Altersvorsorge / 05.10.2020

Was die Riester-Rente wirklich kostet

Riester-Verträge seien oft teuer, die Kosten fräßen die Rendite auf, kritisieren Verbraucherschützer. Aber was heißt eigentlich teuer?

Junges Paar wird zuhause von einer Frau mit Tablet beraten.

Bildnachweis: wdv / Jan Lauer

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Immer mehr Menschen stehen der Riester-Rente skeptisch gegenüber. Im vergangenen Jahr 2019 haben zum zweiten Mal in der 20-jährigen Riester-Geschichte mehr Menschen einen Riester-Vertrag gekündigt als neu abgeschlossen. Auf Jahressicht ging der Bestand um 70.000 auf 16,53 Millionen Verträge zurück.

Die Kritik der Verbraucherschützer entzündet sich auch an den Kosten, die oft zu einer schlechten Rendite führen würden. Aber was kostet ein Riester-Vertrag üblicherweise eigentlich? Was kostet Ihr Riester-Vertrag?

Riester-Kosten: Was ist die Kostenquote?

Die Kosten eines Riester-Vertrages werden meist als so genannte Kostenquote erfasst. Damit wird ermittelt, wie viel der vorausgesagten Rendite für den Versicherer abfällt. Erzielt zum Beispiel der Vertrag fünf Prozent Rendite und kommen tatsächlich vier Prozent bei Ihnen an, so liegt die Kostenquote bei einem Prozent.

Die Methode und die Berechnung sind umstritten, weil man die Quote immer im Zusammenspiel mit der Rendite sehen muss. So ist eine Kostenquote von einem Prozent bei einer Rendite von zwei Prozent anders zu bewerten als bei einer Rendite von acht Prozent. Dennoch gibt die Kostenquote wertvolle Hinweise.

Riester-Kostenquote berechnen

Um die Kostenquote zu berechnen, müssen Sie wissen

  • wie viel Sie monatlich in den Vertrag einzahlen,
  • wie lange der Vertrag läuft und
  • wie hoch die Ablaufleistung unter Annahme einer bestimmten Rendite ist.

Mit diesen Daten können Sie mit einem Online-Rechner die tatsächliche Rendite errechnen. Die Differenz ist die Kostenquote.

 

 

Ein Beispiel für die Kostenquote:

  • Sie schließen mit 30 Jahren einen fondsgebundenen Riester-Vertrag ab.
  • Sie zahlen jeden Monat 175 Euro ein, 37 Jahre lang.
  • Die Rendite beträgt konstant fünf Prozent – das ist vor allem wegen Konstanz sicherlich nicht realistisch, aber als Rechenbeispiel einfach nachzuvollziehen.

Nach 37 Jahren müssten dann rund 219.000 Euro Kapital vorhanden sein. Angenommen, Sie erhalten tatsächlich nur 184.000 Euro. Dann sinkt die Rendite auf 4,22 Prozent. Die Differenz von 0,78 Prozent ist die Kostenquote.


Wichtig: Klären Sie bei der Beratung, wie sich die prognostizierte Ablaufleistung zusammensetzt, also welche Kosten dort bereits berücksichtigt sind. Nur so lassen sich verschiedene Angebote auch tatsächlich vergleichen.

Kostenquote vergleichen und Rendite optimieren

Ein Kostenanteil von 0,78 Prozentpunkten ist absolut im Rahmen des Marktüblichen. Ein Vergleich verschiedener Anbieter kann sich aber durchaus lohnen. Denn in anderen Fällen stehen am Ende nur 133.000 Euro. Die tatsächliche Rendite beträgt dann lediglich noch 2,72 Prozent – ein deutliches Minus gegenüber dem günstigsten Anbieter mit der über mehr als einem Prozentpunkt höheren Rendite.

Honorartarife verbessern die Rendite

Ein Bonuspunkt für die Rendite können sogenannte Honorartarife sein. Bei diesen Tarifen rechnet der Versicherungsvermittler die Kosten seiner Beratung direkt mit Ihnen ab – meist mit einem einmaligen Beitrag bei Vertragsschluss, der im Schnitt bei 600 bis 1200 Euro liegt. Im Gegenzug sinken die Kosten im Vertrag erheblich, sodass die Rendite um bis zu 0,8 Prozentpunkte steigen kann. Das macht einen Unterschied von mehreren 10.000 Euro im angesparten Kapital aus – und ein Rentenplus von 150 bis 180 Euro. Die Kosten für das Honorar machen sich so schnell bezahlt.

Zusatzleistungen verschlechtern die Rendite

Auch bei der individuellen Vertragsgestaltung lässt sich die Rendite noch optimieren. So gibt es zwar die Möglichkeit, eine Rentengarantiezeit zu vereinbaren. Damit wird sichergestellt, dass zum Beispiel der Partner oder die Kinder für den festgelegten Zeitraum die Rente weiter beziehen, auch wenn der Riester-Sparer bereits verstorben ist. Verzichten Sie aber darauf, kann das die Rendite um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte steigern.

Auch Zusatzbausteine wie die Absicherung der Riester-Rente für den Fall einer Berufsunfähigkeit können durchaus sinnvoll sein, belasten aber die Rendite und sollten deshalb gut überlegt sein.

Kosten anderer Riester-Modelle vergleichen

Der Vergleich der Kosten lohnt aber nicht nur bei verschiedenen Riester-Rentenversicherungen untereinander, sondern auch zu anderen Riester-Produkten. Das Angebot ist hier mittlerweile ziemlich ausgedünnt, weil die lange Zeit beliebten Riester-Banksparpläne kaum noch Zinsen bringen und nicht mehr als ernsthafte Alternative infrage kommen. Riester-Fondssparpläne gelten als preisgünstig und renditestark, allerdings nicht immer zu Recht. Bei einer Renditeerwartung von drei Prozent sind Effektivkosten pro Jahr von 1,0 bis 1,5 Prozent üblich. So bleibt mitunter die Hälfte der Rendite beim Anbieter.

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Autor

Oliver Mest