Im Fokus / 12.03.2018

Wenn das Geld im Alter nicht reicht: Finanzielle Unterstützung für Rentner

Wohngeld, Grundsicherung, Minijob – für Rentner, denen ihre Einkünfte nicht reichen, gibt es Hilfen und Vergünstigungen. Wir stellen die wichtigsten vor.

Älteres Ehepaar sitzt im Wartezimmer eines Amtes – Bild: f1online.de © Javier Larrea

Inhalt

Wenn Sie als Rentner mit Ihren Einkünften nicht hinkommen, dann bleibt Ihnen – wie auch Jüngeren – im Prinzip nur zweierlei: Zusätzliche Einnahmen erschließen, vor allem über Sozialleistungen, und/oder die Ausgaben senken.

Wohngeld

Die Wohnkosten verschlingen bei vielen einen großen Teil ihres Alterseinkommens. Was nach Abzug der Miete fürs Leben übrig bleibt, reicht oft hinten und vorne nicht. Wenn es Ihnen so geht, ist der erste Tipp: Prüfen Sie, ob Sie Anspruch auf Wohngeld haben. Diese Leistung gibt es auch für Eigentümer. Dann nennt sie sich „Lastenzuschuss“.

Wohngeld ist eine „klassische“ Zusatzleistung für Rentner. Haushalte von Rentnern und Pensionären stellten Ende 2016 fast 50 Prozent aller Wohngeldbezieher. Knapp 300.000 Rentnerhaushalte bezogen zu diesem Zeitpunkt Wohngeld. Für viele weitere dürfte sich ein Antrag lohnen.

Wichtig zu wissen: Wohngeld ist – anders als Sozialhilfe – eine Leistung mit niedrigen Hürden.

Was ist das Wohngeld genau?

Das Wohngeld ist ein staatlicher Zuschuss zur monatlichen Miete oder zur Belastung für ein selbst bewohntes Eigenheim. Es wird – bei niedrigem Einkommen – zumeist für einen Zeitraum von zwölf Monaten bewilligt und kann dann immer wieder erneut beantragt und somit zeitlich unbegrenzt gezahlt werden.

Wovon hängt die Höhe des Wohngelds ab?

Ob und wie viel staatlicher Wohnzuschuss gezahlt wird, hängt ab von

  • der Größe des Haushalts,
  • der Miete und dem Mietniveau am Wohnort
  • und dem Haushaltseinkommen.

Wann kann sich ein Antrag auf Wohngeld lohnen?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten, weil es von regionalen Gegebenheiten abhängt. Für Regionen mit sehr hohen Mieten (etwa München oder Stuttgart) lässt sich als Orientierung sagen: Ein Antrag auf Wohngeld kann sich nach den Berechnungen des Bundesbauministeriums 2018 für Alleinstehende bis zu einer Rente von 1.122 Euro im Monat lohnen. Bei einem Zweipersonenhaushalt sind es 1.538 Euro.

In kleineren Orten und ländlichen Regionen gelten niedrigere Werte für das Monatseinkommen. So kann etwa eine alleinstehende Rentnerin im sächsischen Erzgebirgekreis nur mit einem Einkommen von 950 Euro noch mit ein wenig Wohngeld rechnen und bei einem Rentnerehepaar lohnt sich hier der Wohngeldantrag nur, wenn ihre monatlichen Renten 1.296 Euro nicht übersteigen.

Gibt es Sonderregelungen für Menschen mit einer Behinderung?

Ja, Menschen mit einer Schwerbehinderung können auch bei einem etwas höheren Einkommen noch Wohngeld beziehen bzw. bei gleichem Einkommen mehr Wohngeld erhalten.

Für ein Haushaltsmitglied mit einem Grad der Behinderung von 100 gibt es einen jährlichen Einkommensfreibetrag von 1.500 Euro.

Ebenso gilt dies für im Haushalt lebende Familienmitglieder, die schwerbehindert (Grad der Behinderung: mindestens 50) sind und als pflegebedürftig mit mindestens Pflegegrad 2 anerkannt sind.

