Altersvorsorge / 23.01.2023

Wie Anleger Steuern sparen können

Banken verschicken in diesen Wochen ihre Jahressteuerbescheinigungen. Was Anleger jetzt wissen müssen.

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Bei der langfristigen Geldanlage nicht zuletzt für die Altersvorsorge gibt es drei große Rendite-Killer: die Inflation, die Kosten und die Steuer. „Entscheidend für den Erfolg der Kapitalanlage ist das Ergebnis nach Steuern“, heißt es etwa beim deutschen Fondsverband BVI. Ob Zinsen, Dividenden oder realisierte Kursgewinne bei gemanagten Investmentfonds und  Exchange Traded Funds (ETFs) – umso besser zu wissen, wie Kapitelerträge besteuert werden und wie man die Steuern auf Kapitalerträge legal und korrekt vermeiden oder verringern kann. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wann und wie viel Abgeltungsteuer ist fällig?

Auf Kapitalerträge ist grundsätzlich eine Abgeltungsteuer in Höhe von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag zu zahlen. Hinzu kommt gegebenenfalls Kirchensteuer. Dies gilt für Zinsen, etwa für Erspartes auf Tagesgeld- oder Festgeldkonten, genauso wie für Kursgewinne, die durch den Verkauf eines Wertpapiers an einer Börse realisiert wurden.

Mit Zahlung der Steuer ist Ihre Steuerschuld abgegolten. Ihre Bank bucht diese Steuer direkt von Ihren Kapitaleinkünften ab, ohne dass Sie sich darum kümmern müssen. Unterm Strich bedeutet das:

  • Ohne Kirchensteuer und mit Soli beläuft sich die Abgeltungsteuer auf 26,38 Prozent.
  • Mit neun Prozent Kirchensteuer, die in den meisten Bundesländern fällig ist (in Bayern und Baden-Württemberg sind es acht Prozent), sind es 27,99 Prozent. Bei der Berechnung berücksichtigt ist dabei ein pauschaler Sonderausgabenabzug.

Wie kann ich mit einem Freistellungsauftrag die Abgeltungsteuer vermeiden?

Wer so weit wie möglich keine Steuer auf seine Kapitalerträge zahlen oder sich zu viel gezahlte Abgeltungsteuer nicht mühsam über die Steuererklärung zurückholen will, kann einen Freistellungsauftrag einreichen. Damit sind Kapitaleinkünfte von der Abgeltungsteuer befreit.

Dabei gibt es aber seit 2023 neue Obergrenzen: Maßgeblich ist hier der Sparerpauschbetrag (früher Sparerfreibetrag). Dieser beläuft sich seit Anfang des Jahres auf 1000 Euro für Singles und 2000 Euro für Verheiratete pro Jahr. Bislang waren es 801 Euro für Singles und 1602 Euro für Verheiratete.

Der Freistellungsauftrag ist bei der Bank einzureichen. Sollten Sie Kunde oder Kundin von mehreren Banken sein, können Sie bei jedem der Geldhäuser Kapitalerträge freistellen. Sie müssen aber darauf achten, den Sparerpauschbetrag dabei nicht zu überschreiten. Jede Bank sollte dafür die entsprechenden Formulare auch online bereithalten.

 

 

Konto im Ausland – was gilt für die Steuer?

Wer seine Kapitalerträge bereits korrekt über die Abgeltungsteuer versteuert hat, muss die Erträge in der Steuererklärung nicht mehr angeben. Manche ausländische Banken, die nicht dem deutschen Steuerrecht unterliegen, aber zu den Top-Anbietern von Tages- und Festgeld gehören, führen für den deutschen Fiskus keine Steuern ab. Sie zahlen die Zinsen zu 100 Prozent aus, obwohl kein Freistellungsauftrag vorliegt.

In diesem Fall sind die Zinsen in der Steuererklärung anzugeben, und zwar in der Anlage KAP.

Wie viel Zinsen gezahlt wurden, steht in der Jahressteuerbescheinigung, die die Banken oft schon Ende Januar, in der Regel aber bis zum Ende des ersten Quartals an ihre Kunden verschicken. Wenn Sie die Anlage KAP deshalb ausfüllen, müssen Sie darin auch mögliche andere Kapitalerträge plus die womöglich bei anderen Banken gezahlte Abgeltungsteuer angeben. Das Finanzamt stellt dann fest, ob Sie Steuern auf die Kapitalerträge nachzahlen müssen oder nicht.


