Soziales / 22.02.2019

Am liebsten 35-Stunden-Woche

Auch wenn die Wünsche variieren, würden die meisten Beschäftigten ihre wöchentliche Arbeitszeit gerne um einige Stunden verkürzen.

Junges Paar im Business-Outfit eilt an einer großen Wanduhr vorbei. Bild: gettyimages © ONOKY - Eric Audras

Bad Homburg/Dortmund (kjs/BAuA). Wenn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer den Umfang ihrer Arbeitszeit selbst wählen könnten wünschten sie sich im Durchschnitt eine 35-Stunden-Woche. Dabei ist schon berücksichtigt, dass sich ihr Verdienst entsprechend ändern würde.

Somit liegt die gewünschte wöchentliche Arbeitszeit im Schnitt vier Stunden unter der tatsächlichen. Das ist das Ergebnis einer Arbeitszeitbefragung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA).

Etwa die Hälfte der Beschäftigten möchte ihre Wochenstunden verkürzen (49 Prozent), während 39 Prozent die jetzigen Wochenstunden beibehalten möchten. Dagegen wünschen sich zwölf Prozent eine längere Arbeitszeit als bisher, und zwar um acht Stunden pro Woche. Bei denjenigen, die die wöchentliche Arbeitszeit lieber verkürzen möchten, geht es im Schnitt um neun Wochenstunden.

Betonung auf Gesundheit und Zufriedenheit

Im Fokus der Befragung der BAuA stand, wie diese Arbeitszeitwünsche mit Gesundheit und Zufriedenheit zusammenhängen. So kann eine gute Arbeitszeitgestaltung, die sich an den Wünschen von Beschäftigten orientiert, dabei helfen, die vielfältigen Anforderungen im Arbeits- und Privatleben in Einklang zu bringen.

Dies ist insbesondere in Lebensphasen wichtig, in denen Familienaufgaben wie Kinderbetreuung oder Pflege zentral sind.

Persönliche Verpflichtungen ausschlaggebend

Während sich die meisten Frauen eine Teilzeitstelle mit 20 bis 34 Wochenstunden wünschen, bevorzugen Männer Vollzeitstellen von 40 bis 47 Wochenstunden.

Auch über verschiedene Lebensphasen hinweg offenbaren sich deutliche Geschlechterunterschiede. Frauen würden gern ihre Arbeitszeiten an persönliche Verpflichtungen (Kinder oder Pflegeaufgaben) anpassen. Mit zunehmendem Alter des jüngsten Kindes wünschen sich auch Frauen wieder etwas mehr Wochenstunden.

Dass ihre Arbeitszeitwünsche berücksichtigt werden, spielt jedoch für Männer und Frauen in allen Lebensphasen eine wesentliche Rolle. Entscheidend dabei ist, dass neben der Arbeitszeit auch die Arbeitsbelastung reduziert wird, da nur so eine reale Entlastung möglich wird.

Bemerkenswert ist, dass sich viele Beschäftigte eine Arbeitszeit wünschen, die ihrer vertraglich vereinbarten entspricht.

Wunsch nach mehr Arbeitszeitsouveränität

Tatsächlich haben die meisten Beschäftigten allerdings deutlich weniger Arbeitszeitsouveränität, als sie sich wünschen. Gerade bei Frauen mit kleinen Kindern zeigt sich diese Diskrepanz besonders.

Wenn der tatsächliche Einfluss hinter dem gewünschten zurückbleibt, beeinträchtigt das die Gesundheit und Zufriedenheit von Beschäftigten. Besonders wichtig ist den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, auf Urlaub oder freie Tage oder Stunden sowie auf Arbeitsbeginn oder Arbeitsende Einfluss nehmen zu können. Größerer Einfluss wird mit einem höheren Wohlbefinden verbunden.

Unabhängig von der jeweiligen Lebensphase wünscht sich die Mehrheit der Beschäftigten eine Trennung von Arbeit und Privatleben.

Weitere Informationen

www.baua.de
Zur vollständigen Befragung der BAuA samt Ergebnissen samt Download-Möglichkeit

Autor

Karl-Josef Steden