Finanzen / 27.12.2018

Ausblick unter Vorbehalt

Die Wirtschaft geht mit gebremster Zuversicht ins neue Jahr. Zwar rechnen viele Unternehmen mit besseren Geschäften. Aber die Unsicherheit wächst.

EZB Frankfurt – Bildnachweis: istockphoto.com © Anastazzo

Köln/Berlin (dpa) Internationale Handelskonflikte und eingetrübte Konjunkturaussichten bremsen die Zuversicht der deutschen Unternehmen. Laut einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) beurteilen 21 von 48 Wirtschaftsverbänden die gegenwärtige Lage schlechter als im Vorjahr. Im vergangenen Jahr waren es zum Jahreswechsel nur zwei.

Vor allem in exportorientierten Industrieunternehmen ist die Skepsis gewachsen. Die Bauwirtschaft und konsumnahe Branchen wie das Gastgewerbe profitierten dagegen von der robusten Konjunktur im Inland. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag berichtete von wachsenden Sorgen der Unternehmen.

Nach Einschätzung von IW-Chef Michael Hüther ist in der Weltwirtschaft "zunehmend Sand im Getriebe. Dafür sorgen die Konflikte zwischen den USA und China sowie die Zweifel, die US-Präsident Donald Trump an der multilateralen Ordnung säht", sagte der Direktor des arbeitgebernahen IW der Deutschen Presse-Agentur.

Mit weniger Schwung ins neue Jahr

Insgesamt rechnen 28 Verbände mit steigender Produktion. Zum Jahreswechsel 2017/2018 waren es noch 33. Die Zahl der Verbände mit schlechteren Geschäftsperspektiven stieg von zwei auf zehn. Weitere zehn rechnen mit dem gleichen Produktions- oder Umsatzniveau. Alles in allem stellten die Optimisten immer noch eine deutliche Mehrheit. Die deutsche Wirtschaft werde auf Wachstumskurs bleiben. "Der Schwung dürfte jedoch spürbar niedriger ausfallen als in diesem Jahr."

Auch die Metall- und Elektroindustrie stellt sich für 2019 auf Zuwächse bei Produktion und Arbeitsplätzen ein - allerdings mit gebremsten Tempo. "Wir rechnen mit einem leichten Rückgang des Wachstums auf 1,5 Prozent im nächsten Jahr", sagte der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Rainer Dulger, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Das ist eine Abkühlung, aber mehr noch nicht." Für dieses Jahr erwartet Gesamtmetall einen Produktionsanstieg von real 2,0 bis 2,5 Prozent. "Die Beschäftigung wächst nach wie vor. Es sind noch viele offene Stellen da», sagte Dulger.

Auch IG-Metall-Chef Jörg Hofmann sieht kurzfristig keine größeren konjunkturellen Probleme auf die deutsche Metall- und Elektroindustrie zukommen. Die ökonomischen Grunddaten seien alle positiv gestellt, es gebe aber erhebliche externe Risiken wie den Brexit, den Handelskonflikt zwischen USA und China oder die Unsicherheiten um die Stabilität der Europäischen Union.

Beschäftigung auf Rekordkurs

Die ohnehin schon gute Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt wird sich nach Einschätzung des IW weiter verbessern. Bauwirtschaft und Handwerk wollten zusätzliche Mitarbeiter einstellen. Auch Auto- und Maschinenbauer sowie Speditionen planten mit mehr Beschäftigten. Einen Stellenabbau dürfte es hingegen in der Finanz- und Versicherungswirtschaft geben. "Alles in allem wird die Beschäftigung in Deutschland im Jahr 2019 einen neuen Rekordwert anpeilen."

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erwartet, dass 500 000 zusätzliche Stellen geschaffen werden. Das sei ein nicht mehr ganz so hoher Zuwachs wie in den Vorjahren, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer der dpa. "Wir rechnen mit einem schwächeren Wachstum." Das Weltwirtschaftsklima kühle sich ab. "Die Sorgen der Unternehmen werden größer. Die akute Gefahr einer Rezession sehen wir nicht, die Luft wird aber dünner", sagte Schweitzer. "Ich glaube, wir hatten selten wirtschaftlich so viel Unsicherheit wie zurzeit: Brexit, Handelsstreitigkeiten, instabile Lage in Italien oder der Türkei, Konflikte im Nahen Osten, drohende Autozölle der USA." Der alles überragende Handelskonflikt aber sei der zwischen den USA und China.

Von Friederike Marx, dpa

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 Deutsche Presseagentur