Rente / 10.01.2019

Ältere Arbeitnehmer brauchen oft Hilfe

DIW-Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung fordert bedarfsgerechte Lösungen für Beschäftigte vor dem Rentenbeginn.

Mann im Büro – Bildnachweis: wdv © Lauer, Jan

Gütersloh (sth). Ältere Arbeitnehmer brauchen trotz der derzeit guten Lage am Arbeitsmarkt auch weiterhin oft Hilfen, um das steigende gesetzliche Rentenalter erreichen zu können. Das geht aus einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung hervor. Einerseits müsse für eine sozialpolitisch verantwortbare Anhebung der Regelaltersgrenze der gesetzlichen Vorgabe eine "entsprechende Arbeitsnachfrage aufseiten der Unternehmer" gegenüberstehen, fordern die DIW-Wissenschaftler. Auf der anderen Seite müssten die Beschäftigten aber gesundheitlich und mit Blick auf ihre familiären Verpflichtungen auch in der Lage sein, eine längere Lebensarbeitszeit tatsächlich umzusetzen.

Neben der Arbeitsmarktlage werde darüber hinaus "relevant sein, wie der vorzeitige Erwerbsaustritt derjenigen sozialverträglich organisiert werden kann, die aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen nicht mehr arbeiten können", heißt es in der Studie. Zwar habe die Bundesregierung die Leistungen der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente (EM-Rente) nach jahrelangem Abwärtskurs in den vergangenen Jahren wieder verbessert, erkennen die Forscher an. Es stelle sich aber jetzt die "zentrale Frage, wie man weiter mit dem Thema umgeht".

Problematisch sei vor allem, dass diejenigen, die eine EM-Rente in Anspruch nehmen müssten, "häufig sehr schlechte erwerbsbiografische Voraussetzungen" mitbrächten. Dazu gehören laut der Studie vor allem lange Krankheiten, Inaktivität und ein geringes Bildungsniveau. "Das deutet darauf hin, dass die Prävention und die Rehabilitation noch stärker ausgebaut werden müssten", schreiben die Berliner Wissenschaftler.

Indirekte Unterstützung für neue Maßnahmen

Indirekt signalisiert das Bertelsmann-Papier Unterstützung für die seit Jahresbeginn von der Bundesregierung eingeleiteten Maßnahmen zum Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit. So sei zu prüfen, "ob die aktuell verfügbaren Instrumente wirksam sind und warum der Abbau der Arbeitslosigkeit so langsam vorangeht", heißt es in der bereits im Vorjahr abgeschlossenen Studie, in der sich die neuen Regelungen noch nicht wiederfinden. Im Dezember 2018 bezogen nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit etwa 700.000 Menschen Arbeitslosengeld, weitere 1,5 Millionen Millionen galten als langzeitarbeitslos.

Als "interessanter Ansatz" gilt den Verfassern der Studie die Anfang 2017 eingeführte Flexirente. Durch sie haben rentenberechtigte Beschäftigte jetzt die Möglichkeit, ab einem Alter von 63 Jahren vorzeitig in Rente zu gehen und dennoch jährlich bis zu 6.300 Euro ohne Abzüge hinzuverdienen zu können. Allerdings erscheine auch die neue Teilrenten-Variante "unnötig kompliziert ... und der Zugang ab dem Alter 63 ist vermutlich zu hoch gewählt". So wollten Beschäftigte in belasteten Berufen wahrscheinlich "schon früher ihre Arbeitszeit reduzieren", schreiben die DIW-Wissenschaftler.

Mehr zum Thema:

www.bertelsmann-stiftung.de

Link zur DIW-Studie "Erwerbstätigkeit am Übergang zwischen der Erwerbs- und Ruhestandsphase" im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung

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Autor

Stefan Thissen