Gesundheit / 12.03.2018

Auf Zeckenstiche achten

Sie beginnt wieder langsam: die Zeckenzeit. Wer sich viel im freien Aufhält, sollte daher auf den richtigen Schutz und typische Anzeichen eines Stiches achten.

Bad Homburg (kjs/ams/mgw). Wenn es wieder wärmer wird, krabbeln sie aus dem Boden. Sie hocken auf einem Grashalm, im Laub oder Gebüsch und warten auf ihre Opfer. Die Rede ist von Zecken oder vom "gemeinen Holzbock", die häufigste Zeckenart in Europa. Manche Menschen geraten in Panik, wenn sie einen Zeckenstich an ihrem Körper entdecken. Denn die Spinnentiere können zwei Krankheiten übertragen: die Borreliose, durch Bakterien verursacht, und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die durch Viren hervorgerufen wird.

Infektionen können gefährlich werden

Meistens bleibt ein Zeckenstich ohne gesundheitliche Folgen, da viele Zecken nicht infiziert sind und nicht jeder Stich einer befallenen Zecke zur Ansteckung führt, erklärt der AOK-Medienservice ams. Dennoch können beide Infektionen gefährlich werden. Etwa jede dritte bis jede zwanzigste Zecke in Deutschland ist mit Borrelien befallen. Im Unterschied zur FSME gibt es keine speziellen Risikogebiete, sondern infizierte Zecken kommen in allen Regionen vor. Deshalb tritt die Borreliose auch deutlich häufiger auf als die FSME. Es infizieren sich etwa einer bis sechs von 100 Gestochenen. Nach Schätzungen erkranken pro Jahr etwa 60.000 bis 100.000 Personen.

Typisches Zeichen ist eine ringförmige Hautrötung rund um den Zeckenstich, die sich über Tage langsam nach außen verbreitet. Diese sogenannte Wanderröte ist nicht zu verwechseln mit der bei fast jedem Stich auftretenden kleinen Rötung, die meistens wie ein Mückenstich etwas juckt. Die Wanderröte entwickelt sich manchmal erst einige Tage bis Wochen nach einem Stich, ist in der Regel innen blasser als am Rand und muss nicht unbedingt an der Einstichstelle, sondern kann auch an anderen Körperstellen auftreten. Möglicherweise treten auch grippeähnliche Beschwerden hinzu, wie Fieber, Muskel- oder Kopfschmerzen. Auch das kann erst einige Wochen nach dem Zeckenstich passieren und muss nicht notwendigerweise von einer Wanderröte begleitet sein. Mit solchen Symptomen sollte man zum Arzt gehen.

Impfempfehlung und Risikogebiete

Impfung Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine FSME-Impfung für folgende Personen:

  • Personen, die in Risikogebieten wohnen oder arbeiten und dabei ein Risiko für Zeckenstiche haben
  • Personen, die sich aus anderen Gründen in Risikogebieten aufhalten und dabei gegenüber Zecken exponiert sind
  • Personen, die beruflich durch FSME gefährdet sind, wie Forstarbeiter

Die Gesetzlichen Krankenkassen übernehmen dann die Kosten, im Zweifelsfall sollte man vorher nachfragen.

Es gibt verschiedene Risikogebiete in Europa:

  • Deutschland: vor allem Baden-Württemberg, Bayern, Südhessen und südöstliches Thüringen
  • Europa: vor allem in Tschechien und Österreich sowie in großen Teilen der Schweiz und Polens

Impfung nur für Frühsommer-Meningoenzephalitis

In der Regel wird eine Borreliose mit Antibiotika behandelt. Unbehandelt kann es Wochen später zum Befall von Gelenken und Muskeln kommen. Lähmungen der Gesichtsmuskeln und Schwellungen von Lymphknoten sind möglich, ebenso eine Entzündung des Herzens.

Schutz vor der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) bietet eine Impfung. Doch das Risiko einer FSME-Infektion ist wesentlich kleiner, als eine Borreliose zu bekommen. Denn Zecken, die FSME-Viren tragen, kommen vorwiegend nur in bestimmten Regionen vor, vor allem in Baden-Württemberg und Bayern. In Norddeutschland gibt es dagegen kaum infizierte Zecken. Auch in den Risikogebieten selbst ist die Infektionsgefahr relativ gering. Im Jahr 2016 wurden 348 Erkrankungen gemeldet, berichtet das Robert Koch-Institut.

Ein vollständiger Schutz ist erst nach drei Impfungen gegeben:

  • nach zwei bis zwölf Wochen zweite Impfung
  • nach neun bis zwölf Monaten dritte Impfung (für Eilige: Wiederholung der Impfung nach sieben bis 21 Tagen, hält dann für ein Jahr)
  • Wiederauffrischung nach drei bis fünf Jahren

Zecken richtig entfernen

Auch wenn eine Zecke sich schon in der Haut festgebissen hat, ist es noch nicht zu spät: Weil die Borrelien im Darm der Zecke leben und nicht im Speichel, übertragen sie sich, wenn überhaupt, erst nach längerem Saugen. Wenn man den Körper gleich nach dem Aufenthalt im Freien absucht und mögliche Zecken sofort entfernt, kann man sich wirksam vor einer Borreliose schützen.

Beim Entfernen sollte folgendes beachtet werden:

  • Keinen Druck auf den vollgesogenen Körper der Zecke ausüben, damit nicht noch mehr Erreger aus der Zecke in den Körper gepresst werden.
  • Die Zecke möglichst zwischen Hautoberfläche und Kopf fassen – am besten mit einem speziellen Hilfsmittel: Zeckenpinzette, Zeckenkarte oder Zeckenhaken. Sie lassen sich zwischen Zecke und Haut schieben, ohne die Zecke zu zerquetschen. (Zur Not mit den Fingernägeln, aber nicht mit den Fingern zusammendrücken!)
  • Möglichst langsam und gerade herausziehen.
  • Zecke keinesfalls mit Öl, Klebstoff oder Nagellack beträufeln. Das erhöht das Risiko einer Übertragung von Erregern.
  • Wunde abschließend wenn möglich desinfizieren.

Zeckenstich möglichst ganz vermeiden

Weil eine Impfung nur gegen FSME möglich ist, nicht aber gegen Borreliose, sollte ein Zeckenstich möglichst ganz vermieden werden. Da sich die kleinen Blutsauger vor allem im Gras, in feuchtem Laub und Unterholz aufhalten, heißt es: Bei Spaziergängen möglichst auf festen Wegen bleiben. Bei Wanderungen durchs Gebüsch besser feste Schuhe, lange Hosen und lange Ärmel tragen und die Hosenbeine in die Socken stecken. Auch Zeckensprays, sogenannte Repellents, bieten einen gewissen Schutz. "Das Spray sollte man nicht nur auf die Haut, sondern auch auf die Kleidung auftragen, wenn es keine Flecken macht", rät der AOK-Medienservice ams. Die Wirkung lässt allerdings nach etwa zwei Stunden wieder nach, deshalb ist es wichtig, bei längeren Wanderungen mehrmals zu sprühen.

Auch Haustiere sollten mit Zeckenhalsband oder anderen Präparaten zur Zeckenabwehr versorgt werden. Weil Zecken erst einmal eine bis mehrere Stunden auf dem Körper herumkrabbeln, um eine geschützte Stelle (zum Beispiel Achseln, Haaransatz oder Bauchnabel) zu finden, ist es ratsam, gleich nach dem Ausflug ins Grüne den ganzen Körper nach den winzigen Spinnentieren abzusuchen.

Karl-Josef Steden / AOK-Medienservice

Autor

Karl-Josef Steden