Rente / 14.10.2019

Arbeitslose und Arme sterben früher als andere

Max-Planck-Institut: Sterblichkeit schlecht verdienender Beschäftigter liegt um 150 Prozent über der von Gutverdienern.

Bild zum Beitrag "Arbeitslose und Arme sterben früher als andere". Das Bild zeigt die Hand eines bettelnden Mannes.

Rostock (sth). Arbeitslose und arme Menschen sterben früher als die Bundesbürger im Durchschnitt. "Arbeitslosigkeit verdoppelt das Sterberisiko", heißt es in einer jetzt veröffentlichten Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR). Noch mehr Einfluss auf die Sterblichkeit habe das Einkommen, vor allem für Männer, ermittelten die Rostocker Forscher. Die Sterblichkeit des am schlechtesten verdienenden Fünftels habe "um 150 Prozent über dem des am besten verdienenden Fünftels" gelegen. Schlechtere Bildung habe das Sterberisiko für Männer hingegen nur um etwa 30 Prozent erhöht, so das MPIDR

Das Sterberisiko steht für die Wahrscheinlichkeit zu sterben – und zwar unabhängig vom Alter. Um die Sterberisiken vergleichbar zu machen, rechneten die Forscher den Einfluss des Alters heraus. So spielt es nach ihren Erkenntnissen etwa keine Rolle, dass Arbeitslose im Durchschnitt älter sind als Menschen mit Job, und schon daher häufiger sterben. Vielmehr sei die Altersstruktur aller Bevölkerungsgruppen statistisch so angeglichen worden, dass alle die gleiche Zusammensetzung hatten. Sterblichkeitsunterschiede seien darum nur noch auf Faktoren wie Arbeitslosigkeit oder Einkommen zurückzuführen.

Ostdeutschland: Achtfaches Sterberisiko für Männer mit niedrigstem Status

Wie extrem der soziale Status – vor allem Einkommen, Arbeitsstatus und Bildung – die Überlebenschancen beeinflusst, zeigt den Wissenschaftlern zufolge die am stärksten benachteiligte Gruppe der Männer im Osten: 14 Prozent zählen hier zur untersten Einkommens- und Bildungsschicht. Diese Gruppe habe im Vergleich zur höchsten Einkommens- und Bildungsschicht "ein mehr als achtmal so hohes Sterberisiko", so das MPIDR. In Westdeutschland sei die am stärksten benachteiligte Gruppe unter den Männern mit rund elf Prozent Bevölkerungsanteil dagegen kleiner und mit einem gut fünfmal so hohen Sterberisiko etwas weniger benachteiligt.

Zumindest für die Männer seien die Sterberisiken im Osten also deutlich ungleicher verteilt als im Westen, heißt es in der Studie. Aber auch im Westen beeinflussen demnach Einkommen und Arbeitslosigkeit das Sterberisiko erheblich. Bei den Frauen seiem die Unterschiede vor allem beim Einkommen zwar weniger stark ausgeprägt. Arbeitslosigkeit und Bildung wögen jedoch "gleich schwer wie bei den Männern", stellten die MPIDR-Forscher fest. Ihre Einsichten in die sozialen Zusammenhänge von Sterberisiken gelangen den MPIDR-Forschern, indem sie Rentenversicherungsdaten von 27 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern auswerteten. Sie fassten anonymisierte Informationen von allen Rentenversicherten in Deutschland zusammen, die im Jahr 2013 zwischen 30 und 59 Jahre alt waren.

Mehr zum Thema:

www.demogr.mpg.de

Weitere Informationen zur Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung über den Zusammenhang von Arbeitslosigkeit, Einkommen und  Sterblichkeit 

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Autor

Stefan Thissen