Rente / 09.01.2023

Was für Rentner 2023 wichtig ist

Mehr Rente, Hinzuverdienst, Wohngeld, Steuer: Ein Überblick über die wichtigsten Neuerungen für Rentnerinnen und Rentner.

Inhalt

Wird es 2023 eine Rentenerhöhung geben?

Die Rentenanpassung gibt es wie immer zum 1. Juli. Es wird eine Rentenerhöhung von schätzungsweise 3,5 Prozent im Westen geben, das geht aus dem Rentenversicherungsbericht 2022 hervor. Um wie viel die Renten genau steigen, wird erst im Frühjahr 2023 feststehen.

Was ändert sich für Rentner in den neuen Bundesländern?

Spätestens ab Juli 2024 soll die Rente in ganz Deutschland einheitlich berechnet werden. Dazu gibt es im Sozialgesetzbuch einen Stufenplan zur Anpassung der Ost-Renten auf West-Niveau.

Eine weitere Stufe tritt am 1. Juli 2023 in Kraft. Danach muss der Rentenwert Ost im Juli 2023 auf mindestens 99,3 Prozent des aktuellen Rentenwerts West steigen. Das bedeutet: Steigen die West-Renten um 3,5 Prozent, so gibt es bei den Ost-Renten mindestens ein Plus von 4,2 Prozent.

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Welcher Hinzuverdienst ist Frührentnern ohne Kürzung der Rente erlaubt?

Es gibt keine Grenze mehr. Der Gesetzgeber hat die Hinzuverdienstgrenze für vorgezogene Altersrenten abgeschafft. Das heißt: Wer ein vorgezogenes Altersruhegeld der gesetzlichen Rentenversicherung erhält, darf nun unbegrenzt hinzuverdienen, ohne dass die Rente gekürzt wird.

Schon bislang konnten Senioren ohne Folgen für die Rente in beliebiger Höhe zum Ruhegeld hinzuverdienen, sobald sie ihr reguläres Rentenalter erreicht haben. Dies gilt nun für alle Altersrentner.

So können zum Beispiel Schwerbehinderte mit 62 Jahren eine Altersrente für schwerbehinderte Menschen bekommen – sofern die Wartezeit hierfür erfüllt ist – und weiterhin ihre Arbeit ausüben.

Keine Info an Rentenversicherung nötig

Mit der Neuregelung entfällt auch die Pflicht, die Rentenversicherung über die Aufnahme einer Beschäftigung zu informieren.

Was muss ich beim Hinzuverdienst beachten?

Der Bezug einer vollen Altersrente neben dem Job hat Folgen für die Sozialversicherung, zum Beispiel im Krankheitsfall.

Zwar erhalten Sie als arbeitender Rentenbezieher wie andere Arbeitnehmer bis zu sechs Wochen Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber. Sie haben aber keinen Anspruch auf Krankengeld aus der gesetzlichen Krankenversicherung.

Dafür reduziert sich der Krankenversicherungsbeitrag leicht – um je 0,3 Prozentpunkte für Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Außerdem wichtig: Wer neben dem Job die volle Altersrente erhält, hat keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld, wenn der Job verloren geht.

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Bekomme ich durch die Weiterarbeit eine höhere Rente?

Die Beschäftigung ist weiterhin rentenversicherungspflichtig. Weil also weiter Beiträge fließen, füllt sich Ihr Rentenkonto mit weiteren Rentenpunkten (genau: Entgeltpunkte). Wer zum Beispiel monatlich brutto 2000 Euro verdient, bekommt – großzügig gerundet – pro Jahr 0,6 Entgeltpunkte hinzu. Diese werden Ihnen gutgeschrieben, sobald Sie Ihr reguläres Rentenalter erreichen.

Sobald Sie dieses Alter erreicht haben, sind Sie rentenversicherungsfrei. Sie selbst zahlen damit keinen Rentenbeitrag mehr.

Sie können sich aber in die Rentenversicherung einwählen. Das bringt Ihnen ab dem Juli des Folgejahrs weitere Rentenansprüche.