  • Tipp: Alleine wegen der Vorteile beim Wohngeld kann sich für viele Ältere ein Antrag auf Anerkennung als Schwerbehinderter lohnen.

Ein Beispiel: So viel Wohngeld gibt’s

Hans S. aus Köln lebt allein in einer Zweizimmerwohnung, für die er 500 Euro Kaltmiete im Monat zahlt. Als Rente erhält er 1.030 Euro brutto, also vor dem Abzug von Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung. Er erhält (2018) monatlich 63 Euro Wohngeld.

Wäre er schwerbehindert und als pflegebedürftig mit (mindestens) Pflegegrad 2 anerkannt, so würden ihm 148 Euro Wohngeld zustehen.

Gibt es beim Wohngeld eine strenge Bedürftigkeitsprüfung?

Nein, das Wohngeld ist eine Leistung mit niedrigen Hürden. Die Ämter prüfen nicht, ob etwa ein Auto oder die Größe der Wohnung angemessen sind.

Auch nach Ersparnissen und Vermögen wird in den – regional unterschiedlichen – Wohngeldanträgen überwiegend nicht gefragt. Ebenso muss niemand seine Rücklagen fürs Alter offen legen.

„Erhebliches Vermögen“ steht allerdings einem Wohngeldanspruch entgegen. Nach den Verwaltungsvorschriften zum Wohngeldgesetz gilt für einen Zwei-Personen-Haushalt, dass das frei verfügbare Vermögen nicht mehr als 90.000 Euro übersteigen darf, bei einem Ein-Personen-Haushalt liegt die Grenze bei 60.000 Euro.

Werden Eltern oder Kinder von Antragstellern von den Ämtern zur Kasse gebeten?

Nein. Wenn es um Wohngeldansprüche geht, werden keine Unterhaltsansprüche geprüft.

  • Tipp: Wohngeldrechner helfen weiter
    Die Berechnung des Wohngelds ist kompliziert. Wohngeldrechner helfen dabei . Einen einfachen und zuverlässigen bundesweiten Rechner findet man unter www.geldsparen.de.

Welche Regeln gelten beim Lastenzuschuss für Eigentümer?

Die Leistung wird nach den gleichen Regeln wie das Wohngeld berechnet. Als „Belastung“ zählt dabei die komplette Darlehensbelastung, also sowohl die Zinsen als auch die Tilgungsrate für das Wohneigentum. Dazu werden noch Bewirtschaftungskosten berücksichtigt.

Nach der Wohngeldverordnung sind als „Instandhaltungs- und Betriebskosten“ 36 Euro je Quadratmeter Wohnfläche pro Jahr sowie die entrichtete Grundsteuer anzusetzen.

Grundsicherung im Alter

Wenn Sie ein niedriges Alterseinkommen haben, können Sie ab Erreichen des regulären Rentenalters ergänzend die Grundsicherung im Alter erhalten. Rentnern, die das reguläre Rentenalter noch nicht erreicht haben, steht zunächst einmal – falls sie bedürftig sind – die „normale Sozialhilfe“ zu.

Die steigenden Wohnungsmieten sorgen mittlerweile dafür, dass in Großstädten wie München sogar Durchschnittsrentner mit einer Bruttorente von 1.250 Euro noch einen (kleinen) Zuschuss vom Sozialamt erhalten können.

Im Dezember 2016 bezogen 525.000 Ältere diese Leistung. Tendenz steigend. 2003 waren es erst 260.000.

Die so genannte „Dunkelziffer“ ist hierbei hoch. Experten schätzen, dass etwa genauso viele Senioren Anspruch auf die Grundsicherung haben, jedoch keinen Antrag stellen. Teils aus Unwissenheit, teils weil sie – zu Unrecht (siehe unten) – befürchten, dass ihre Kinder hierbei zur Kasse gebeten werden.

Auf die Grundsicherung besteht – soweit die Voraussetzungen erfüllt sind – ein Rechtsanspruch.

Wichtig dabei: Die im Folgenden skizzierten Regeln gelten nicht nur für Senioren, sondern auch für (jüngere) Erwerbsgeminderte. Die Leistung nennt sich offiziell „Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung“.

 

Wie hoch ist die Grundsicherung?

