Finanzen / 29.05.2019

Banken sollen Reserve für Konjunktureinbruch aufbauen

Das Kreditwachstum ist stärker als das Wirtschaftswachstum – das kann bei einem Abschwung zu Risiken führen. Die Banken sollten vorsorgen.

Bild zum Thema Banken sollen Reserve für Konjunktureinbruch aufbauen: Ein offener Wandsafe mit Geldscheinen darin

Berlin (dpa). Banken in Deutschland sollen sich mit einem zusätzlichen milliardenschweren Finanzpolster für einen möglichen Konjunktureinbruch wappnen. Das kündigte die Finanzaufsicht Bafin am Montag in Berlin an. Sie will eine entsprechende Empfehlung des Ausschusses für Finanzstabilität umsetzen, voraussichtlich ab 1. Juli. Bafin-Chef Felix Hufeld sagte, die Banken sollten in guten Zeiten Reservepolster aufbauen, um für schlechte Zeiten vorbereitet zu sein. Die deutsche Kreditwirtschaft sprach von einer Entscheidung „zur Unzeit“.

Es ist gefährlich, wenn Kredite stärker wachsen als die Wirtschaft

Konkret geht es darum, den sogenannten antizyklischen Kapitalpuffer zu aktivieren und von bisher null auf 0,25 Prozent zu erhöhen. Die Banken haben dafür zwölf Monate Zeit. Insgesamt müssten die Eigenkapitalanforderungen um 5,3 Milliarden Euro erhöht werden, sagte Hufeld. Die Banken können dies dem Bafin-Chef zufolge schultern.

Hintergrund der Maßnahme ist, dass das Kreditwachstum stärker ist als das der Wirtschaft insgesamt. Dies könnte bei einem Abschwung zu Risiken führen. Die deutsche Wirtschaft wächst seit langem – die Prognosen für das Plus des Bruttoinlandprodukts in diesem Jahr sind aber massiv gesenkt worden.

Kreditwirtschaft sieht derzeit keine Risiken für die Finanzstabilität

Die deutsche Kreditwirtschaft reagierte mit Kritik. „Ernsthafte Risiken für die Finanzstabilität sind derzeit nicht zu erkennen“, hieß es in einer Stellungnahme. Die deutschen Banken und Sparkassen hätten Stresstests, die einen unerwartet starken Konjunktureinbruch im Zusammenspiel mit steigenden Kreditausfällen simulierten, bestanden.

Die Kreditnachfrage entwickle sich in Deutschland durchschnittlich und es gebe keine Anzeichen dafür, dass die Anforderungen an die Kreditvergabe aufgeweicht worden wären. „Zudem haben die deutschen Kreditinstitute nach der Finanzkrise als Folge der schärferen Regulierung ihr Eigenkapital erhöht und sind deutlich stabiler als zuvor.“

Kapitalpuffer dient der Prävention

Finanzstaatssekretär Jörg Kukies sagte, der Puffer sei als Lehre aus der internationalen Finanzkrise eingeführt worden. Er diene der Prävention und solle die Widerstandsfähigkeit von Banken im Falle eines dramatischen Wirtschaftsabschwungs stärken – damit es nicht zu Einschränkungen bei der Kreditvergabe für die Realwirtschaft komme.

Der Stabilitäts-Ausschuss sehe keine „akuten“ Risiken, betonte Kukies. Es gebe aber geopolitische Unsicherheiten. Er verwies auch auf Handelskonflikte. In dem Ausschuss vertreten sind das Finanzministerium, die Bundesbank und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Er soll Gefahren für die Finanzstabilität frühzeitig erkennen.

Autor

 Deutsche Presseagentur