Soziales / 17.07.2019

Arbeitsplätze auf Stand der 70er

Strukturwandel hat wegfallende Arbeitsplätze in den letzten 40 Jahren weitgehend ausgeglichen – weniger Jobs für Geringqualifizierte

Ein Junger Mann sitzt am Schreibtisch und blickt auf zwei Monitore. Experten gehen davonaus, dass die Digitalisierung nicht dauerhaft Jobs kosten wird.

Nürnberg (kma/iab). Der deutsche Arbeitsmarkt konnte den Strukturwandel seit den 70er Jahren bislang alles in allem ausgleichen. Zu diesem Schluss kommen Forscher des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Demnach sind – auf längere Sicht betrachtet – in dem Maß neue Arbeitsplätze entstanden, wie Arbeitsplätze abgebaut wurden.

Trotz der vermehrten Automatisierung in der Industrie seit den 70er Jahren sei der Arbeitsplatzabbau durch Arbeitsplatzaufbau in anderen Betrieben oder Sektoren ausgeglichen worden. „Technischer Fortschritt hat in Deutschland bislang nicht zu weniger Arbeit geführt, sondern zu einer Umschichtung von Arbeitsplätzen und Arbeitskräften“, schreiben die IAB-Forscher Hermann Gartner und Heiko Stüber.

Mehr Arbeitsplätze für Hochqualifizierte Für Hochqualifizierte seien sogar mehr Arbeitsplätze hinzugekommen als verschwunden, so die IAB-Forscher. Weggefallen seien dagegen Stellen für Geringqualifizierte. Die technologische Entwicklung war demnach also verbunden mit einer qualitativen Veränderung des Bedarfs an Arbeitskräften: Die Nachfrage nach hochqualifizierten Arbeitskräften ist gestiegen, die Nachfrage nach Geringqualifizierten hat abgenommen. Die zunehmend besser ausgebildeten Arbeitskräfte konnten vom Arbeitsmarkt aufgenommen werden. Gleichzeitig wuchs ab den 70er Jahren lange Zeit die Arbeitslosigkeit bei den Geringqualifizierten.

Durch die Computerisierung in den vergangenen 20 Jahren ist der Anteil der Arbeitsplätze, die verloren gingen, nicht angestiegen. Seit 2005 ist er sogar zurückgegangen. „Es gibt also keinen Trend zu einem Turboarbeitsmarkt, denn dann müssten die Auf- und Abbauraten steigen“, erklären Gartner und Stüber.

Prognose: Beschäftigungsniveau wird nicht sinken

Bezogen auf die aktuelle Digitalisierungsdebatte („Wirtschaft 4.0“) erwarten die Forscher, dass auch dieses Mal das Beschäftigungsniveau in Deutschland unterm Strich nicht sinken wird. Das IAB prognostiziert allerdings große Umbrüche: Durch die Digitalisierung werden rund 1,5 Millionen Stellen wegfallen, jedoch in ähnlichem Umfang auch neue entstehen.

„Dass neu entstehende Arbeitsplätze oft ein anderes Anforderungsniveau aufweisen als die weggefallenen Arbeitsplätze, ist mit ein Grund, dass es immer ein bestimmtes Maß an Mismatch-Arbeitslosigkeit gibt“, so die Forscher. Qualifizierung sowie professionelle Beratung und Vermittlung seien deshalb von zentraler Bedeutung, damit die Beschäftigten mit den Herausforderungen der Digitalisierung schritthalten können.

Weitere Informationen:

http://doku.iab.de/kurzber/2019/kb1319.pdf

Die Studie zum Herunterladen auf der Internetseite des IAB (als PDF)

 

 

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Autor

Katja Mathes