Das Sozialhilfe- bzw. Grundsicherungsniveau lässt sich einfach errechnen durch die Formel „Warmmiete plus Regelsatz“.

2018 beträgt der (Eck-)Regelsatz für Alleinstehende 416 Euro im Monat. Wenn Alleinstehende monatlich 400 Euro Warmmiete zahlen müssen, liegt ihr persönlicher Grundsicherungsbedarf 2018 bei 816 Euro.

Für Paare liegt der Regelsatz 2018 insgesamt bei monatlich 748 Euro. Beträgt die Warmmiete eines Rentner-Ehepaars beispielsweise 500 Euro, so liegt ihr Grundsicherungsbedarf bei 1.248 Euro.

  • Tipp: Wenn Ihr gesamtes Einkommen unter dem Grundsicherungsbedarf liegt, dann sollten Sie unbedingt beim Sozialamt prüfen lassen, ob Sie einen Anspruch auf den Zuschuss vom Staat haben.

Gibt es Sonderleistungen für Schwerbehinderte?

Nur für diejenigen, die einen Schwerbehindertenausweis mit dem „Merkzeichen G“ haben. Ihnen steht ein zusätzlicher Bedarf in Höhe von 17 Prozent des für sie geltenden Regelbedarfs zu. 2018 sind das bei Alleinstehenden 70,72 Euro monatlich.

Gibt es Grenzen für die anerkannten Mieten?

Ja, es gibt Grenzen, doch diese sind regional unterschiedlich. Es kommt jeweils auf das örtliche Mietniveau an.

In München gilt zum Beispiel seit Oktober 2017 für einen Einpersonenhaushalt eine Bruttokaltmiete bis zu 657 Euro im Monat als angemessen. Für Heizkosten hält das Münchener Sozialamt für einen Einpersonenhaushalt bei Gasheizung in jedem Fall Kosten von 825 Euro im Jahr (monatlich also knapp 70 Euro) für akzeptabel.

Als Warmmiete werden bei einem Alleinstehenden damit in München rund 725 Euro akzeptiert. Das bedeutet: Die Grundsicherungsschwelle liegt hier für einen Alleinstehenden 2018 bei (725 + 416 =) 1.141 Euro. Wer nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen eine Nettorente von 1.000 Euro erhält, hat damit bei einer entsprechend hohen Miete (die in München übrigens „normal“ ist) Anspruch auf einen Zuschuss in Höhe von 141 Euro vom Sozialamt.

In München gibt es dazu noch – als örtliche Sonderregel – wegen der höheren Lebenshaltungskosten in der Stadt – einen Zuschlag von monatlich 21 Euro. Ähnlich hohe Werte für anerkannte Mieten gelten in manchen Großstädten.

Im ländlichen Raum oder beispielsweise im Ruhrgebiet akzeptiert das Sozialamt auf Dauer nur niedrigere Mieten. Ist die Miete zu hoch, so wird sie nur vorübergehend übernommen. Betroffene werden dann aufgefordert, sich um einen preiswerteren Wohnraum zu bemühen.

Angemessene monatliche Unterkunftskosten in Großstädten
Stadt Bruttokaltmiete in Euro
1 Person 2 Personen
Berlin 404,00 472,00
Hamburg 463,50 556,20
München 657,00 744,00
Köln 574,00 696,00
Frankfurt am Main* 496,00 560,00
Stuttgart 436,50 546,00
Düsseldorf 415,00 515,00
Dortmund 396,00 484,80
Essen 349,00 443,95
Leipzig 269,57 354,50
* Die Bruttokaltmiete richtet sich nach dem Baujahr des Gebäudes (hier unterstellt: ab 2002)
Quelle: Soziale Sicherheit, 2/2018, S. 79

Was gilt bei ärmeren Rentnern, die noch einen Job ausüben?

Ihre Einkünfte werden dann mit der Grundsicherung verrechnet, einen Teil dürfen sie allerdings behalten. 30 Prozent des erzielten Einkommens, maximal aber 208 Euro sind 2018 anrechnungsfrei.

