Finanzen / 05.07.2019

Aktiendepot: Rendite versus Risiko

Ein breit gestreutes Investment oder lieber wenig Aktientitel im Depot? Nicht jede Strategie funktioniert für jeden Anleger.

Bild zum Thema Aktiendepot: Rendite versus Risiko. – Börsenkurse an einem Hochhaus

München/Bremen (dpa/tmn). Wer sein Risiko bei Aktienanlagen mindern will, sollte sein Investment möglichst breit streuen. So lautet zumindest eine gängige Empfehlung. Vermögensverwalter Michael Thaler schlägt einen anderen Weg vor. Nach seiner Ansicht reichen sieben Aktientitel im Depot. Doch ist das nicht riskant?

Der Finanzexperte aus dem oberbayerischen Starnberg sieht das nicht so: Bei Aktien von sieben Unternehmen hält er das sogenannte unsystematische Risiko für weit genug eingeschränkt. Vereinfacht gesagt mache es bei einem derartigen Portfolio nichts aus, falls es bei einem der sieben Unternehmen mal schlecht laufe – etwa wenn der Vorstand Mist baue, sagt Thaler.

Das Risiko verteilen auf unterschiedliche Aktien

Dass sieben verschiedene Titel im Depot genügen können, hält auch Jürgen Kurz für möglich. „Es ist aber sehr abhängig davon, was das für Aktien sind“, schränkt der Experte der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) ein. Das Risiko muss gestreut sein, die Aktien sollten also unterschiedliche Branchen und Weltregionen abbilden.

Wie das aussehen könnte, erläutert Thaler. Ein wichtiger Faktor sei die Empfindlichkeit von Unternehmen gegen Konjunkturschwankungen. Man unterscheidet hier zwischen zyklischen und nicht-zyklischen Branchen. Zykliker wie Maschinenbauer profitieren im Aufschwung oft von einem Auftragsplus, ihr Aktienkurs steigt. Bei einer Flaute fällt er wieder. Antizyklische Firmen etwa aus dem Pharma- und Lebensmittelbereich sind diesen Schwankungen weniger stark ausgesetzt. Man sollte eine Mischung von beiden in seinem kleinen Siebener-Portfolio haben, rät Thaler.

Für ein gutes Portfolio braucht man Interesse und Wissen

Wer sich ein ausgewogenes Portfolio mit nur einer guten Handvoll Titel zusammenstellen möchte, braucht dafür laut Kurz eine Strategie, Grundwissen und vor allem Interesse. „Man muss Spaß daran haben und sich damit auseinandersetzen“, sagt der DSW-Experte. Dazu zählt die Fähigkeit, Geschäftsberichte lesen und verstehen zu können. Wer sich für junge Unternehmen interessiere, müsse sich besonders tief in die Materie einarbeiten, da hier das Risiko eines Verlustes höher sei.

Vorsicht mit Start-ups in kleinen Portfolios

Thaler rät nicht dazu, in einem kleinen Portfolio auf Start-ups zu setzen. „Ich würde Unternehmen bevorzugen, die eine gewisse Robustheit aufweisen, also ein Geschäftsmodell, das sich bewährt hat“, sagt er. Idealerweise sei es in mehreren Branchen aktiv.

Aufmerksam Entwicklungen verfolgen

Gemütlich sein Investment laufen lassen und nur alle paar Jahre einmal schauen, wie es sich entwickelt – das ist vielleicht bei einem breit gestreuten Indexfonds (ETF) denkbar, bei Einzeltiteln allerdings kaum ratsam, wie Kurz betont.

Läuft es bei einem Unternehmen gut, kann es sinnvoll sein, Teile dieser Aktien zu verkaufen, um Gewinne mitzunehmen. Läuft es schlecht, muss sich der Anleger entscheiden: aussitzen oder abstoßen? „Da machen viele Leute den Fehler, dass sie zu emotional sind und zu sehr an einer Aktie hängen.“

Langfristig denken und Durchhaltevermögen beweisen

Generell gilt, dass Anleger nicht zu hektisch handeln sollten. „Der Satz ‚Hin und her macht die Taschen leer‘ ist zwar platt, stimmt aber trotzdem“, betont Kurz. Jede Transaktion kostet Geld, das erstmal wieder verdient werden müssen. Wenn es um die Kosten geht, haben Einzeltitel gegenüber Fonds einen Vorteil: Neben den Depotgebühren fallen bei ihnen keine zusätzlichen laufenden Verwaltungskosten an. Letztere können bei aktiv gemanagten Fonds laut Kurz bei 1,5 Prozent jährlich liegen.

Auch das Investment in Einzeltitel sollte eher als langfristige Anlage gedacht werden, sagt Thaler. Mit dieser Form könnten „überdurchschnittliche Renditen“ erzielt werden, aber Anleger brauchen „ein gewisses Durchhaltevermögen“, müssen also gewisse Kursschwankungen auch aussitzen können.

Kleine Portfolios können zu großen Verlusten führen

Kritisch sieht dagegen Verbraucherschützer Thomas Mai ein Portfolio mit nur sieben Akten. „Bei wenigen Aktien hat man das Risiko eines Totalausfalls, etwa durch eine Insolvenz“, sagt der Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen. Selbst eine ordentliche Streuung über die Branchen hinweg schützt nicht zwangsläufig vor großen Verlusten. Hat man beispielsweise in den vergangenen Jahren auf Aktien von Bayer, Commerzbank und E.ON gesetzt, habe man zwar im Pharma-, Banken- und Energiesektor gestreut – und dennoch drei Mal danebengegriffen.

Mit Einzeltiteln zu handeln ist hochgradig spekulativ

Wer etwas Geld auf der hohen Kante und die nötige Zeit hat, um sich mit der Materie zu beschäftigen, könne zwar auf Einzeltitel setzen, gibt der Finanzexperte zu bedenken. Doch da sei man „fast schon ein Trader und hochgradig spekulativ unterwegs. Es muss einem bewusst sein, dass das auch nach hinten losgehen kann.“ Dies sei eher was für Anleger, die neben dem Geld für die Altersvorsorge noch finanziellen Spielraum haben und die Zeit, sich mit der Börse zu beschäftigen. „Viele werden sich das nicht erlauben können.“

Indexfonds sind eine gute Säule der Altersvorsorge

Prinzipiell hält der Verbraucherschützer Investitionen am Aktienmarkt aber für sinnvoll. Wer sich nicht in Details vertiefen und sein Risiko möglichst breit streuen will, könne zum Beispiel auf ETFs setzen. Diese bilden einen bestimmten Index nach. „Da schwimmt man auf den Wellen des Marktes mit“, sagt Mai. Solche Anlagen etwa in ETFs seien eine gute Säule in der Altersvorsorge. Denn: „Wer breit streut, ist immer unter den Gewinnern – zumindest langfristig.“

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 Deutsche Presseagentur – Themendienst