Der Sparerpauschbetrag ist 2023 erhöht worden. Muss ich etwas tun?

Haben Sie bereits einen oder mehrere Freistellungsaufträge bei Ihrer Hausbank oder mehreren Banken eingereicht, müssen Sie nicht unbedingt deshalb etwas unternehmen. Darauf weist der deutsche Fondsverband BVI hin. Laut BVI haben die Banken und Sparkassen die ihnen vorliegenden Freistellungsaufträge automatisch prozentual erhöht.

Beispiel: Sie haben einen Auftrag von 500 Euro der Bank A und 301 Euro der Bank B erteilt. Dann wird automatisch die Bank A den Auftrag auf 624,22 Euro erhöhen und die Bank B auf 375,78 Euro.

Sie können aber auch Ihren Sparerpauschbetrag anders aufteilen und Ihre Freistellungsaufträge in der für Sie gewünschten Form anpassen, je nachdem, bei welcher Bank mehr oder weniger Kapitalerträge voraussichtlich anfallen werden.

Ich habe wenig Einkommen. Muss ich auch Abgeltungssteuern zahlen?

Wer wenig verdient, muss keine Steuern auf Kapitalerträge zahlen. Auch hier gibt es Obergrenzen. Diese hängen maßgeblich vom Grundfreibetrag ab. Er wurde im neuen Jahr von 10.347 auf 10.908 Euro erhöht. Hinzu kommen 36 Euro für den Sonderausgaben-Pauschbetrag plus den Sparerpauschbetrag.

Wer 2023 also insgesamt nicht mehr als 11.944 Euro verdient (10.908 plus 36 plus 1000), ist von der Abgeltungsteuer befreit.

Dazu müssen Sie bei Ihrer Bank aber eine Nichtveranlagungsbescheinigung (NV) einreichen, die Sie vorher beim Finanzamt beantragen müssen.

  • Die NV-Bescheinigung kommt vor allem für Schüler, Studenten, Geringverdiener oder Rentner mit schmalem Alterseinkommen in Frage.
  • Auch für Enkel oder Kinder, die dank eines Erbes oder Geschenks ein eigenes Wertpapierdepot (Juniordepot) oder Festgeldkonto haben, kann die Bescheinigung hilfreich sein.
  • Die NV-Bescheinigung gilt für bis zu drei Jahre. Ein Freistellungsauftrag ist dann nicht mehr nötig. Und die Kinder oder Enkel müssen auch keine Steuererklärung abgeben.

Tipp: Anlage KAP ausfüllen

Angenommen, Sie haben vielleicht geerbt oder an der Börse gut verdient und deshalb hohe Kapitaleinkünfte, aber Ihr Verdienst ist eher niedrig, dann sollten Sie prüfen, wie hoch Ihr persönlicher Steuersatz ist. Liegt dieser unter 25 Prozent, also der Höhe für die Abgeltungsteuer, sollten Sie in Ihrer Steuererklärung die Anlage KAP ausfüllen. Das Finanzamt muss dann eine „Günstigerprüfung“ machen. Folge: Beläuft sich Ihr Steuersatz unter 25 Prozent, erhalten Sie zu viel gezahlte Steuer zurück. Liegt dieser darüber, bleibt es bei der bezahlten Abgeltungsteuer.

Wenn Sie den Freistellungsauftrag vergessen oder den Pauschbetrag für Sie nicht vorteilhaft auf verschiedene Banken verteilt haben, sollten Sie ebenfalls die Anlage KAP ausfüllen. Auch so können Sie sich zu viel bezahlte Abgeltungsteuer über die Steuererklärung zurückerstatten lassen.


Wie läuft das mit der Steuer bei Fonds und ETFs?

Auch wenn Sie Erträge aus gemanagten Fonds oder börsennotierten Indexfonds (ETFs) erzielen, müssen Sie diese versteuern. Hier gibt es zwei Besonderheiten:

Teilfreistellung

Der beim Verkauf von Fondsanteilen erzielte Kursgewinn oder Dividenden, die Fonds auszahlen, sind nur zum Teil zu versteuern. Wie hoch die sogenannte Teilfreistellung ausfällt, ist von der Höhe des Aktienanteils des jeweiligen Fonds abhängig:

