Rente / 20.07.2020

16,2 Milliarden Euro für Kindererziehungszeiten

Rentenbeitragszahlungen des Bundes für erziehende Elternteile klettern 2020 erneut um etwa 800 Millionen Euro. Stabile Geburtenzahlen.

Bild zum Beitrag "Immer mehr Rentenbeiträge für Kindererziehung". Das Bild zeigt eine Mutter, die zusammen mit einem Kleinkind ein Bilderbuch anschaut.

Bad Homburg (sth). Immer mehr Elternteile profitieren von den Rentenbeiträgen für Kindererziehung in den ersten drei Lebensjahren eines Neugeborenen. Wie aus dem Finanzbericht der Bundesregierung hervorgeht, zahlt der Bund in diesem Jahr voraussichtlich etwa 16,2 Milliarden Euro an Steuergeldern für Kindererziehungszeiten der Elternteile, die den größeren Teil der Erziehung übernehmen – ganz überwiegend der Mütter. Das sind rund 0,8 Milliarden Euro oder fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Bereits 2019 waren laut Rentenversicherung 1,1 Milliarden Euro oder etwa 7,7 Prozent mehr Beiträge für Kindererziehung auf die Konten der 16 Rentenversicherer geflossen als im Jahr zuvor.

Damit setzt sich ein Trend fort, der seit mehreren Jahren zu erkennen ist. Während die Rentenbeiträge für Kindererziehung zwischen 2000 und 2014 trotz jährlicher Rentenanpassungen wegen gleichzeitig rückläufiger Geburtenzahlen zwischen 11,4 und 11,9 Milliarden Euro weitgehend stabil blieben, sind sie in den folgenden fünf Jahren um etwa 3,5 Milliarden Euro gestiegen. Darin schlagen sich die zuletzt wieder deutlich gestiegenen Geburtenzahlen nieder. Sie kletterten laut Statistischem Bundesamt zwischen 2013 und 2019 von 682.000 auf etwa 778.000.      

Zuwanderung führt zu mehr Geburten

Ursache für den starken Anstieg dürfte neben einer leicht gestiegenen Geburtenrate bei deutschen Müttern die erheblich gewachsene Zahl der Zuwanderer und die höhere Geburtenrate ausländischer Mütter sein. Laut Daten des Statistischen Bundesamts lag die sogenannte Geburtenziffer deutscher Mütter im Jahr 2017 bei 1,45 Kindern, die von ausländischen Müttern bei 2,15 Kindern. Für die Höhe der zu ihren Gunsten gezahlten Beiträge für Kindererziehung entscheidend ist laut Rentenversicherung 

  • die Entwicklung der Zahl der unter Dreijährigen (mit einer Zeitverzögerung von drei Jahren)
  • die Veränderung der Arbeitnehmerlöhne (mit einer Verzögerung von zwei Jahren) und
  • die (mögliche) Veränderung des Beitragssatzes gegenüber dem Vorjahr.

In den kommenden Jahren werden die Bundeszahlungen für Kindererziehungszeiten weiter deutlich steigen, heißt es im Finanzbericht der Bundesregierung. 2021 werden demnach etwa 17,1 Milliarden Euro an die Rentenkassen fließen, 2022 bereits 17,6 Milliarden und 2023 rund 18,1 Milliarden Euro.

Mehr zum Thema:

www.bundesfinanzministerium.de

Finanzbericht 2020 der Bundesregierung (hier: S. 21-22)

www.destatis.de

Mitteilung des Statistischen Bundesamts zur Geburtenzahl und -ziffer für 2018

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Autor

Stefan Thissen