Was ändert sich für Erwerbsminderungsrentner beim Hinzuverdienst?

Bei Erwerbsminderungsrenten gelten weiterhin Hinzuverdienstgrenzen. Der Gesetzgeber hat die Grenzen aber deutlich angehoben. Außerdem hat er sie an die Entwicklung der so genannten Bezugsgröße angepasst, eine wichtige Rechengröße in der Sozialversicherung, die jährlich neu festgelegt wird. Anrechnungsfrei ist nun ein monatliches Bruttoentgelt bis zur Höhe von drei Achteln der 14fachen monatlichen Bezugsgröße.

Für 2023 bedeutet das: Bei voller Erwerbsminderung ist ein Hinzuverdienst von 17.823,75 Euro im Jahr anrechnungsfrei.

Erbwerbsminderungsrente: Auf die tägliche Arbeitszeit achten

Wer Erwerbsminderungsrente bezieht und sich etwas hinzuverdienen will, muss wissen: Eine Rente wegen voller Erwerbsminderung erhält nur, wer täglich nur noch weniger als drei Stunden arbeiten kann. Gegebenenfalls entfällt also durch einen Job die Grundlage für diese Rente. Erwerbsgeminderte sollten sich deshalb vor Aufnahme einer Tätigkeit bei einer Auskunfts- und Beratungsstelle der gesetzlichen Rentenversicherung beraten lassen.


Was gilt bei einer Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung?

Wer eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung erhält, darf 2023 mindestens 35.647,50 Euro hinzuverdienen, ohne dass die Rente gekürzt wird.

Die Rechenregel lautet: Ein Einkommen in Höhe von sechs Achteln der 14fachen monatlichen Bezugsgröße ist anrechnungsfrei. Sofern vor Eintritt der Erwerbsminderung ein höheres Einkommen erzielt wurde, gilt weiterhin eine höhere individuelle Hinzuverdienstgrenze.

Die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung kann erhalten, wer noch mindestens drei Stunden, aber weniger als sechs Stunden täglich arbeiten kann. Sie ist also von vornherein als Ergänzung zum Arbeitseinkommen gedacht. Entsprechend liegt die Hinzuverdienstgrenze deutlich höher.

Was ändert sich für Rentner beim Wohngeld?

Beim Wohngeld gibt es umfangreiche Leistungsverbesserungen. Durch das neue Wohngeld-Plus werden ab 2023 wohl mehr als eine Million Rentner Anspruch auf Wohngeld haben

Hinsichtlich des erlaubten Vermögens gelten recht großzügige Regeln. So stehen Ersparnisse bis zur Höhe von 60.000 Euro bei einem Alleinstehenden einem Anspruch auf den staatlichen Wohnkostenzuschuss nicht entgegen.

Tipp: Anspruch mit Wohngeldrechner ermitteln

Ob Sie Wohngeld erhalten, können Sie mit einem Internet-Wohngeldrechner ermitteln, zum Beispiel bei smart-rechner.de oder beim Bundesbauministerium (BMWSB).

Beispiel: Ein Münchener Rentner hat eine Bruttorente in Höhe von 1500 Euro und zahlt monatlich eine Kaltmiete in Höhe von 600 Euro. Als Wohngeld kann er monatlich 108 Euro erhalten. Wenn er jedoch 33 Jahre mit Grundrentenzeiten bei der Rente nachweisen kann, wird bei der Wohngeldberechnung ein Rentenfreibetrag berücksichtigt. Das bringt ihm dann sogar ein Wohngeld in Höhe von 254 Euro.


Wie hoch ist der Rentenfreibetrag bei der Grundsicherung und beim Wohngeld?

Der maximale Rentenfreibetrag bei der Grundsicherung im Alter und beim Wohngeld steigt 2023 auf 251 Euro.

