Rente / 20.07.2021

Auch Ältere finden neue Jobs – aber häufiger in Teilzeit

IAQ-Studie: Über 55-Jährige tun sich auf dem Arbeitsmarkt weiter oft schwer. Geringe Einstellungsraten könnten auf stabile Beschäftigung hinweisen.

Bild zum Beitrag "Auch Ältere finden neue Jobs – aber häufiger in Teilzeit". Das Bild zeigt eine Ingenieurin, die eine Maschine wartet.

Duisburg/Essen (iaq/sth). Die Zahl der Neueinstellungen von Älteren ist in den letzten Jahren weiter gestiegen. Während noch im Jahr 2010 bereits 50-Jährige die „altersbedingt schlechten Chancen auf dem Arbeitsmarkt“ fürchten mussten, hat sich das zehn Jahre später nach hinten verschoben: Es beginnt nun erst ab ca. 55 Jahren. Das zeigen aktuelle Ergebnisse des Altersübergangs-Monitors, mit dem das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung regelmäßig Daten zum Übergang von der Erwerbs- in die Ruhestandsphase zusammenträgt und analysiert.

Im neuen Altersübergangs-Report haben Susanne Drescher und Prof. Martin Brussig die Entwicklung der Neueinstellungen in der späten Erwerbsphase für den Zeitraum 2010 bis 2020 untersucht. Die steigende Zahl von Neueinstellungen Älterer relativiert sich demnach beim Vergleich mit Jüngeren und mit bestehenden Beschäftigungsverhältnissen: Die Einstellungsraten der Älteren bleiben niedrig und haben sich zudem seit 2010 kaum verändert. Denn es kämen "zwar mehr Ältere wieder in Arbeit, gleichzeitig hat sich aber die Beschäftigung Älterer insgesamt ausgeweitet", stellen Drescher und Brussig fest. 

Neueinstellungen in Teilzeit nehmen zu

Dennoch seien "nicht alle Älteren gleichermaßen von den alterstypisch schwächeren Einstellungschancen betroffen", heißt es in der IAQ-Studie. Zwar hätten insbesondere Frauen aus den alten Bundesländern schlechte Karten für einen neuen Job. Einen bemerkenswerten Wandel stellten Drescher und Brussig jedoch bei den Arbeitszeiten fest: "Die Neueinstellungen in Teilzeit nehmen zu, wobei sich diese nicht allein auf Frauen beschränken, sondern sich auch unter den Männern ausweiten."

Die niedrigeren Berufseintrittsraten der Älteren sollten "nicht per se als Zeichen von Altersdiskrimi- nierung oder einer schlechten Arbeitsmarktposition gewertet werden", schreiben Drescher und Brussig. Denn es sei zu vermuten, "dass die Eintrittsraten der Älteren insbesondere dort niedrig sind, wo zumindest die bestehenden Beschäftigungsverhältnisse stabil sind". Häufige Neueinstellungen könnten also auch ein "Indikator für instabile Beschäftigungsverhältnisse" sein.

Zwischen den Branchen blieben aber Unterschiede bestehen – "wobei sich die Einstellungsraten der Jüngeren und Älteren innerhalb der Branchen zum Teil stark verändern", heißt es in der IAQ-Studie. Dabei würden ältere Personen besonders in solchen Branchen eingestellt, in denen zugleich auch viele Jüngere in neue Beschäftigungsverhältnisse gekommen seien. Dies betreffe insbesondere Information und Kommunikation, Gastgewerbe und sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen, stellt der Altersübergangs-Monitor fest.

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Autor

Stefan Thissen