Finanzen / 03.07.2020

Aufschwung bei Existenzgründungen

2019 machten sich wieder mehr Menschen selbstständig. 2020 könnte der Trend anhalten – aber womöglich aus anderen Gründen.

Mann steht in einem Büro mit Tattoo am Arm hält ein Smartphone in der Hand.

Frankfurt/Main (dpa). Die Gründerszene in Deutschland hat erstmals seit Jahren wieder Auftrieb – doch die Corona-Krise könnte den positiven Trend schon 2020 wieder umkehren. „Ich erwarte, dass Gründungspläne unter dem Eindruck der aktuell existenzbedrohenden Lage vieler Selbstständiger teilweise verschoben werden“, sagte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib bei der Vorstellung aktueller Zahlen der staatlichen Förderbank am Donnerstag in Frankfurt.

Im vergangenen Jahr machten sich demnach 605.000 Menschen hierzulande selbstständig und damit 58.000 mehr als ein Jahr zuvor. Dabei blieb die Zahl der Gründerinnen mit 215.000 fast unverändert, während es bei Männern nach vier Jahren mit rückläufigen Zahlen 2019 wieder mehr Existenzgründer gab: Ihre Zahl legte um 59.000 auf 390.000 zu.

Selbstständigkeit aus der Not heraus

„Der Ausblick für das Gründungsjahr 2020 war positiv, doch die Corona-Pandemie belastet“, führte Köhler-Geib aus. Vier von zehn Planungen würden angesichts der unsicheren wirtschaftlichen Lage verschoben. „Was mich ermutigt: Es gibt immer noch sechs von zehn Gründenden, die an ihrem Plan festhalten“.

Ein weiterer Effekt: Steigende Arbeitslosenzahlen dürften dazu führen, dass mehr Menschen aus der Not heraus den Schritt in ein eigenes Unternehmen wagen. „Vielleicht überwiegt dieser Effekt, so dass wir in den nächsten Monaten sogar etwas mehr Gründungen sehen werden. Aber das ist bisher noch Spekulation“, sagte Köhler-Geib.

Zuwachs vor allem bei Nebenerwerbsgründungen

Im vergangenen Jahr wurde die Entwicklung allein von einem deutlichen Plus bei Nebenerwerbsgründungen getrieben. Diese legten um 85.000 auf 377.000 zu. Dagegen ging es bei den Gründungen, mit denen Menschen vollständig ihren Lebensunterhalt verdienen, weiter abwärts auf einen neuen Tiefpunkt von 228.000 – ein Minus bei den sogenannten Vollerwerbsgründungen von 27.000 zum Vorjahr.

„Der Anstieg der Gründerzahl im Jahr 2019 ist vorerst (...) nur eine Momentaufnahme vor dem Hintergrund einer seit Jahren sinkenden Gründungstätigkeit in Deutschland“, schreiben die KfW-Ökonomen. Vor allem die lange sehr gute Lage auf dem Arbeitsmarkt bremste das Interesse an einer Selbstständigkeit. Zudem machen die Experten „schwindenden Gründergeist“ aus: Der Wunsch nach beruflicher Selbstständigkeit habe tendenziell abgenommen – nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Ländern.

Autor

 Deutsche Presseagentur