Gesundheit / 27.05.2019

Was Prävention erfolgreich macht

Eine neue Studie der Rentenversicherung vergleicht Ansätze für die Gesundheits-Prävention. Von den Ergebnissen profitieren Betriebe.

Gesundheits-Prävention in Betrieben: Junge Frau sitzt im Büro auf einem Regal im Yogasitz mit geschlossenen Augen.

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Körperliche Aktivität und Arbeit sind ein gutes Team: Das beweist eine Studie, die von der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Oldenburg-Bremen finanziert und von der Jacobs University Bremen durchgeführt wurde. Die überraschende Erkenntnis: Gesundheitsförderung wird umso effektiver, wenn nicht nur jeder für sich im Privaten für gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung sorgt, sondern wenn Unternehmen mit ins Präventions-Boot steigen und für ihre Mitarbeiter Bewegungsangebote im Arbeitsalltag schaffen.

„Wir waren selbst überrascht, welchen positiven Effekt betriebliche Maßnahmen auf die Gesundheit haben“, sagt Dr. Aike Hessel vom Sozialmedizinischen Dienst der Deutschen Rentenversicherung Oldenburg-Bremen. Die Ärztin hat gemeinsam mit Sonia Lippke, Professorin für Gesundheitspsychologie und Verhaltensmedizin an der Bremer Jacobs University, Präventionsansätze erforscht. Bei der Auswertung vieler internationaler Studien, an denen insgesamt über 4.000 Menschen mittleren Alters teilgenommen haben, die in ihrem Berufsalltag überwiegend eine sitzende Tätigkeit ausüben, haben Lippke und Hessel die beiden Eckpfeiler, auf denen Gesundheitsvorsorge beruht, unter die Lupe genommen.

Verhaltensmaßnahmen und Verhältnismaßnahmen

„Im Bereich der Prävention spricht man von zwei Methoden: Den verhaltensorientierten Maßnahmen und den verhältnisorientierten Maßnahmen“, informiert Dr. Aike Hessel. „Mit verhaltensorientierten Maßnahmen sind Maßnahmen gemeint, die auf das individuelle Gesundheitsverhalten der Mitarbeiter gerichtet sind. Sie sollen bewirken, dass sich die Mitarbeiterregelmäßig bewegen, Sport treiben und auf eine gesunde Ernährung und ausreichende Entspannung und Erholung achten“, schildert Hessel. „Verhältnisorientierte Maßnahmen sind Maßnahmen und Veränderungen der Arbeitsumgebung, die Unternehmen anbieten, um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu erhalten“, erklärt sie.

Bislang, so Hessel, standen im Bereich der Prävention häufig verhaltensorientierte, in den Freizeitbereich der Mitarbeiter verlagerte Maßnahmen im Vordergrund. Das Ergebnis der Studie, ist sich Hessel sicher, könnte jetzt eine Trendwende im Bereich der Gesundheitsprävention einläuten: „Die Studie hat gezeigt, dass Gesundheitsvorsorge besonders dann effektiv ist, wenn nicht nur jeder einzelne im privaten Bereich auf gesunde Ernährung, Bewegung und Entspannung achtet, sondern auch Arbeitgeber ihren Mitarbeitern betriebliche Angebote für einen gesunden und bewegten Arbeitsalltag schaffen“, betont sie.

Traditionelles und Innovatives kombinieren

Betriebliche Gesundheitsförderung ist das Stichwort. „Sie dient sowohl dem Mitarbeiter als auch dem Unternehmen“, fügt Hessel hinzu. „Denn Unternehmen, die aktiv in die Gesundheitsvorsorge investieren, haben langfristig gesehen gesunde Mitarbeiter und das dient auch dem wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen.

Und gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist es für Arbeitnehmer durchaus sehr interessant, welchen Beitrag Arbeitgeber im Bereich der Gesundheitsförderung leisten.“, fügt die Ärztin hinzu und Sonia Lippke ergänzt: „Unser Arbeitsalltag ist oft anstrengend, und wir sollten neben sitzenden Tätigkeiten auch körperlich aktive Phasen einplanen.“

Dabei können Unternehmen auf Innovatives und auf Traditionelles setzen. „Es gibt e-Learning-Programme und elektronische Erinnerungssysteme, aber auch Bewährtes wie Betriebssport.“ Hilfreich sind zudem Angebote seitens der Unternehmen wie Workshops zu Zeit- und Selbstmanagement oder professionell angeleiteter Pausensport.

Prävention ist wirtschaftlich

„Viele Firmen greifen auch bei der Gestaltung ihrer Räume mittlerweile den Präventionsgedanken auf und statten Büros mit ergonomischen Bürostühlen und flexiblem Mobiliar wie variablen Schreibtischen aus, an denen man auch im Stehen arbeiten kann“, berichtet Dr. Aike Hessel. „Das lockert Muskulatur und Gelenke, ermöglicht eine Vielzahl kleiner Bewegungen und macht munter. So lassen sich Verspannungen und Schmerzen, die zu chronischen Erkrankungen führen können, vermeiden.“

Als weitere Maßnahmen können Unternehmen verschiedene Sportangebote für ihre Mitarbeiter schaffen, die man in einer 15-minütigen Pause in den Arbeitsalltag integrieren kann. Das alles sind kleinere und größere Präventionsmaßnahmen, die beiden Seiten, Mitarbeitern wie Unternehmen, dienen: „Die Mitarbeiter sind motivierter und gesünder. Strategisches Gesundheitsmanagement ist ein Garant für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens“, meint Hessel. „Unternehmen“, bringt die Medizinerin es auf den Punkt, „sind gut beraten, wenn sie gesundheitsförderliche Bewegungsmöglichkeiten im Arbeitsalltag anbieten und die Verantwortung für ausreichend körperliche Aktivitäten nicht ausschließlich in den Freizeitbereich ihrer Mitarbeiter delegieren.“

Fazit der beiden Wissenschaftlerinnen: Die Mischung machts. Beides, Verhältnis- und Verhaltensmaßnahmen, sind in Sachen Gesundheitsförderung in Unternehmen relevant, auch wenn Verhältnisförderung am effektivsten ist. „Werden im Unternehmen Maßnahmen angeboten, die beide Ansätze kombinieren, liegt die Wirksamkeit in der Mitte“, sind sich Dr. Hessel und Professor Lippke einig.

Prävention vor Reha vor Rente

Übrigens: Prävention ist ein Thema, das sich die Deutsche Rentenversicherung schon lange auf ihre Fahnen geschrieben hat. „Wir sind aktiv in der Gestaltung und Entwicklung von Präventionsangeboten“, betont Dr. Hessel. „Seit einiger Zeit können Versicherte Präventionsleistungen von der Rentenversicherung erhalten“, informiert sie.

Darunter fallen mehrwöchige Kurse, in denen Arbeitnehmer etwas für ihre Gesundheit tun. Sie sind eine Kombination aus Bewegungsangeboten und Schulungen zu gesunder Ernährung und zum Umgang mit Stress.

Konnte die Deutsche Rentenversicherung in Sachen Gesundheit ihren Versicherten bis dato nur Reha-Leistungen anbieten, so kann sie jetzt mit neuen Präventionsleistungen früher ansetzen und dabei helfen, dass aus ersten gesundheitlichen Beschwerden keine chronischen Krankheiten werden.

Hessel fasst es so zusammen: „Bis vor kurzem lautete der Leitsatz ‚Rehabilitation vor Rente’, jetzt heißt es ‚Prävention vor Rehabilitation vor Rente’.“

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Autor

Katja Schuricht