Rente / 06.11.2017

Abschlagsausgleich: Experte fordert Begrenzung

Ausgeweitete Möglichkeit der Zahlung von Extrabeiträgen an die Rentenversicherung ist eine "fragwürdige Angelegenheit".

Berlin/Offenbach (sth). Deutliche Kritik an der Regelung, jetzt schon ab 50 Jahren Zusatzbeiträge an die Rentenversicherung zum Ausgleich von Rentenabschlägen zahlen zu können, hat der Berliner Rentenexperte Johannes Steffen geübt. Sozialpolitisch sei die Ausweitung der Ausgleichsmöglichkeit durch das Flexirentengesetz eine "fragwürdige Angelegenheit", schreibt Steffen in einer jetzt veröffentlichten Analyse. Zur Begründung verweist Steffen auf die in den kommenden Jahren zu erwartenden Steigerungen des Rentenbeitrags. Die schon heute erworbenen zusätzlichen Rentenansprüche durch Extrabeiträge müssten "später von allen Versicherten finanziert werden", heißt es in der Analyse (siehe auch Link unten).

Der auf diese Weise mögliche Gewinn Einzelner mit entsprechenden finanziellen Möglichkeiten sei das "Ergebnis einer vergleichsweise risikoarmen Spekulation gegen das pflichtversicherte Kollektiv", schreibt Steffen. Die politisch gewünschte Äquivalenz zwischen Beitrag und Leistung werde für jene Versicherten, die über ein ausreichendes Finanzpolster verfügen, "damit zu einem Teil individuell gestaltbar und zeitlich 'verzerrt'". Um einen solchen "Spekulations-Gewinn" zu begrenzen, sollte die seit dem 1. Juli dieses Jahres zeitlich ausgeweitete Möglichkeit zu Ausgleichszahlungen rückgängig gemacht und "ausnahmslos auf rentennahe Altersgruppen begrenzt werden", fordert der Rentenexperte.

Besonders ostdeutsche Versicherte mit gut gefülltem Bankkonto könnten mit Blick auf die sogenannte Rentenangleichung ab 2025 in den kommenden Jahren noch ein gutes Geschäft machen, rechnet Steffen vor. Zumal der Personenkreis, der zu einer Ausgleichszahlung zugelassen sei, auch Menschen mit "Vorliegen eines berechtigten Interesses" einschließe – und damit sogar unter 50-Jährige. "So kann selbst ein heute erst vierzigjähriger Versicherter, der 2040 mit 63 Jahren eine um vier Jahren vorgezogene Altersrente beanspruchen will, die günstigen Konditionen für sich beanspruchen", schreibt der Experte.

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Link zur Analyse des Berliner Rentenexperten Johannes Steffen über die Möglichkeit zur Zahlung von Zusatzbeiträgen zur Vermeidung von Rentenabschlägen

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Autor

Stefan Thissen