Rente / 22.10.2021

Aktuare begrüßen Ampel-Pläne zur Altersvorsorge

Mathematiker der Lebensversicherungen befürworten mehr Kapitaldeckung in der Rentenversicherung, sehen aber Finanzierungsprobleme.

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Köln (sth). Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV), der Verband der Mathematiker bei Versicherungen und Bausparkassen, begrüßt die Pläne der Ampel-Parteien für mehr Kapitaldeckung in der gesetzlichen Rentenversicherung. Zugleich sehen die Aktuare aber Schwierigkeiten, mit den bisher angekündigten Maßnahmen die im kommenden Jahrzehnt anstehenden Herausforderungen zu bewältigen. Die von den potenziellen Koalitionären geplante Anschubfinanzierung von zehn Milliarden Euro für einen Kapitalstock in der Rentenversicherung könne „die strukturellen Probleme der ersten Säule (die gesetzliche Rentenversicherung, d. Red.) nicht kurzfristig lösen, sondern frühestens in 20 Jahren zu einer gewissen Entlastung des Rentensystems beitragen”, heißt es in einer Mitteilung des Verbands.

Wenn das Rentenniveau ohne eine weitere Erhöhung des Renteneintrittsalters bei mindestens 48 Prozent gehalten werden solle, „dann müssen in erheblichem Maß zusätzliche (Steuer-)Mittel in die Rentenversicherung fließen”, sagte der DAV-Vorstandsvorsitzende Herbert Schneidemann. Hier fehlten bislang aber belastbare Aussagen, wie dies angesichts der derzeitigen Staatsverschuldung und der prognostizierten Kosten des Klimawandels finanziert werden solle. 

Mit Blick auf die von den Ampel-Parteien geplante Schaffung eines öffentlich verantworteten Fonds sind aus Sicht der DAV „noch zahlreiche Fragen offen”. So konzentrierten sich alle bislang bekannten Konzepte nur auf die Ansparphase in der Altersvorsorge und ließen die oft jahrzehntelange Auszahlungsphase außer Acht. „Zudem dürfen die systemischen Risiken eines einzigen billionenschweren Fonds nicht ausgeblendet werden”, sagte Schneidemann. Die Unabhängigkeit eines solchen Fonds müsse durch entsprechende Steuerungskonzepte von Anfang an sichergestellt werden.

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Autor

Stefan Thissen