Altersvorsorge / 14.06.2021

Was kommt nach der Riester-Rente?

Die staatlich geförderte Riester-Rente gibt es seit fast 20 Jahren. Doch bald könnten neue Vorsorgemodelle kommen – was das für Sparer bedeutet.

Was kommt nach der Riester-Rente? – Das Wort Riester Rente in roten und weißen Großbuchstaben.

Inhalt

Was bisher (nicht) passiert ist

Die Mehrheit der Sparer im Lande scheint sich einig zu sein: Mehr als jeder Zweite wünscht sich in der Rentenpolitik einen Neustart. Das ergab kürzlich eine Allensbach-Umfrage für die Bertelsmann-Stiftung. Zumindest bei der vor knapp 20 Jahren eingeführten Riester-Rente ist so ein Neustart mit einer neuen Bundesregierung wahrscheinlich, nachdem es der Großen Koalition in dieser Legislaturperiode nicht mehr gelingen wird, bei der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge wie geplant nachzubessern.

In ihrem Koalitionsvertrag hatten Union und SPD noch die „zügige Entwicklung eines attraktiven standardisierten Riester-Produkts“ angepeilt. Geworden ist daraus nichts, obwohl die Riester-Rente wegen teilweiser hoher Kosten, Intransparenz und der seit Jahren niedrigen Zinsen unter Akzeptanzproblemen leidet. Es habe sich gezeigt, dass es „zur Zukunft der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge sehr unterschiedliche Auffassungen und Vorschläge“ gebe, heißt es dazu im Bundesfinanzministerium.

Entwicklung der Riester-Verträge 2001-2020

Wie die Finanzwirtschaft die Riester-Rente ändern will

Bereits Ende 2019 hatten Versicherer, Fondsgesellschaften und Bausparkassen einen Fünf-Punkte-Plan vorgelegt, um das Riester-System zu vereinfachen und höhere Renditen für die Sparer zu ermöglichen. Darin fordern die Finanzverbände

  • Standardprodukte „ohne komplizierte Wahlmöglichkeiten, die einfach zu beraten sind und entsprechend kostengünstiger angeboten werden können“.
  • eine einfache und verbesserte Förderung. „Jeder selbst gezahlte Euro wird mit mindestens 50 Cent gefördert.“
  • eine Senkung der Beitragsgarantie.

Demnach müssen die Anbieter von Riester-Renten beim Anlegen des Gelds der Sparer sicherstellen, dass die Kunden und Kundinnen 100 Prozent der eingezahlten Beiträge inclusive der staatlichen Zulagen wieder zurückbekommen. Das wird aber gerade für Versicherer, die etwa zwei Drittel der Riester-Verträge verwalten, immer schwieriger, solange festverzinsliche und sichere Wertpapiere wie Bundesanleihen keine oder kaum noch Zinsen abwerfen.

Was Verbraucherschützer kritisieren und sich wünschen

Der Bund der Versicherten, die Initiative „Finanzwende“ und der Verbraucherzentrale Bundesverband plädieren für einen Neuanfang bei der staatlich geförderten Altersvorsorge. Für die drei Verbände ist klar: Weitere Reformen an der Riester-Rente bringen nichts, weil die Probleme so nicht lösbar seien. Dazu zählen:

  • zu wenig gute Produkte
  • zu hohe Provisionen beim Verkauf
  • zu wenig Rendite, da zu hohe Kosten, die teilweise die gesamten staatlichen Zulagen auffressen
  • zu wenig Flexibilität, da Riester-Verträge in der Auszahlungsphase größtenteils zu verrenten sind

Vor allem die Verbraucherzentralen und „Finanzwende“ machen sich stattdessen für eine standardisierte aktienbasierte Altersvorsorge stark, möglichst günstig, einfach und staatlich organisiert, gedacht als Ergänzung zur gesetzlichen Rentenversicherung. Ihre bereits laufenden Verträge sollen Riester-Sparer weiter nutzen dürfen. Sie dürfen aber auch kostenfrei in diesen neuen Vorsorgefonds wechseln.

Was sich hinter der Deutschland-Rente verbirgt

Die Deutschland-Rente, vor mehr als fünf Jahren vorgeschlagen von drei Ministern des schwarz-grün regierten Bundeslands Hessen, knüpft an die schon ältere Idee des Vorsorgefonds an. Auch die Deutschland-Rente soll als Fonds „eine einfache, sichere und günstige zusätzliche Altersvorsorge“ sein, „damit das Geld der Bürger sicher ist vor überteuerten Angeboten“.
Vorgesehen ist außerdem:

  • Mit Einzahlungen in den neuen Fonds können Sparer stärker als bisher auf eine aktienbasierte Anlage setzen.
  • Die Arbeitgeber sollen die Beiträge der Arbeitnehmer an den Fonds abführen.
  • Es gibt verschiedene Anlagevarianten. Die Beschäftigten sollen wählen können, welches Risiko sie eingehen wollen.
  • Die Beiträge sollen in jedem Fall vor dem Zugriff des Staates sicher sein.
  • Auch sollen die Sparer die staatlichen Zulagen der Riester-Rente nutzen können.