Bei ehrenamtlicher Tätigkeit gilt: Zuwendungen der so genannten Übungsleiterpauschale werden in Höhe von 200 Euro im Monat nicht mit den Grundsicherungsleistungen verrechnet.

Dieser Pauschalbetrag für Ehrenamtler gilt aber nicht zusätzlich zu dem anderen Freibetrag für jobbende Rentnerinnen und Rentner.

Werden Renten aus zusätzlicher Vorsorge auf die Grundsicherung angerechnet?

Seit Anfang 2018 dürfen Grundsicherungsbeziehende mindestens 100 Euro pro Monat aus einer freiwilligen Altersvorsorge zusätzlich zur Grundsicherung behalten.

Dieser neue Freibetrag gilt sowohl für betriebliche und private Renten, aber auch für Rentenbestandteile, die aus freiwilligen Zahlungen an die gesetzliche Rentenversicherung erworben wurden.

Dazu zählen zum Beispiel freiwillige Zahlungen zum Ausgleich von Rentenabschlägen. Für diejenigen, die Zusatzrenten von über 100 Euro im Monat beziehen, sind darüber hinaus 30 Prozent des Betrags, der 100 Euro übersteigt, anrechnungsfrei – höchstens aber monatlich 208 Euro (gilt für 2018).

Ein Beispiel:
So wirkt der neue Freibetrag bei der Grundsicherung

Ein Grundsicherungsbezieher hat neben seiner kleinen gesetzlichen Rente noch eine Betriebsrente von 150 Euro und eine Privatrente von 250 Euro im Monat – insgesamt also 400 Euro. 100 Euro davon darf er ohnehin behalten.

Von den zusätzlichen 300 Euro sind (30 Prozent =) 90 Euro anrechnungsfrei. Insgesamt beträgt sein monatlicher Freibetrag in diesem Fall 190 Euro. Damit wird die Grundsicherung nur um 210 Euro im Monat gekürzt. Seine gesetzliche Rente wird nach wie vor voll mit der Grundsicherung verrechnet.

Übernimmt das Sozialamt auch private Versicherungsbeiträge?

In gewissem Grenzen schon. Beiträge für „nach Grund und Höhe angemessene“ Versicherungen mindern das auf die Grundsicherung angerechnete Einkommen.

Dies gilt etwa für Beiträge zur Haftpflicht- und Hausratsversicherung. Wer diese bezahlt, hat damit weniger (anrechenbares) Einkommen zur Verfügung und bekommt deshalb mehr Geld vom Amt als ohne Zahlung dieser Versicherungsbeiträge.

Muss ich erst meine finanziellen Rücklagen aufbrauchen, bevor ich Grundsicherung im Alter erhalte?

Gewisse Rücklagen sind erlaubt. Im April 2017 sind die Vermögensfreibeträge bei der Grundsicherung im Alter erhöht worden. Alleinstehende dürfen nun 5.000 Euro an Rücklagen haben. Für Ehepaare gilt ein Vermögensfreibetrag von 10.000 Euro.

Werden meine Kinder zur Kasse gebeten?

Bei der Grundsicherung im Alter in der Regel nicht. Es sei denn, Ihr Sohn oder Ihre Tochter hat ein jährliches Gesamteinkommen von über 100.000 Euro.

Dabei wird zumeist nur Bezug genommen auf das um Werbungskosten geminderte Bruttoeinkommen (bzw. bei Selbstständigen auf den Gewinn) Ihres Sohnes oder Ihrer Tochter – und nicht auf das Einkommen ihrer Ehe- oder Lebenspartner.

Wenn Sie mehrere Kinder haben, dann werden deren Einkommen nicht zusammengezählt, sondern es wird das Einkommen jedes einzelnen Kindes betrachtet. Im Regelfall vermuten die Ämter, dass das Einkommen jedes Kindes unter der 100.000-Euro-Grenze liegt.

Erhalte ich auch Grundsicherung, wenn ich im eigenen Haus oder der eigenen Wohnung lebe?

Das kommt darauf an. Entscheidend ist, ob das Wohneigentum als „angemessen“ anzusehen ist. Das Bundessozialgericht (BSG) sieht für Alleinstehende ein Haus mit 90 Quadratmetern Wohnfläche in der Regel als angemessen an (Urteil vom 12. Dezember 2013, Aktenzeichen: B 14 AS 90/12 R).

