Nachgefragt / 06.09.2011

Wohn-Riester: Konto klärt Steuern

641.000 Wohn-Riester-Verträge wurden bis Ende Juni abgeschlossen. Doch das Wohnförderkonto, kennt kaum ein Sparer. Aber genau dieses Konto sollten Sparer im Auge behalten, sagt Michael Eßer von der Deutschen Rentenversicherung Nord. Das „Wohnförderkonto“ ist die Grundlage der Besteuerung im Alter.

Neue Einfamilienhäuser – Bildnachweis: gettyimages.de © querbeet

Bad Homburg (mjj) Wohn-Riester-Produkte sind der jüngste Spross unter den Riester-Produkten und werden auch als „Eigenheimrente“ bezeichnet: Sie ermöglichen es, die staatliche Riester-Förderung zur Entschuldung oder Finanzierung einer selbstgenutzten Immobilie einzusetzen. Riester-Grund- und Kinderzulagen lassen die Finanzierungslast schmelzen: Eine vierköpfige Familie kann bis zu 908 Euro an Zulagen erhalten, die beispielsweise eine schnellere Tilgung des Kredites ermöglichen.

Auf einem Wohnförderkonto wird die staatliche Riester-Förderung festgehalten und später versteuert. Warum macht man das?

Michael Eßer: Der Staat muss Eigenheimrente-Kunden genauso behandeln, wie alle anderen Riester-Sparer. Und die müssen auf ihre spätere Riester-Rente Steuern zahlen. Das nennt man in der Fachsprache „nachgelagerte Besteuerung“.

Doch was ist die Besteuerungsgrundlage bei einer Immobilie? Hier kommt das Wohnförderkonto ins Spiel: Auf ihm werden die staatlich geförderten Spar- oder Tilgungsleistungen und die darauf gewährten Zulagen gespeichert sowie gegebenenfalls der Betrag, der aus einem Riester-Vertrag zur Finanzierung entnommen wurde. Zu jedem Jahresende wird die Summe um zwei Prozent erhöht. Im Rentenalter muss dann die Endsumme versteuert werden. Das sollten Sparer berücksichtigen, denn Steuern verringern das Alterseinkommen.

Warum die zweiprozentige Erhöhung?

Michael Eßer: Würde der Staat nicht jedes Jahr die Summe um zwei Prozent erhöhen, würde der Wohn-Riester-Sparer bevorteilt. Schließlich verzinst sich das Kapital der anderen Riester-Sparer ebenso – und damit erhöht sich auch deren Schuldenlast. Verbraucher, die zum Beispiel in diesem Jahr eine klassische Riester-Rentenversicherung abschließen, erhalten einen Garantiezins von 2,25 Prozent.

Die Endsumme auf dem Wohnförderkonto wird später dann versteuert?

Michael Eßer: Ja, aber mit der Option einen Rabatt zu erhalten. Wie alle Riester-Sparer haben Rentner die Wahl zwischen einer jährlichen Besteuerung oder einer einmaligen Besteuerung mit verlockendem Rabatt. Bei der jährlichen Besteuerung der Riester-Rente wird das gebildete Kapital bis zum 85. Lebensjahr gleichmäßig aufgeteilt. Bei der „Rabatt-Variante“ zahlt der Riester-Sparer gleich zu Beginn die Steuern für das gesamte Kapital – dafür aber nur auf 70 Prozent der Summe. Ob allerdings überhaupt Steuern gezahlt werden müssen, hängt von der Einkommenssituation des Haushaltes ab.

Eigene vier Wände erscheinen vielen Deutschen als ideale Altersvorsorge. Stimmt das denn?

Michael Eßer: Die Rechnung sieht so aus: Wenn man es schafft, dass die Immobilie bis zum Renteneintritt schuldenfrei und einigermaßen in Schuss dasteht, hat man mehr von seiner Rente als ein Mieter. Unter diesen Voraussetzungen kann eine Immobilie tatsächlich eine gute Altersvorsorge sein.

Aber: Sparer sollten bedenken, dass Immobilien im Alter weniger flexibel sind als viele andere Geldanlagen: Im finanziellen Notfall lassen sich nicht staatlich geförderte Anlagen wie zum Beispiel Aktienfonds leichter auflösen. Man sollte den Immobilienerwerb nicht als reine und vor allem nicht als einzige Altersvorsorge sehen.

Mehr Informationen

  • test.de
    Es gibt große Unterschiede zwischen Eigenheimrente-Angeboten. Interessierte können sich für 1,50 Euro einen Vergleich der Stiftung Warentest herunterladen.
  • Wohn-Riester
    Weitere Informationen zu Wohn-Riester auf dieser Internetseite.
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Autor

Michael J. John