Finanzen / 23.12.2019

Anlegergemeinschaft: Größte Gefahr bei Banken

Europas Banken leiden unter Niedrigzinsen und Digitalisierung – und mit den Banken deren Aktionäre.

Bild zum Thema Anlegergemeinschaft: Größte Gefahr bei Banken.- – Börsenkurse spiegeln sich an einem Gebäude.

München (dpa). Die Kleinanlegergemeinschaft SdK sieht im kommenden Jahr die größten Probleme bei den Banken. „Das größte Risiko ist bei der Deutschen Bank“, sagte SdK-Vorstandsvorsitzender Daniel Bauer am Freitag in München. Warnzeichen ist nach Einschätzung der SdK die Lage südlich der Alpen: „In Italien ist es schon wieder so weit, dass Banken Hilfe benötigen“, sagte Bauer unter Verweis auf die Rettung der Banca Popolare di Bari, die von der Regierung in Rom vor wenigen Tagen mit einer Kapitalspritze von 900 Millionen Euro vor der Pleite gerettet wurde.

Krise bei der Deutschen Bank würde den Bundeshaushalt bedrohen

„Die Deutsche Bank ist, auch wenn sie in den letzten Jahren deutlich geschrumpft ist, keine große Sparkasse, sie ist systemrelevant“, sagte Bauer. „Wenn die Deutsche Bank als Firmenkundenbank und Privatbank wirklich größere Probleme haben sollte, dann droht auch dem Bundeshaushalt deutlicher Schaden. Dann sprechen wir nicht mehr nur über zehn bis 20 Milliarden Euro, wie es bei der Commerzbank der Fall war.“ Die Aktie der Deutschen Bank hat in den vergangenen Jahren stark an Wert verloren und sich in diesem Jahr bei unter sieben Euro eingependelt.

Zahlungsausfälle bei Mittelstandsanleihen

Gefahren für Kleinanleger sieht die SdK auch in den sogenannten Mittelstandsanleihen – Unternehmensanleihen, die von kleineren Firmen ausgegeben werden und von manchen Anlageberatern auch Privatanlegern empfohlen werden. In der Vergangenheit hätten sich auf diesem Wege viele Firmen Geld beschafft, die auf den üblichen Finanzierungswegen schon keine Mittel mehr bekommen hätten, sagte Bauer. Nach Schätzungen der SdK gab es bei über zwei Drittel der emittierenden Unternehmen Zahlungsausfälle. „Der Markt war die letzten zwei Jahre tot, aber aktuell gibt es wieder einen kleinen Aufwärtstrend.“

SdK: Sprachrohr für 5.000 Privatanleger

In der SdK sind etwa 5.000 Privatanleger organisiert, auf den Hauptversammlungen der großen Konzerne melden sich die Sprecher des Vereins regelmäßig mit kritischen Beiträgen zu Wort. Die SdK kritisiert aber nicht nur Manager, sondern auch die Bundesregierung. Langfristig angelegt – über mehrere Jahrzehnte – seien Aktien keine riskante Anlageform, sagte Bauer. Deswegen sollten Aktien als Altersvorsorge auch staatlich gefördert werden. Viele Bürger wüssten aber viel zu wenig über den Finanzmarkt. „Es gehört dazu, dass man Finanzbildung in der Schule startet.“

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 Deutsche Presseagentur