Bei einer Überschreitung dieses Wertes um 10 Prozent geht das BSG aus „Verhältnismäßigkeitsgründen“ ebenfalls noch von einer Angemessenheit aus. Dann kann einem, wenn die anderen Voraussetzungen erfüllt sind, Grundsicherung im Alter zustehen. Für Ehepaare gelten höhere Werte.

Die Grundsicherung kann Älteren im Einzelfall allerdings auch dann zustehen, wenn das Wohneigentum „zu groß“ ist. Denn neben der Größe sind weitere Kriterien einzubeziehen. So spielt auch eine Rolle, ob Ältere behindert oder pflegebedürftig sind.

Mit Minijob die Rente aufbessern

Jeder siebte junge Senior zwischen 65 und 69 Jahren geht noch arbeiten. Manche Senioren jobben, weil die Rente zu niedrig ausfällt – andere eher, weil es ihnen Spaß macht und viele wohl aus beiden Gründen. Worauf sollten Erwerbstätige ab 65 achten?

Immer mehr Senior-Jobber
Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im regulären Rentenalter in Deutschland ist weiter gestiegen.

Nach der Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) hatten im Juni 2016 knapp 255.000 Menschen im Alter von 65plus einen regulären sozialversicherungspflichtigen Job. Das waren etwa 30.000 mehr als im Juni 2015. Im Vergleich zum Jahr 2011 hat sich die Zahl fast verdoppelt.

Fast eine Million Senioren im Alter von 65plus haben einen sogenannten Minijob: Laut Bundesagentur für Arbeit gingen Ende 2016 fast 994.000 Menschen im Rentenalter einer sogenannten geringfügigen Beschäftigung nach – etwa im Einzelhandel oder in der Gastronomie.

Zudem gab es im vergangenen Jahr in Deutschland 350.000 Selbstständige im Alter von 65 bis 74 Jahren.

Gehalt plus Rente

Schon seit September 2015 gehört auch Ernst S., gelernter Werkzeugmacher aus Hamburg, zu den jobbenden Senioren. „Es hat mich einfach gejuckt, nochmal zu zeigen, was ich kann. Und das Geld kann ich auch brauchen.“

Als sein Arbeitgeber ihm anbot, nach Erreichen des Rentenalters eine Krankheitsvertretung zu übernehmen, zauderte der 65-Jährige nicht lange. „4.000 Euro brutto – und erst mal für drei Jahre befristet, das ist doch in Ordnung“, findet Ernst S.

Sein Arbeitgeber nutzt hier eine Möglichkeit aus, die Mitte 2014 neu geschaffen wurde. Arbeitgeber und Arbeitnehmer können danach „durch Vereinbarung während des Arbeitsverhältnisses den Beendigungszeitpunkt, gegebenenfalls auch mehrfach, hinausschieben“.

Möglich geworden ist damit die befristete Beschäftigung über das reguläre Rentenalter hinaus. Die Regelung gilt für den (Standard-)Fall, dass die Beschäftigung ursprünglich auf das reguläre Rentenalter befristet war.

Den Lohn erhält Ernst S. nun zusätzlich zu seiner Rente in Höhe von 1.050 Euro. Die Rentenkasse musste er hierüber nicht informieren. „Wenn jemand das reguläre Rentenalter erreicht hat, interessiert uns nicht, was er neben der Rente an Einkünften hat“, erklärt Stefan Braatz von der Deutschen Rentenversicherung Bund.

Das bedeutet derzeit: Wer 65 Jahre und sieben Monate alt ist, darf unbegrenzt zu seiner Rente hinzuverdienen. Für die monatlich ausgezahlte Rente spielt es dann deshalb keine Rolle, ob jemand einen 450-Euro-Job oder – wie Ernst S. – eine normale sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ausübt.

Verzicht auf Rentenantrag kann sich auszahlen

Noch vorteilhafter wäre es für Ernst S. wohl gewesen, wenn er erst gar keinen Rentenantrag gestellt hätte. Denn die Rente setzt auch mit Erreichen des regulären Rentenalters keinesfalls automatisch ein.