Sie können diesen Freibetrag in dieser Höhe in Anspruch nehmen, wenn Ihre Monatsrente mindestens 603 Euro beträgt. Voraussetzung für den Freibetrag ist, dass Sie als Altersrentner auf mindestens 33 Jahre mit Grundrentenzeiten kommen. Dies muss die Deutsche Rentenversicherung feststellen.

Was ändert sich sonst noch bei der Grundsicherung im Alter?

Es gelten nun höhere Grenzen für erlaubtes Geldvermögen, etwa aus Sparverträgen oder Aktien. Für Alleinstehende sind nun 10.000 Euro erlaubt.

Dieser Betrag muss also nicht angetastet werden, wenn Grundsicherung im Alter beantragt wird. Für Paare gilt der doppelte Betrag.

Darüber hinaus ist auch für Bezieher von Grundsicherung im Alter ein angemessenes Auto erlaubt. Die Grenze für die Angemessenheit liegt dabei bei einem Wert von 7500 Euro.

Gibt es für Rentner auch Änderungen bei den Sozialversicherungen?

Für viele Rentner fallen etwas höhere Abzüge von der Rente an. Von der Bruttorente gehen noch die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ab.

Den Beitrag zur Krankenversicherung teilen sich Rentner und Rentenversicherung, den Beitrag zur Pflegeversicherung tragen Senioren allein.

Im Schnitt gehen dabei von der Rente insgesamt etwas mehr als 11 Prozent ab.

Viele Senioren werden 2023 wegen des gestiegenen Zusatzbeitrags zur gesetzlichen Krankenversicherung etwas mehr belastet. Zwar bleibt es bei der Krankenversicherung bei einem allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent. Dafür steigt der Zusatzbeitrag, den jede Krankenkasse selbst bestimmen kann, 2023 im Schnitt aller Kassen auf 1,6 Prozent. Allerdings bestehen zwischen den Kassen erhebliche Unterschiede.

Der Beitrag zur Pflegeversicherung ist bundeseinheitlich geregelt und bleibt unverändert bei 3,05 Prozent. Für Kinderlose kommt ein Zuschlag von 0,35 Prozentpunkten hinzu.

Tipp: Sonderkündigungsrecht bei jeder Beitragserhöhung

Wenn Ihre gesetzliche Krankenkasse den Beitrag erhöht, haben Sie als Versicherter ein Sonderkündigungsrecht. Dabei müssen Sie eine Kündigungsfrist von zwei vollen Monaten einhalten. Die Kündigung müssen Sie nicht mehr persönlich erklären. Sie können einfach eine neue Kasse wählen. Diese kümmert sich dann um die Kündigungs- und Wechselmodalitäten.

Eine Übersicht über die Zusatzbeiträge der einzelnen Kassen finden Sie zum Beispiel auf krankenkassen.de oder beim Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV).


Müssen 2023 mehr Rentner Steuer bezahlen?

Im Gegenteil: Manche werden wohl wieder aus der Steuerpflicht herausfallen. Etwa jeder vierte Rentner wird bisher vom Fiskus zur Kasse gebeten, überwiegend handelt es sich dabei um Rentner mit steuerpflichtigen Zusatzeinkünften etwa aus Miete und Verpachtung. 2023 werden viele Rentner trotz der Rentenerhöhung weniger Steuern zahlen müssen. Dafür sorgt der 2023 deutlich steigende steuerliche Grundfreibetrag. Dieser beträgt nun für Alleinstehende 10.908 Euro, fast 600 Euro mehr als 2022.

Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung

Weitere Auskünfte erteilt die Deutsche Rentenversicherung unter der kostenlosen Servicetelefon-Nummer 0800 1000 4800 oder im Internet unter www.deutsche-rentenversicherung.de.

Tipp: Expertenforum nutzen

Haben Sie Fragen zum Thema Rente oder Reha? Nutzen Sie unser Expertenforum! Hier erhalten Sie Antworten von erfahrenen Expertinnen und Experten der Regionalträger der Deutschen Rentenversicherung (DRV) und der DRV Knappschaft-Bahn-See.


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Autor

Rolf Winkel