Gesundheit / 01.09.2017

Anspruch auf Untersuchung

Künftig Screening der Bauchschlagader für Männer ab 65 Jahren

Offenbach/Düsseldorf (kjs/UKD). Männer ab 65 Jahren haben zukünftig einen Anspruch auf eine kostenlose, einmalige Ultraschalluntersuchung der Bauchschlagader. Durch dieses Screening sollen Aneurysmen, also gefährliche Aussackungen, der Hauptschlagader frühzeitig erkannt werden.

Reißt ein solches Aneurysma ein, überleben nur 20 Prozent der Patienten den massiven Blutverlust, der dadurch in kürzester Zeit eintritt. Deutschland ist eines der letzten Länder in Westeuropa, in denen ein solches Programm eingeführt wird. "Das Screening wird Leben retten", ist Prof. Dr. Hubert Schelzig, Direktor der Klinik für Gefäß- und Endovaskularchirurgie am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD), überzeugt.

Männer stärker gefährdet

Männer über 65 erkranken sechsmal häufiger als Frauen an einem Aneurysma der Bauchaorta. Zudem steigt das Erkrankungsrisiko mit dem Alter. Kommen weitere Faktoren hinzu, vor allem das Rauchen oder auch eine familiäre Vorbelastung, erhöht sich das Risiko noch weiter. Das Gefährliche an einem Aneurysma der Bauchschlagader ist zudem, dass es oft sehr spät oder gar nicht entdeckt wird. Meist sind diese Aneurysmen symptomlos. Beschwerden werden als Bauchschmerzen abgetan oder auch als Rückenschmerzen, wenn es etwa auf die Wirbelsäule drückt. Kommt es dann zu einem Riss, im Fachbegriff Ruptur, ist es häufig für einen rettenden Eingriff zu spät.

Pro Jahr werden in Deutschland über 17.000 Menschen gezählt, die an einem Aneurysma der Bauchschlagader rechtzeitig und unter optimalen Bedingungen in der Klinik operiert werden. Experten gehen aber davon aus, dass die Dunkelziffer bei Patienten mit einer tödlichen Ruptur noch höher ist, da nicht alle Fälle erkannt und damit auch nicht erfasst werden.

Schnelles Handeln möglich

Angesichts dieser Zahlen sei der Schritt zu einem Screeninganspruch für gesetzlich krankenversicherte Männer ab 65 Jahren als Hauptrisikogruppe absolut nötig, bekräftigt der Gefäßexperte. Für den Erfolg einen solches Screenings gibt es beeindruckende Zahlen aus anderen Ländern. So wurde beispielsweise in Schweden 2006 mit einem solchen Programm begonnen. Inzwischen konnte dort die Anzahl der tödlichen Verläufe bei Männern über 65 Jahren fast halbiert werden.

Das Screening erfolgt per Ultraschalluntersuchung. Wird dort festgestellt, dass die Bauchschlagader gefährlich erweitert ist, kann schnell gehandelt werden. Dabei kann etwa operativ ein Ersatzgefäß aus Kunststoff in den erkrankten Bereich der Schlagader eingenäht werden. Eine schonende Alternative dazu stellt das minimal-invasive Einbringen einer Stentprothese über einen kleinen Leistenschnitt dar. Hierbei wird die Gefäßprothese unter Röntgenkontrolle exakt an die erforderliche Stelle geschoben und dort entfaltet. So kann auf eine große Operation verzichtet werden.

Start soll 2018 erfolgen

Die Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) für diese Früherkennungsmaßnahme fiel nach Aussage des Gefäßexperten bereits im Jahr 2016. Für 2018 ist nunmehr der offizielle Start des Screeningprogramms bei den Hausärzten geplant.

Autor

Karl-Josef Steden