Wie die Parteien sich die Reform der Riester-Rente vorstellen

Von der Union liegt bislang kein Wahlprogramm vor, deshalb gibt es von CDU/CSU auch noch keine konkreten Vorschläge für eine Reform der Riester-Rente. Die Union ist aber offener für eine Zusatzvorsorge, die auch auf Anlagen am Aktienmarkt beruht, als die SPD.

Bei der SPD gibt es hier nach wie vor große Vorbehalte. Aber auch die SPD setzt sich in ihrem Wahlprogramm „für ein neues standardisiertes Angebot ein, das kostengünstig ist, digital und grenzüberschreitend und (…) auch von einer öffentlichen Institution angeboten wird.“. Die Förderung wollen die Sozialdemokraten auf „untere und mittlere Einkommensgruppen beschränken“.

Im Entwurf für das Wahlprogramm der Grünen wird vorgeschlagen, die Riester-Rente durch „einen öffentlich verwalteten Bürgerfonds“ zu ersetzen und in diesen zu überführen.

Die FDP wiederum setzt auf eine „gesetzliche Aktienrente“ als Zusatzvorsorge. Jeder Versicherte soll zwei Prozent seines Einkommens in eine Aktienrente einzahlen, je zur Hälfte getragen von Arbeitgeber und Arbeitnehmern. Im Gegenzug wollen die Liberalen den Beitrag zur gesetzlichen Rente um zwei Prozentpunkte auf 16,6 Prozent senken. Dadurch werden die Ansprüche in der Rentenversicherung sinken. Dies soll aber die kapitalgedeckte Aktienrente mehr als ausgleichen.

Was die Rentenkommission empfiehlt

Auch die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission empfiehlt, bei der Riester-Rente die Kosten zu senken und „modifizierte Garantien“ einzuführen, „die ein angemessenes Verhältnis von Renditechancen, Sicherheiten und Risiken zulassen“. Außerdem spricht sich die Kommission für ein „Standardvorsorge-produkt“ aus. Der Staat solle die Möglichkeit haben, „mit öffentlichen Trägern ein entsprechendes Produkt anzubieten.“

Was passiert mit alten Riester-Verträgen?

Was auch immer die nächste Regierungskoalition beschließen wird, Riester-Sparer genießen Vertrauensschutz. Selbst wenn die Riester-Rente in ihrer bisherigen Form nicht mehr angeboten werden sollte, genießen alte Verträge Vertrauensschutz. Das heißt:

  • Eingezahltes Geld ist nicht verloren.
  • Die Riester-Verträge lassen sich weiterführen.
  • Verträge werden nicht zwangsweise rückabgewickelt.

Das dürfte auch für Verträge gelten, die Vorsorge-Sparer jetzt noch vor einer Reform abschließen.

Bereits länger laufende Riester-Verträge wegen womöglich hoher Kosten und niedrigere Renditen zu kündigen, lohnt sich in der Regel nicht, weil der Staat dann die Zulagen zurückverlangt. Besser ist es dann, den Vertrag beitragsfrei zu stellen, also ohne weitere Einzahlungen bis zur Auszahlung weiterlaufen zu lassen.

Jetzt noch Riester-Rente abschließen – lohnt sich das?

Bei den derzeit niedrigen Zinsen lohnt sich ein Neuabschluss vor allem für Geringverdiener mit Kindern, wenn der Staat den Großteil der Beiträge über die Zulagen finanziert. Schließlich bekommen Sparende 175 Euro Grundzulage im Jahr. Für jedes ab 2008 geborene Kind legt der Staat noch einmal 300 Euro im Jahr oben drauf. So erhält zum Beispiel ein Hausmann mit drei kleinen Kindern und Minijob für einen jährlichen Eigenbeitrag von 60 Euro staatliche Zulagen von 1.075 Euro, rechnet die Stiftung Warentest vor. „Das Geld ist praktisch geschenkt“, so die Stiftung.

Allerdings sollten Interessenten kostengünstige Angebote wählen, bei der Auswahl hilft ein Blick in die Untersuchungen der Warentester. Außerdem müssen Einzahler darauf achten, dass sie ihre Eigenbeiträge stets so ans Einkommen anpassen, dass sie auch die Zulagen voll ausschöpfen können. Viele Riester-Sparer versäumen das leider.

Staatliche Riester-Zulagen: Wie der Staat Sparer unterstützt

Was sich für Riester-Sparer von 2022 an ändert

Derzeit garantieren Lebensversicherer ihren Kunden für die gesamte Laufzeit des Vertrages 0,9 Prozent Zinsen auf den Sparanteil der Einzahlungen. Von 2022 an sind es nur noch 0,25 Prozent. Dieser Zinssatz wäre dann auch maßgeblich für ab 2022 neu abgeschlossene Versicherungsverträge im Rahmen der Riester-Rente. Viele Anbieter dürften sich aber aus dem Markt zurückziehen, da sie die Verträge dann wegen der von ihnen bislang noch geforderten 100-Prozent-Garantie nicht mehr profitabel anbieten können.

Wer also noch unbedingt einen Riester-Vertrag abschließen will, um die Zulagen abgreifen zu können, sollte dies eher noch in diesem Jahr tun. Später ist dann vielleicht ein Wechsel in den ebenfalls staatlich geförderten Vorsorgefonds möglich, wenn sich die nächste Regierungskoalition darauf einigen sollte.  

Autor

Thomas Öchsner