Zwar informiert die Rentenversicherung rund zwei Monate vor Erreichen des Regelrentenalters, dass in Kürze ein Anspruch auf eine Altersrente besteht. Doch der Rentenantrag kann aufgeschoben werden – und das lohnt sich.

Für jeden Monat Rentenaufschub gibt’s nämlich später ein Rentenplus von 0,5 Prozent. Hinzu kommt: Durch zusätzliche Rentenversicherungsbeiträge während der Weiterbeschäftigung steigt der Rentenanspruch noch mehr.

Die Rente von Ernst S. wäre bei 36 Monaten Weiterbeschäftigung um rund 120 Euro gestiegen. Den Zuschlag von (36 Monate x 0,5 =) 18 Prozent würde es später noch obendrauf geben. Insgesamt würde der Hamburger damit Ende 2018 auf rund 350 Euro mehr Rente pro Monat kommen – wenn er zunächst auf den Rentenantrag verzichtet hätte.

Tipp: Ein Rentenplus kann die Seniorenbeschäftigung im Alter inzwischen auch für diejenigen bringen, die bereits die reguläre Altersrente beziehen. Dafür müssen die Betroffenen allerdings auf die Rentenversicherungsfreiheit verzichten, die ansonsten automatisch für jobbende reguläre Altersrentner gilt.

Das geht durch eine einfache formlose Erklärung dem Arbeitgeber gegenüber („Opt-In“). Die Betroffenen zahlen dann selbst – genau wie jüngere Arbeitnehmer – ihren Anteil am Rentenversicherungsbeitrag und erwerben dadurch weitere Rentenversicherungsansprüche. Zum 1. Juli des Folgejahrs steigt dadurch ihre gesetzliche Rente nochmals zusätzlich an.

Das lohnt sich besonders auch für gewerbliche Minijobber. Ihr gewerblicher Arbeitgeber zahlt für sie nämlich bei einem vollen 450-Euro-Job Monat für Monat als Rentenversicherungsbeitrag 15 Prozent auf den Bruttolohn an die Minijobzentrale. Das sind 67,50 Euro im Monat, im Jahr insgesamt 810 Euro.

Davon haben Jobber, die das reguläre Rentenalter erreicht haben, jedoch nichts. Die Beiträge werden nicht etwa ihrem Rentenkonto gutgeschrieben, sondern fließen in die allgemeine Rentenkasse.

Das kann man aber durch die oben erwähnte Erklärung dem Arbeitgeber gegenüber ändern. Bei Minijobbern, die sich in die Rentenversicherung einwählen, zieht der Arbeitgeber 2018 genau 3,6 Prozent vom Gehalt ab. Bei einem vollen 450-Euro-Job sind das 16,20 Euro im Monat.

Diese 3,6 Prozent gehen dann zusammen mit dem 15-Prozent-Pauschalbeitrag des Arbeitgebers an die Minijobzentrale. Zusammen macht das 18,6 Prozent, so hoch ist 2018 der Beitragssatz der Rentenversicherung. Dieser Einzahlung entsprechen dann aber auch Rentenansprüche.

Achtung: Bei einem Minijob im Privathaushalt zahlt der Arbeitgeber nur 5 Prozent vom Rentenbeitrag und der Arbeitnehmer muss die restlichen 13,6 Prozent zahlen. Die Rente erhöht sich durch die Einzahlung nochmals. Ein volles Jahr mit einem 450-Euro-Job bringt im regulären Rentenalter einen zusätzlichen monatlichen Rentenanspruch von rund fünf Euro – im Jahr also 60 Euro.

Das lohnt sich. Denn nach dreieinhalb Jahren des Rentenbezugs hat man die Einzahlung wieder ausgeglichen.

Arbeitsrecht für Senioren

Arbeitsrechtlich ändert sich für Beschäftigte jenseits der 65 wenig. Sie haben – genau wie Jüngere – Anspruch auf Urlaub sowie Weihnachts- und Urlaubsgeld.

