Altersvorsorge / 02.03.2020

Wohn-Riester fürs lebenslange Eigenheim – was zu beachten ist

Mit Wohn-Riester will der Staat Bürgern dabei helfen, dass ihre Immobilie schneller schuldenfrei dasteht und somit sich als Altersvorsorge lohnt. Deswegen wird Wohn-Riester staatlich gefördert. Bedingung: Wer sein Haus mit Wohn-Riester finanziert, muss es selbst bewohnen. Was aber, wenn Sie beruflich umziehen müssen, Sie sich räumlich verkleinern wollen oder Ihren Kindern die Immobilie überlassen wollen?

Bild zum Thema Wohn-Riester für lebenslanges Eigenheim – was zu beachten ist. – Junges paar schaut auf sein Haus und auf der Wiese spielende Kinder.

Inhalt

Wohn-Riester abbrechen wird teuer

Wer das nicht tut und den auf dem Wohn-Riester-Konto angesparten Betrag einfach abheben oder das geförderte Haus weiterverkaufen möchte, muss sofort alle erhaltenen Vergünstigungen zurückzahlen. Denn dann werden die staatlichen Fördermittel nicht mehr für den Zweck der Rente eingesetzt, sondern laut Gesetz „schädlich“ verwendet. Das Finanzamt wird umgehend eingesparte Steuern für den Gesamtbetrag Ihres „Wohnförderkontos“ zurückfordern. Auf dem Wohnförderkonto wird das geförderte Kapital jedes Riester-Bauherren inklusive einer angenommenen Verzinsung erfasst.

Riester-Förderung trotz Immobilienverkauf

Aber Lebensumstände und -pläne können sich ändern. So könnte es sein, dass Sie Ihre mit Wohn-Riester geförderten vier Wände verkaufen müssen oder vorübergehend nicht selbst nutzen können. Für diese Fälle hat der Gesetzgeber wenige „unschädliche“ Auswege gelassen, damit Sie erhaltene Fördermittel nicht zurückzahlen müssen. Die erste Regel lautet auch hier: Nur wenn Sie weiterhin an Riester-Verträge gebunden bleiben, gibt es keine Rückforderungen.

Fall eins: Sie verkaufen Ihre mit Wohn-Riester geförderte Immobilie

  • Entweder möchten Sie sich woanders niederlassen und am neuen Standort wieder eine eigengenutzte Immobilie bauen oder erwerben. Wohn-Riester läuft ohne Rückforderung weiter, wenn Sie in Ihr neues Eigenheim einen Betrag investieren, der dem Stand Ihres Wohnförderkontos entspricht. Zeitrahmen für diese vertragliche Umwidmung: ein Jahr vor Aufgabe der zuerst genutzten Immobilie oder bis zu vier Jahre danach.
  • Oder Sie verkaufen Ihre Immobilie und der Erlös fließt in einen neuen Riester-Vertrag. Wenn sie den Verkaufserlös innerhalb eines Jahres in eine Riester-Rente, einen -Fonds- oder -Banksparplan anlegen, kann die Riester-Förderung „unschädlich“ weiter genutzt werden.

Eine eigene, mietfreie Wohnung ist für Rentner ein wichtiges Plus. Mit Wohn-Riester können Arbeitnehmer gezielt darauf hin sparen. Einzige Bedingung für die staatliche Finanzspritze beziehungsweise Steuerersparnis, die runde 900 Euro pro Jahr betragen kann: Mit einem Wohn-Riester-Vertrag binden Sie sich ein Leben lang oder bis zum 85. Geburtstag an die so geförderte Immobilie.

Fall zwei: Wohn-Riester wird nach vorübergehendem Umzug fortgesetzt

  • Wenn Sie aus beruflichen Gründen bis zu einem Jahr vorübergehend aus Ihrer Immobilie ausziehen, ist das förderunschädlich.
  • Dauert die Abwesenheit länger, dürfen Sie Ihre geförderte Immobilie zeitlich begrenzt einem Dritten vermieten oder unentgeltlich überlassen. Indem Sie beispielsweise das zeitlich begrenzte Wohnrecht vertraglich festzurren, müssen Sie es dem Finanzamt glaubhaft machen. Spätestens mit Beginn der Rente oder mit Vollendung des 67. Lebensjahres müssen Sie wieder Ihr Wohn-Riester-Haus oder die Eigentumswohnung selbst nutzen. Andernfalls muss dann noch die komplette Förderung zurückgezahlt werden.

Wohn-Riester bei Scheidung

  • Wird die durch Wohn-Riester geförderte Immobilie wegen einer Scheidung verkauft, kann der Erlös innerhalb von vier Jahren in eine andere Wohnmöglichkeit investiert werden.
  • Die Förderung geht ebenfalls nicht verloren, falls ein ehemaliger Ehepartner in der mit Wohn-Riester geförderten Immobilie wohnen bleibt.

Wohn-Riester und Pflege

  • Wer eine geförderte Immobilie verkauft, kann sich auch auf der Basis der Wohn-Riester-Förderung innerhalb von vier Jahren in eine Anlage für altersgerechtes Wohnen einkaufen.
  • Ziehen Eheleute aus dem mit Wohn-Riester geförderten Haus aus, weil sie krank oder pflegebedürftig sind, bleiben sie Eigentümer der Immobilie. Wohnt ein Partner weiter darin, bleibt alles beim Alten. Wird die Immobilie aber vermietet oder verkauft, bevor sie 20 Rentenjahre genutzt worden ist, muss nachversteuert werden.

Eine durch Wohn-Riester geförderte Immobilie erben

  • Sollte ein Ehepartner versterben, muss der Hinterbliebene in der riestergeförderten Immobilie wohnen, damit das Finanzamt keine Nachforderungen stellt. Wohnen der Ehepartner und kindergeldberechtigte Kinder des Verstorbenen nicht ohnehin schon in der finanzierten Immobilie, haben sie 12 Monate Zeit, diese zu beziehen.
  • Waren die Verstorbenen Rentner und jünger als 85 Jahre, haben sie noch reguläre Steuern auf das Wohnförderkonto gezahlt. Die Erben übernehmen mit der Immobilie auch diese Steuerzahlungen. Bereits erhaltene staatliche Zulagen und Steuervorteile müssen sie allerdings nicht zurückzahlen. Darüber hinaus müssen sie sich als Eigentümer der Immobilie eintragen lassen und das Wohneigentum selbst nutzen.

Autor

Peter Seipel