Rente / 08.03.2019

187.000 Künstler sind rentenversichert

Zahl der in der Künstlersozialkasse abgesicherten Kunstschaffenden stieg in 25 Jahren um mehr als das Dreifache. Doch ihre Lage ist oft prekär – vor allem die von Frauen.

Junger Mann sitzt am Schreibtisch und schaut auf zwei Monitore. – iStock by Getty Images/nd3000

Bad Homburg (sth). Immer mehr junge Menschen in Deutschland studieren an Kunsthochschulen. Seit der Wiedervereinigung stieg ihre Zahl nach Angaben des Statistischen Bundesamts von rund 28.400 um 30 Prozent bis auf knapp 37.000 im laufenden Studienjahr. Das wirkt einerseits erfreulich, weil es ein ungebrochen hohes Interesse an einem künstlerischen Beruf signalisiert. Auf der anderen Seite scheint die finanzielle Lage vieler Kunstschaffender prekär: Laut der für die soziale Absicherung hauptberuflich tätiger Künstler und Publizisten zuständigen Künstlersozialkasse (KSK) verdienten ihre rund 187.000 Mitglieder 2017 durchschnittlich gerade einmal 17.000 Euro pro Jahr. Im Jahr 1992 – 25 Jahre vor der aktuell vorliegenden Erhebung – waren erst etwa 58.500 Kreative in der KSK versichert.

Dabei ist auch im künstlerischen Bereich – wie in vielen anderen Berufen – eine deutliche Gehaltsschere zwischen Frauen und Männern zu beobachten. Während etwa schreibende Publizistinnen im Jahr 2018 im Schnitt 18.100 Euro verdienten, erhielten ihre männlichen Kollegen etwa ein Drittel mehr (24.100 Euro). Ähnlich sieht die Lage im Bereich der bildenden Künste und unter Musikern aus: Auch hier konnten die Männer für ihre Arbeit zwischen 30 und 40 Prozent mehr Honorar einstreichen als Frauen. Darstellende männliche Künstler erhielten für ihre Performance im Schnitt sogar 55 Prozent mehr Gehalt als ihre Kolleginnen.

Gleiche Geschlechteranteile in der Künstlersozialkasse

Trotz der ungleichen Bezahlung finden sich Künstlerinnen und Künstler in der KSK zu etwa gleichen Teilen wieder. Etwa 91.200 Männern standen Ende 2016 nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung etwa 86.000 Frauen gegenüber. Voraussetzung für die Aufnahme in die Sozialversicherung der Kunstschaffenden ist neben der hauptberuflichen künstlerischen Tätigkeit, dass die Betroffenen ein Mindestjahresgehalt von 3.900 Euro erzielen. Vom derzeitigen sozialversicherungspflichtigen Durchschnittsjahreseinkommen von etwa 38.900 Euro sind die meisten Künstler und Publizisten aber weit entfernt.

Einen wichtigen Vorteil gegenüber den nicht KSK-versicherten Selbstständigen genießen die gesetzlich abgesicherten Kunstschaffenden aber schon seit 1983: Sie zahlen – wie Arbeitnehmer – nur die Hälfte des Rentenversicherungsbeitrags. Ein Künstler mit einem voraussichtlichen Jahreseinkommen von 10.000 Euro zahlt also wie ein Angestellter 930 Euro jährlich bzw. 77,50 Euro monatlich (= 9,3 Prozent des Einkommens) an die Rentenkasse. Die andere Hälfte teilen sich die Verwerter künstlerischer Leistungen – etwa Verlage, Agenturen oder Museen – mit einem bestimmten Prozentsatz der an die Künstler gezahlten Honorare (30 Prozent) sowie der Bund mit einem Steuerzuschuss (20 Prozent). Dieser machte laut KSK zuletzt etwa 200 Millionen Euro pro Jahr aus. 

Mehr zum Thema:

www.kuenstlersozialkasse.de

Link zu weiteren Informationen über die Künstlersozialkasse 

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Autor

Stefan Thissen