Rente / 14.11.2018

Ausländer im Alter oft armutsgefährdet

Studie: Rentenansprüche hängen stark vom Alter bei Zuwanderung sowie von Verträgen zwischen den Herkunftsländern und Deutschland ab.

Bad Homburg (sth). Ein erheblicher Teil der Zuwanderer, die auch im Alter in Deutschland wohnen, ist stärker armutsgefährdet als rentenversicherte Bundesbürger. Das geht aus einer jetzt veröffentlichten und vom Forschungsnetzwerk Alterssicherung (FNA) der Deutschen Rentenversicherung (DRV) geförderten Studie der Göttinger Soziologin Janina Söhn hervor. Zwar hätten auch von den ausländischen Rentnern etwa 84 Prozent im Alter Anspruch auf eine gesetzliche Rente der DRV, heißt es in der Studie. Im Gegensatz zu deutschen Beschäftigten, die oft über weitere Alterseinkünfte verfügten, hätten Zuwanderer aber "nur sehr selten" andere Einkommensquellen.

Die Folge von unzureichend langen Versicherungszeiten, teils unterdurchschnittlich qualifizierten Berufen und niedrigen Einkommen im Erwerbsalter sowie häufigeren Phasen der Arbeitslosigkeit: Zuwanderer lebten mit einem "Anteil von 56 Prozent exorbitant häufig in armutsgefährdeten Haushalten", schreibt die Göttinger Wissenschaftlerin. Zudem erhielten sie "mit einem Anteil von 42,1 Prozent auch sehr häufig bedarfsgeprüfte Sozialleistungen wie Grundsicherung im Alter". Hätten die Betroffenen wegen fehlender Versicherungszeiten im Alter keinen Anspruch auf eine gesetzliche Rente, ist dies nach Angaben der Studie ein "finanzieller Risikofaktor".         

Zu kurze Versicherungszeiten und Teilzeitarbeit

Hauptursache der oft deutlich niedrigeren Renten von Zuwanderern sind laut Söhn die "migrationsbedingt längeren Zeiten ohne Beitragszahlungen" an die hiesige Rentenversicherung. Für diejenigen, die schon im Alter von 20 bis 30 Jahren nach Deutschland kamen, sei darüber hinaus die Erwerbsbiografie mit entsprechenden Versicherungszeiten "sehr wichtig für die erzielte Rentenhöhe", stellt die Forscherin fest. So seien Zugewanderte im Teilzeitarbeitsmarkt mit niedrigen Gehältern überrepräsentiert gewesen, zudem war das Arbeitslosigkeitsrisiko in dieser Gruppe überdurchschnittlich hoch. Schließlich sei ein Teil der zugewanderten Frauen – oft aus Staaten ohne Abkommen mit Deutschland – wegen fehlender Ausbildung in der Erwerbsphase kaum auf dem deutschen Arbeitsmarkt in Erscheinung getreten und bekämen deshalb im Alter höchstens eine sehr niedrige Rente, schreibt Söhn.

Besser abgesichert sind der Studie zufolge zum einen (Spät-)Aussiedler, die vom sogenannten Fremdrentengesetz profitieren. Dieses Gesetz stellt Beschäftigungszeiten von Zuwanderern mit deutschen Wurzeln, die vor der Wende in den osteuropäischen Ländern gearbeitet haben, weitgehend mit hierzulande ausgeübten Tätigkeiten gleich. Dadurch kommen sie – trotz einer späteren Einschränkung ihrer Rentenansprüche – im Alter auf vergleichsweise höhere Renten als andere Ausländer. Auch Migranten aus Ländern, mit denen Deutschland durch das Europarecht oder Sozialversicherungsabkommen verbunden sind, kommen nach Erkenntnissen Söhns teilweise auf höhere Renten als Rentner aus anderen Ländern.

Eine Einschränkung gilt dabei nach Angaben der Wissenschaftlerin jedoch für Zuwanderer aus der Türkei und den Nachfolgestaaten des früheren Jugoslawien: Viele frühere Arbeitnehmer aus diesen Ländern erreichen mit ihrer gesetzlichen Altersrente nicht das Existenzminimum und sind vor der Altersgrenze überdurchschnittlich oft erwerbsgemindert. 

Mehr zum Thema:

www.fna-rv.de

Link zur Studie "Migration: Erwerbsverläufe und Rentenansprüche von Zugewanderten bei der gesetzlichen Rentenversicherung"

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Autor

Stefan Thissen