Rente / 28.03.2019

Bald fünf Millionen Rentner steuerpflichtig

Ab der Jahresmitte müssen etwa 48.000 Bezieher gesetzlicher Ruhestandsbezüge mehr als bisher Zahlungen ans Finanzamt abführen.

Steuererklärung ausfüllen – Bildnachweis: gettyimages.de © Yo

Mann füllt seine Steuererklärung aus

Bad Homburg (sth). Die Rentenerhöhung zum 1. Juli um 3,18 Prozent in den alten und 3,91 Prozent in den neuen Ländern führt dazu, dass künftig knapp fünf Millionen Rentnerinnen und Rentner steuerpflichtig sind. Etwa 48.000 Senioren werden wegen der Rentenanpassung in diesem Jahr erstmals Zahlungen ans Finanzamt abführen müssen. Dadurch steigt das Steueraufkommen von Rentnerinnen und Rentnern in diesem Jahr um 410 Millionen Euro. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des Linken-Rentenexperten Matthias W. Birkwald hervor. Seit Beginn der schrittweise eingeführten nachgelagerten Besteuerung im Jahr 2005 habe sich die Zahl steuerbelasteter Rentnerinnen und Rentner damit "beinahe verdoppelt", so die Regierung.

Alleinstehende Neurentner ohne weitere Einkünfte aus zusätzlicher Altersvorsorge, Vermietung oder Verpachtung werden laut aktuellen Angaben des Bundesfinanzministeriums steuerpflichtig, wenn ihre Bruttorente derzeit 1.125 Euro übersteigt. Ab Juli dieses Jahres steigt diese Grenze demnach wegen der Rentenerhöhung auf 1.168 Euro. Für verheiratete Rentnerpaare gelten die doppelten Beträge. Der Besteuerungsanteil für Neurentnerinnen und Neurentner dieses Jahres liegt bei 78 Prozent. Er steigt bis 2040 schrittweise auf 100 Prozent. Früher in Rente gegangene Senioren müssen – je nach Jahr ihres Rentenbeginns – zwischen 50 Prozent (Rentenbeginn 2005 oder früher) und 76 Prozent (Rentenbeginn im Jahr 2018) ihres Einkommens versteuern.

Besteuerung der rentenversicherter Arbeitnehmer sinkt

Hintergrund der steigenden Rentenbesteuerung ist eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts von 2002. Demnach dürfen Renten nicht günstiger besteuert werden als die Pensionen von Beamtinnen und Beamten. Diese Entscheidung führte zur Entwicklung des sogenannten Alterseinkünftegesetzes, das 2005 in Kraft trat. Seither werden die 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner steuerlich schrittweise stärker belastet, während die rund 33 Millionen rentenversicherten Arbeitnehmer und Selbstständigen ebenfalls schrittweise entlastet werden.

"Alterseinkünfte werden erst dann versteuert, wenn sie an den Steuerpflichtigen ausgezahlt werden - also im Ruhestand; in der Regel mit einem geringeren Steuersatz als in der Erwerbsphase", heißt es dazu seitens des Bundesfinanzministeriums. "Die Beiträge zur Altersvorsorge bleiben in der Erwerbsphase bis zu einem jährlichen Höchstbetrag unversteuert und bieten damit einen Anreiz für die private Altersvorsorge." Zudem steigt der steuerlich absetzbare Anteil der Beiträge zur Altersvorsorge von 60 Prozent 2005 bis auf 100 Prozent im Jahr 2025. 

Mehr zum Thema:

www.bundesfinanzministerium.de

Link zu aktuellen Informationen des Bundesfinanzministeriums zur Besteuerung der Renten

www.deutsche-rentenversicherung.de

Link zur Broschüre der Deutschen Rentenversicherung zur Besteuerung von Beiträgen und Renten

www.ihre-vorsorge.de

Weitere Informationen zum Thema

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Autor

Stefan Thissen