Gesundheit / 29.06.2018

Arzt haftet nicht bei ungewollter Schwangerschaft

Frau wird schwanger und verklagt Arzt – weil sie sich nicht umfassend informiert fühlte.

Bad Homburg (kjs). Ein Gynäkologe muss nicht für die ungewollte Schwangerschaft haften, wenn er der Patientin vorher ein sicheres Verhütungsmittel empfohlen hat. Das hat der 26. Zivilsenat des Oberlandesgerichts (OLG) Hamm am 23.02.2018 entschieden (Az.: 26 U 91/17). Das Urteil des OLG Hamm ist noch nicht rechtskräftig, da die Klägerin Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof eingelegt hat.

Wegen ihres niedrigen Hormonwertes (Anti-Müller-Hormon-Wert – AMH – von weniger als 0,1) hatte eine Frau auf Empfängnisverhütung verzichtet – obwohl der Arzt sie darauf hingewiesen hatte, dass die Aussagekraft des Wertes begrenzt ist und ihr deshalb ein weiteres Verhüthütungsmittel empfohlen hatte. In der Folge wurde sie erneut schwanger. Von dem behandelnden Gynäkologen verlangte sie deshalb aufgrund der ungewollten Schwangerschaft Schadensersatz in Höhe von 50.000 Euro und Ersatz von Unterhaltsschäden bis zur Volljährigkeit des Kindes. 

Die Schadensersatzklage hatte keinen Erfolg. Ebenso wie die Vorinstanz konnte auch das OLG keine fehlerhafte Behandlung der Klägerin durch die beklagten Gynäkologen feststellen. Über die Aussagekraft des AMH-Wertes sei die Klägerin nicht falsch informiert worden, so der Senat. Ausweislich der glaubhaften Aufzeichnungen in den Behandlungsunterlagen (Patientenakte) der Beklagten sei die Klägerin beim ersten Gespräch auf die Unsicherheit des AMH-Tests und die Notwendigkeit weiterer Verhütung hingewiesen worden. Diese Aufklärung sei ausreichend gewesen. Die Entscheidung, ob sie weiterhin Verhütung betreiben oder diese unterlassen wolle, habe allein die Klägerin zu treffen gehabt. Es sei daher ihre Sache gewesen, dem behandelnden Gynäkologen von sich aus gegebenenfalls weitere Fragen zu stellen.

Autor

Karl-Josef Steden