tasche rein – in der anderen Tasche raus.


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Autor

Rolf Winkel