  • Aktienfonds mit einem Aktienanteil von mehr als 50 Prozent: 30 Prozent der Erträge sind steuerfrei.
  • Mischfonds mit einer Aktienquote von 25 bis 50 Prozent: 15 Prozent sind befreit.
  • Andere Fonds mit einem Aktienanteil von weniger als 25 Prozent: Hier gibt es keine Teilfreistellung.
  • Offener Immobilienfonds: Anleger zahlen laut BVI auf 60 Prozent der Ausschüttungen und Verkaufsgewinne keine Abgeltungsteuer. Hat der Fonds seinen Anlageschwerpunkt im Ausland sind sogar 80 Prozent steuerfrei.
  • ETFs: Diese werden steuerlich genauso behandelt wie aktive gemanagte Aktienfonds. Ausnahme: Der ETF bildet den Index überwiegend künstlich über sogenannte Derivate nach, dann profitieren die Anleger nicht von der Teilfreistellung.
  • Riester- und Rürup-Fondssparpläne: Hier ist die Ansparhase weiter steuerbefreit. In der Auszahlungsphase gelten bei diesen staatlich geförderten Altersvorsorgeprodukten eigene Steuerregeln.

Wichtig zu wissen: Die Depotbank berücksichtigt die Teilfreistellung automatisch. Darum müssen Sie sich nicht kümmern. Zieht die Bank Abgeltungsteuer ab, geschieht dies nur bei den Kapitalerträgen, die von der Teilfreistellung ausgenommen sind.

Vorabpauschale

Gut möglich, dass im elektronischen Postfach Ihrer Depotbank auch schon mal ein solches Schreiben gelandet ist: eine Abrechnung der Bank über die Vorabpauschale. Relevant ist dies vor allem für Anleger von thesaurierenden Fonds, bei denen die Erträge nicht ausgeschüttet, sondern im Fonds direkt wieder angelegt werden.

Anhand der Vorabpauschale erhebt das Finanzamt vorab die Abgeltungsteuer auf Ihre zukünftigen Gewinne, die Sie hoffentlich als Vorsorgesparer vielleicht in 5, 10 oder 15 Jahren erzielen werden, wenn Sie Fondsanteile veräußern.

Die Vorabpauschale ist die Grundlage für die Besteuerung. Wie hoch die Pauschale ausfällt, hängt von einem Basiszins ab, den die Bundesbank ermittelt. Für 2022 ist keine Vorabpauschale angefallen, weil der Basiszins damals noch negativ war. Für 2023 hat die Bundesbank allerdings einen Basiszins von 2,55 Prozent festgesetzt, so dass die Banken Anfang 2024 wieder auf Grundlage der Vorabpauschale bei den betreffenden Fonds Abgeltungsteuer einbehalten müssen. Den Steuerabzug können Sie aber vermeiden, wenn Sie dafür Ihren Sparerfreibetrag nutzen und einen Freistellungsauftrag eingereicht haben.

Wichtig auch zu wissen: Die Bank führt die anhand der Vorabpauschale errechnete Steuer an das Finanzamt ab. Abgebucht wird das Geld meist vom Verrechnungskonto des Depots. Verkaufen Sie dann irgendwann die Fondsanteile, werden die gezahlten Vorabsteuern sämtlicher Jahre vom Verkaufsgewinn abgezogen. Das mindert den Restertrag, der dann noch auf einen Schlag zu versteuern ist.

Wie kann ich mit Verlusten Steuern sparen?

Angenommen, Sie haben in diesem Jahr wie viele Anleger Verluste im Depot und Fondsanteile verkauft, dann können Sie die Verluste mit sicher gestellten Gewinnen verrechnen. Dadurch reduziert sich der Ertrag, den Sie versteuern müssen. Möglich ist es auch, den Verlust „aufzuheben“ und erst im nächsten Jahr mit dann realisierten Gewinnen zu verrechnen.

Wie kann ich bei hohen Kursgewinnen Steuern sparen?

Sollte es irgendwann mit den Aktienkursen an den Börsen wieder stetig aufwärts gehen, können versierte Anleger mit einem Fondsdepot im Wert von mehreren zehntausend Euro regelmäßig Fondsanteile verkaufen und so Kursgewinne sicherstellen. Der Vorteil: Sie können so Jahr für Jahr den Sparerpauschbetrag ausschöpfen. Der Nachteil: Wer langfristig, etwa für die zusätzliche Altersvorsorge, anlegen will, muss die Disziplin haben, sofort nach dem Verkauf mit dem Gesamterlös wieder neue Fondsanteile nachzukaufen. Wer hier schludert, verliert sonst das Ziel aus den Augen, langfristig Vermögen aufzubauen.

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Autor

Thomas Öchsner