Rente / 29.03.2018

3,2 Prozent mehr erhalten Grundsicherung

Statistisches Bundesamt: 1,06 Millionen Ältere und Erwerbsgeminderte benötigten Ende 2017 ergänzende Hilfe vom Staat.

Wiesbaden (dpa). Mehr als eine Million Menschen haben im vergangenen Dezember Leistungen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung bezogen. Das waren 3,2 Prozent mehr als im Dezember 2016, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Nach den Zahlen bezogen fast 1,06 Millionen Menschen die Leistungen - über 18-Jährige, die wegen Krankheit oder Behinderung nicht voll arbeiten können, oder Ältere wie Rentner.

Die Gründe für den leichten Anstieg seien vielfältig, könnten aus den Daten allein aber nicht abgelesen werden, sagte eine Sprecherin des Bundesamtes. Insbesondere ältere Frauen sind auf die staatlichen Zuschüsse beispielsweise fürs Wohnen, Heizen oder Essen angewiesen. Betrachtet man nur Menschen, die um die 65 Jahre alt waren, zählte die Statistik 316.425 Frauen, aber nur 227.665 Männer. Wer vor dem Jahr 1947 geboren ist, kann die Grundsicherung ab 65 Jahren erhalten, ansonsten galt im Dezember eine Altersgrenze von 65 Jahren und sechs Monaten. Nimmt man auch die erwerbsgeminderten Betroffenen hinzu, zählten die Statistiker insgesamt 539.551 Frauen und 519.276 Männer.

Altersarmut sei gerade bei Frauen ein Problem, sagte Michael David, sozialpolitischer Experte bei der Diakonie Deutschland. Frauen sind demnach auch deshalb stärker davon betroffen, weil sie häufiger alleinerziehend gewesen sind oder in prekären Beschäftigungsverhältnissen gearbeitet haben, um Beruf und Familie in Einklang zu bringen. Das habe entsprechende Folgen für den Lebensabend. "Wir haben da tatsächlich ein Genderproblem und da muss etwas passieren", befand David.

Zahl der Grundsicherungsbezieher steigt seit 2003

Seit Einführung der Grundsicherung im Jahr 2003 ist die Zahl der Leistungsempfänger von zunächst rund 440.000 Menschen kontinuierlich gestiegen. Die meisten Empfänger leben nach den aktuellen Zahlen in Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Bayern und Niedersachsen. Die Bundesländer mit der geringsten Zahl von Empfängern sind der Stadtstadt Bremen sowie das kleinste Flächenland Saarland.

Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher, geht von einer hohen Dunkelziffer aus. "Weil vor allen Dingen alte Frauen – das kennen wir aus unseren Beratungsgesprächen – sich schämen, zur Fürsorge zu gehen und versuchen, mit allen Möglichkeiten zu sparen, zur Tafel zu gehen, um Lebensmittel zu bekommen, und so die Grundsicherung zu vermeiden." Zu den möglichen Gründen für die gestiegene Zahl der Leistungsempfänger zählt Mascher kletternde Mietpreise sowie eine höhere Zahl von Menschen, die wegen einer psychischen Erkrankung nicht arbeiten können.

Um die Situation der Empfänger zu verbessern, fordert der VdK eine Reform der Freibetragsregelung. Egal, ob Männer oder Frauen betroffen sind - Altersarmut macht oft auch einsam. Diakonie-Experte David berichtete von Menschen, die sich deshalb völlig zurückziehen würden. "Das Bittere bei der Grundsicherung im Alter ist, dass die Leute wissen, sie kommen da nicht mehr raus."

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Autor

 Deutsche Presseagentur