Für sie gilt auch das Kündigungsschutzgesetz und im Krankheitsfall steht ihnen eine sechswöchige Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber zu.

Senior-Arbeitnehmer müssen auch genauso entlohnt werden, wie es für die von ihnen ausgeübten Tätigkeiten per Tarifvertrag vorgeschrieben bzw. betriebsüblich ist.

Steuerklasse wechseln spart für kurze Zeit Geld

Wer Rente erhält und einen (noch) verdienenden Ehepartner hat, kann diesem Steuerklasse III überlassen. Dadurch sinken die laufenden Lohnsteuerabzüge für den Verdienenden. Und für Rentner spielt die Steuerklasse keine Rolle mehr – solange sie allenfalls einen Minijob ausüben und keine Betriebsrente erhalten, für die der Lohnsteuerabzug gilt.

Achtung: Die Wahl von Steuerklasse III bringt nur einen vorübergehenden Vorteil – man muss weniger Steuer vorauszahlen und hat aktuell netto mehr zur Verfügung.

Wer die Steuerklassenkombination III/V wählt, muss in jedem Fall später eine Steuererklärung abgeben. Erst danach stellt sich heraus, wie hoch die Steuerschuld ist. Unter Umständen muss man dann im Folgejahr Steuern nachzahlen.

Anders sieht die Sache aus, wenn der Ehepartner des Rentners Arbeitslosengeld I bezieht. In diesem Fall bringt dem Betroffenen Steuerklasse III deutlich mehr ALG I – und das muss nicht zurückgezahlt werden. Deshalb akzeptieren die Arbeitsagenturen den Wechsel in Klasse III nur in wenigen, gesetzlich geregelten Ausnahmefällen. Wenn der Ehepartner Rentner ist, liegt ein solcher Fall vor.

Ermäßigungen und Vergünstigungen nutzen

Wer nur niedrige Alterseinkünfte hat, für den gibt es noch einige weitere Möglichkeiten, Ausgaben einzusparen bzw. Zuschüsse zu erhalten.

Rundfunk- und Fernsehgebühren: Befreiung oder Reduzierung

Vom Rundfunkbeitrag in Höhe von 17,50 Euro monatlich (Stand: 2018) können manche Senioren befreit werden, für andere ist ein ermäßigter Beitrag möglich.

Auf eine Gebührenbefreiung hat Anspruch, wer Grundsicherung im Alter bzw. Sozialhilfe bezieht. Ein Antrag auf die Grundsicherung lohnt sich somit für Rentnerinnen und Rentner gleich mehrfach. Schon wer nur einige Euro Grundsicherung erhält, braucht nämlich keine Gebühren für Rundfunk und Fernsehen zu zahlen.

Die Befreiung muss gesondert beantragt werden. Die Gebühren entfallen erst ab dem Monat nach der Antragstellung. Läuft der Bewilligungsbescheid über die Grundsicherung im Alter aus, so muss man einen neuen Befreiungsantrag stellen.

Wer nur wegen einiger Euro beim Antrag auf Grundsicherung scheitert, muss dies über eine Bescheinigung des Sozialamts genau nachweisen und kann eine Gebührenermäßigung erhalten. Mehr Informationen dazu gibt es unter www.rundfunkbeitrag.de.

Schwerbehinderte, auf deren Behindertenausweis das „Merkzeichen RF“ verzeichnet ist, zahlen auf Antrag nur einen reduzierten Beitragssatz von 5,83 Euro. In einigen Fällen – etwa für Taubblinde – ist auch eine Befreiung möglich.

Höherer Zuschuss zum Zahnersatz

Auch hier gibt es für Beziehende der Grundsicherung eine vorteilhafte Regelung: Sie erhalten von ihrer gesetzlichen Krankenkasse einen Zuschuss in der doppelten Höhe des Festzuschusses (also doppelt so viel wie „normal“) zu ihrem Zahnersatz.

Die gleiche Regelung gilt, wenn das Einkommen knapp oberhalb der Grundsicherungs-Schwelle liegt. Dann gilt man als „Härtefall“.

Für Alleinstehende liegt die Härtefallgrenze 2018 bei einem monatlichen Bruttoeinkommen von 1.218 Euro. Bei Zwei-Personen-Haushalten steigt die Grenze auf 1.674,75 Euro.

