Rente / 12.02.2021

„Auch Altersvorsorge kann nachhaltig sein“

Experten und Verbraucherschützer fordern Politik und Produktanbieter zu nachvollziehbaren und messbaren Kriterien auf.

Bild zum Beitrag "". Das Bild zeigt einen Mann und eine Frau, die gemeinsam auf einen Laptop und Finanzgrafiken schauen.

Berlin (sth). Private Altersvorsorge kann auch nachhaltig sein. Die Umsetzung dieses Anspruchs an Vorsorgeprodukte von Banken und Versicherungen scheitert bisher aber am mangelnden Willen in der Politik sowie unterschiedlichen Vorstellungen und vielen Unsicherheiten bei den Anbietern. Das wurde am Donnerstag bei einer virtuellen Podiumsdiskussion von Fachleuten aus Wissenschaft, Verbraucherzentralen und Versicherungswirtschaft bei der Jahrestagung des renommierten Forschungnetzwerks Alterssicherung (FNA) deutlich.

„In der Politik ist eine Entscheidungsvermeidung bei den ESG-Kriterien (ESG = Environmental, Social, Governance, d. Red.) festzustellen“, erklärte der Bamberger Wirtschaftswissenschaftler Andreas Oehler. Generell ließen sich kapitalgedeckte Altersvorsorgeprodukte durchaus nachhaltig gestalten. Allerdings seien viele Produktinformationen auf diesem Markt bis heute „mangelhaft“, sagte Oehler. So sei es „fast unmöglich, sich bei Altersvorsorgeprodukten transparent über ESG zu informieren“. Auf diesem Feld müsse die Politik „ihre Hausaufgaben machen“, forderte der auch im Verbraucherschutz aktive Ökonom. Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen ergänzte Oehlers Votum mit der Forderung, die Politik müsse den Anbietern von Altersvorsorgeprodukten in Fragen der Nachhaltigkeit „endlich die Daumenschrauben anlegen“.

Versicherer verunsichert

Das bisher kleine Angebot an nachhaltigen Versicherungsprodukten begründete die Nachhaltigkeitsexpertin beim Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV), Michaela Willert, mit „vielen Unsicherheiten“ bei den Anbietern. Viele Versicherungsgesellschaften seien hier „zurückhaltend, um sich nicht ungerechtfertigten Vorwürfen auszusetzen“. So sei es unklar, ob selbst die Anlage in deutsche Staatsanleihen nachhaltig sei, so Willert. Bis spätestens 2050 wollten die Versicherer ihre Kapitalanlagen durchwegs nachhaltig gestalten – „wenn möglich aber auch deutlich früher“.

Ein Problem bei der Festlegung von allgemein anerkannten Nachhaltigkeitskriterien für Altersvorsorgeprodukte seien auch die international tätigen Ratingagenturen, sagte Wirtschaftswissenschaftler Oehler. So kämen die Agenturen bei der Bestimmung der Nachhaltigkeit von Anlagemöglichkeiten teilweise „zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen“. Diesen Eindruck bestätigte die Hamburger Wirtschaftssoziologin Lisa Knoll. Inzwischen gebe es jedoch auf der Ebene der Europäischen Union (EU) bei den Kriterien und der Messbarkeit von Nachhaltigkeit „Bestrebungen zu mehr Einheitlichkeit“. 

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Autor

Stefan Thissen