Gesundheit / 05.09.2017

Ältere anfälliger für Parodontitis

Parodontitis ist eine schleichende Erkrankung im Alter - Sechs von zehn Senioren betroffen

Offenbach/Jena (kjs/ukj). Der Anteil der Senioren, die noch mit ihren eigenen Zähnen im Kiefer kauen, nimmt in Deutschland seit Jahren zu. Statistisch besitzen 65- bis 74-Jährige noch 18 eigene Zähne, so das Ergebnis der fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V). Die Kehrseite dieser Entwicklung: Alte Menschen sind anfälliger für Parodontitis, eine durch Bakterien verursachte Entzündung von Zahnfleisch, Zahnbett und Kiefer, die den Kieferknochen porös macht und bei Nichtbehandlung zum Zahnverlust führt.

Sechs von zehn Senioren sind laut DMS V betroffen, bei jedem Fünften der über 65-Jährigen verläuft die Erkrankung schwer. Eine Herausforderung für die Alterszahnmedizin in Diagnostik, Therapie und Forschung, zumal die Parodontitis auch Auswirkungen auf die Allgemeingesundheit haben kann. Bekannt ist zum Beispiel, dass Parodontitis-Patienten ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte oder Durchblutungsstörungen haben, auch Diabetes und Mundentzündung beeinflussen sich gegenseitig.

Einfallstore für Bakterien

Im Universitätsklinikum Jena (ukj) werden seit dem vergangenen Jahr in der dortigen Sektion für Alterszahnmedizin vor allem Patienten mit schweren Krankheitsverläufen behandelt. Geforscht wird zu den Faktoren, die den Abbau des Kieferknochens begünstigen. Bei Parodontitis sind die mit zunehmendem Alter größer werdenden Räume zwischen Zahnkrone und Zahnfleisch, sogenannte Zahnfleischtaschen, Einfallstore für aggressive Bakterien. Diese dringen tief in das Weichgewebe, den Kiefer und die Zahnwurzel ein. Das Zahnfleisch geht zurück, der Kieferknochen wird porös. Wegen fehlender Schmerzen merken die Betroffenen zunächst oftmals nichts davon, werden mitunter erst durch Zahnfleischbluten auf die Erkrankung aufmerksam. Schließlich lockern sich die Zähne und fallen aus.

Bei fortschreitendem Knochenabbau verlieren Zahnprothesen und Brücken den Halt, Implantate lassen sich ohne vorherigen Knochenaufbau im Kiefer nicht richtig verankern. Deshalb muss erst die Parodontitis behandelt werden, bevor ein Implantat gesetzt werden kann.

Forschungsprojekt zu Einfluss von Übergewicht

In ihrem auf drei Jahre angelegten Parodontitis-Forschungsprojekt geht es dem ukj konkret um den Einfluss von Übergewicht und Fettleibigkeit auf den Knochenstoffwechsel. Übermäßig gespeicherte gesättigte Fettsäuren wie bei Adipositas stehen im Verdacht, die Widerstandskraft des Knochens zu schwächen und so den Kieferknochenabbau bei Zahnfleischentzündungen zu fördern.

Karl-Josef Steden / Universitätsklinikum Jena

 

Autor

Karl-Josef Steden