Auch bei etwas höherem Einkommen lohnt es sich, schon vor Beginn der Zahnbehandlung Kontakt mit der Krankenkasse aufzunehmen. Dann greift eine „gleitende Härtefallregelung“. Man kann also einen höheren Zuschuss als normal erhalten.

Generell gilt: Für Sonderwünsche – etwa die Verblendung einer Brücke, die im Normalfall nicht sichtbar ist – müssen Versicherte selbst aufkommen.

Begrenzte Zuzahlung zu Gesundheitskosten außer Zahnersatz

Auch bei den anderen Gesundheitskosten müssen gesetzlich Versicherte zuzahlen, allerdings nur in „zumutbarem Rahmen“. Die Belastungsgrenze für Zuzahlungen liegt in der Regel bei 2 Prozent der (bereinigten) Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt, für anerkannt chronisch Kranke bei 1 Prozent.

Ein Rentnerehepaar, das zusammen im Jahr 20.000 Euro erhält, muss beispielsweise maximal eine Zuzahlung in Höhe von 290 Euro pro Jahr leisten. Falls einer der Partner chronisch krank ist, sinkt die Zuzahlung auf die Hälfte.

Für Grundsicherungsbeziehende liegt der maximale Zuzahlungsbetrag 2018 bei jährlich 99,84 Euro, für chronisch Kranke bei 49,92 Euro. Dieser Betrag gilt jeweils für die komplette Familie – also auch für Rentnerehepaare.

Tipp: Belege über Zuzahlungen sammeln

Wenn die gesammelten Zuzahlungen die Belastungsgrenze überschreiten, kann man bei seiner Krankenkasse umgehend einen Befreiungsausweis beantragen. Dazu muss man aber die Belege über die Ausgaben vorlegen.

Versicherungen überprüfen

Die meisten Älteren haben (vielfach schon vor langer Zeit) Versicherungen (etwa für Hausrat oder Haftpflicht) abgeschlossen. Rentner sollten in jedem Fall prüfen, ob die Versicherungen noch notwendig sind oder ob sie zu besseren Bedingungen aktualisiert werden können. Gegebenenfalls durch den Wechsel zu einem günstigeren Anbieter.

Berufsunfähigkeits- oder Risikolebensversicherungen sind für Senioren unnötig. Auch eine Sterbegeldversicherung ist unnötig, alternativ kann man monatlich einen kleinen Betrag für die Beerdigung zurücklegen. Wer einen Hund besitzt, für den kann die dazugehörige Tierhalterhaftpflichtversicherung als Rentner sogar billiger werden.

Teurer wird mit zunehmendem Alter zumeist die Kfz-Versicherung oder Auslandskrankenversicherung. Hier kann man unter Umständen mit dem Wechsel zu einem günstigeren Versicherer gegensteuern.

 

Unser Tipp: Versicherungscheck machen

Die Verbraucherzentralen bieten – gegen Gebühr – einen Versicherungs-Check an.

Sonstige Vergünstigungen nutzen

Vergünstigungen für Ältere gibt es bei zahlreichen öffentlichen Einrichtungen und manchen Unternehmen, zum Beispiel bei der Deutschen Bahn. So kostet etwa die „BahnCard“ für Bahnkunden ab 60 Jahren erheblich weniger als für Jüngere.

Die öffentlichen Verkehrsbetriebe bieten durchweg besondere Monatskarten (meist im Abo) für Senioren, teilweise bereits ab 60 Jahren an.

Nach Ermäßigungen für Rentnerinnen und Rentner zu fragen lohnt sich auch bei Kinos, Theatern, Schwimmbädern oder Museen. Mit dem Rentnerausweis von der Deutschen Rentenversicherung kann man den Rentenbezug leicht nachweisen.

Teilweise gibt es Vergünstigungen nur für Schwerbehinderte. Bei schweren gesundheitlichen Handikaps lohnt sich deshalb auch für Senioren der Antrag auf die Schwerbehinderten-Anerkennung.

Autorenbild

Autor

Rolf Winkel