Soziales / 19.11.2019

Als Bewerber auf Karrieremessen punkten

Gut 200 Jobmessen pro Jahr lassen sich in Deutschland über eine schnelle Online-Suche finden. Lohnt sich der Besuch für Bewerber?

Bild zum Thema Als Bewerber auf Karrieremessen punkten: Junger Mann im Anzug sitzt mit Bewerbermappe an seinem Schreibtisch.

Langenfeld/Düsseldorf (dpa/tmn). Der Lebenslauf liegt ausgedruckt in der Mappe, die Schuhe sind geputzt, und die Motivation ist groß – aber an der Eingangstür der Karrieremesse bekommen viele feuchte Hände. Kein Wunder: Schließlich lernen Besucher dort womöglich ihren neuen Arbeitgeber kennen. Dass so ein Termin – nicht anders als ein Vorstellungsgespräch – also oft für Nervosität und weiche Knie sorgt, ist nachvollziehbar.

Gründliche Vorbereitung ist das A und O

Viele stolpern dabei zu unbedarft in die Messehallen. „Meine Erfahrung ist, dass Bewerber sich um Kopf und Kragen reden“, hat Jobcoach Tanja Herrmann-Hurtzig aus Langenfeld beobachtet. Die Trainerin ist seit 20 Jahren im Personalmanagement tätig und war bereits auf vielen Jobmessen.

Gründliche Vorbereitung ist daher das A und O. Am besten informieren sich Interessierte schon vorab, welche Unternehmen auf der Messe vertreten sein werden und gehen bei der Recherche etwas in die Tiefe. „Wie heißt der Ansprechpartner, wie groß ist das Unternehmen, was sind die Produkte, wie ist der Wettbewerb?“, zählt Herrmann-Hurtzig auf. Wer schon vor der Messe Stellenausschreibungen eines Unternehmens studiert, kann zusätzliche Hinweise auf gewünschte Kompetenzen finden.

Lügen ist bei der Selbstpräsentation Quatsch

Bewerber suchen jedoch nicht immer aus einer Siegerposition heraus nach einer neuen Stelle. Arbeitslosigkeit, Erziehungszeiten, gebrochene Erwerbsbiografien oder Frust im aktuellen Job können bei der Selbstpräsentation hemmen.

„Das ist immer eine Frage der Perspektive“, so Herrmann-Hurtzig. Grundsätzlich gelte: Miesepeter sucht keiner. „Ich würde immer sagen: Welche Erwartungen habe ich an das Unternehmen, was möchte ich gerne in Zukunft machen, damit ich auch meine volle Kapazität einbringen kann?“

Lügen muss dabei niemand, denn Personaler verstehen, dass nicht immer alles im Leben glatt läuft. Besser sei eine positive Haltung zu den eigenen Berufsplänen, so Herrmann-Hurtzig – unterstützt von einer offenen Körpersprache und einem Lächeln im Gesicht. Wer im persönlichen Gespräch unsicher ist, sollte es vorab mit Freunden oder einem Aufnahmegerät üben.

Erste Messestände zum Übungsgespräch nutzen

Es spricht auch nichts dagegen, gleich vor Ort loszulegen. Je öfter man eine Situation durchspielt, desto souveräner wird man. Wer will, kann am Stand eines weniger favorisierten Unternehmens sein erstes Gespräch absolvieren, rät Marc Tenbieg, geschäftsführender Vorstand im Deutschen Mittelstands-Bund (DMB).

Er hat Strategien parat, um dem Unternehmen von Interesse im Gedächtnis zu bleiben: „Ich finde Bewerbungsmappen in Papierform grundsätzlich nicht verkehrt. Die kann ich nicht so verstecken wie einen E-Mail-Ordner.“ Ein USB-Stick mit digitalen Unterlagen könne aber ebenso eingereicht werden.

Karrieremessen sind ein Gewinn für beide Seiten

Karrieremessen sind dabei nicht nur für Bewerber wichtig – sie sind vielmehr ein Gewinn für beide Seiten. Auch für Unternehmen, betont Tenbieg. Sie erfahren einerseits, wer sich für sie interessiert. Am Stand kämen außerdem teils gezieltere Kontakte zustande als bei einer breit gestreuten Online-Anzeige. Bewerber brauchen also nicht zögerlich sein, wenn sie denken, gut zu einem Unternehmen zu passen.

Gehen Bewerber also am Ende eines langen Messetages nicht nur mit Taschen voll Kugelschreibern und Flyern nach Hause, sondern auch mit zahlreichen Job-Angeboten im Gepäck? Wie erfolgversprechend die Messen sind, lässt sich pauschal nicht sagen.

Für Diana Antwerpes vom Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur in Nettetal ist ein Plus von Jobmessen auf jeden Fall, dass es feste Gesprächsslots gibt, die Kandidaten bei den Unternehmen buchen können.

Lockere Atmosphäre beim Business-Frühstück

Auch ein weitgefächertes Rahmenprogramm und Workshops bereichern viele Messen heutzutage. Tenbieg sieht diese flankierenden Events positiv. So schaffe beispielsweise ein Business-Frühstück am Stand eine lockere Atmosphäre.

Wer beim potenziellen neuen Arbeitgeber auf der Messe punkten konnte, sollte den Kontakt festigen. Herrmann-Hurtzig rät, zügig eine E-Mail zu schreiben. Oder Online-Karriereportale zum Netzwerken zu nutzen. Diese organisierten teils eigene Events, die weitere Anknüpfungspunkte bieten.

Selbst bei einer Absage sind noch nicht alle Chancen vertan. Denn Personaler halten sich vor, abgelehnte, aber geeignete Kandidaten zu einem späteren Punkt noch einmal zu kontaktieren. So lässt sich unter Umständen mit einem Telefonat ein passender Kandidat finden. „Der verdeckte Stellenmarkt ist nicht zu unterschätzen“, macht Hermann-Hurtzig Mut.

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 Deutsche Presseagentur – Themendienst