Rente / 06.12.2021

3.000 Euro Monatsrente sind fast unmöglich

Neue Daten der Rentenversicherung: Auch wer 45 Jahre lang den Höchstbeitrag gezahlt hat, bekommt im Alter bestenfalls 2.960 Euro brutto.

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Bad Homburg (sth). Es gibt zwei Wege für Beschäftigte, schon während des Berufslebens den späteren Rentenanspruch annäherungsweise einschätzen zu können. Den ersten liefert die Rentenversicherung jährlich per Post ins Haus: die Renteninformation, die mehr als 30 Millionen Rentenversicherten schon recht präzise Angaben zur späteren Altersrente oder einer vorzeitig notwendigen Erwerbsminderungsrente bietet.

Der zweite Weg ist etwas mühsamer, aber dennoch mit vertretbarem Aufwand möglich. Ein Griff zum Taschenrechner oder zum Smartphone mit einer Rechner-App genügt – und schon kann man als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer sehr schnell errechnen, wie viel Rente nach einer bestimmten Zahl von Arbeitsjahren und einem erhofften künftigen Jahresverdienst zu erwarten ist. Für eine überschlägige Hochrechnung benötigt man lediglich wenige Daten:

  • die geschätzte Zahl der eigenen Arbeitsjahre während des Berufslebens (oder Jahre der Kindererziehung, das sind pro Kind 2,5 oder drei Jahre mit einem "Verdienst" wie ein Durchschnittsverdiener),
  • das derzeitige oder erhoffte künftige Jahresgehalt (für das Durchschnittsjahresgehalt von derzeit rund 41.500 Euro gibt es 1,0 Entgeltpunkte, für mehr oder weniger Jahresgehalt eine entsprechend veränderte Zahl der Entgeltpunkte)
  • den "Aktuellen Rentenwert" (derzeit 34,19 Euro im Westen und 33,47 Euro im Osten; gibt die Monatsrente eines Durchschnittsverdieners nach einem Jahr Zahlung von Rentenbeitrag an)

Beispielhaft ergibt das derzeit folgendes Ergebnis:
40 (Arbeitsjahre) x
1,2 (bei einem lebenslangen durchschnittlichen Jahresgehalt von 20 Prozent über dem Durchschnitt) x 34,19 Euro (Aktueller Rentenwert West) =

1.641,12 Euro (Brutto-Monatsrente)

Was kann ein langjähriger Spitzenverdiener an Rente erwarten?

Jetzt hat die Deutsche Rentenversicherung in einem neuen Datenblatt (Aktuelle Daten 2022) errechnet, welche – in der Praxis sehr unwahrscheinliche – Rente ein Gutverdiener mit Rentenbeginn ab Januar 2022 erwarten kann, der in 45 Berufsjahren immer den Höchstbeitrag an die Rentenkasse überwiesen hat. Es sind 2.962 Euro (brutto) oder 2.636 Euro (netto). 3.000 Euro oder mehr Brutto-Rente im Monat sind also in der Realität kaum drin.

Zugrunde gelegt haben die Statistiker der Rentenversicherung bei diesen Zahlen die Annahme, dass ein oder eine Beschäftigte(r) von 1977 bis 2021 immer einen Verdienst oberhalb der sogenannten Beitragsbemessungsgrenze – das ist die Gehaltshöchstgrenze, bis zu der Rentenbeiträge fällig werden – kassiert hat. Klar ist aber auch: Wer eine solche Spitzen-Rente erwarten kann, ist auch in der Lage, dafür Steuern zu bezahlen. Und diese Belastung wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen.

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Autor

Stefan Thissen