Rente / 11.12.2017

"Bauern-Rente" verliert an Bedeutung

Bundesregierung: Zahl der Versicherten in der Alterssicherung der Landwirte ist weiter rückläufig – und der Nachwuchs fehlt.

Berlin (sth). Die Alterssicherung der Landwirte (AdL) verliert weiter an Bedeutung. Von Mitte 2013 bis Mitte 2017 sank die Zahl der in der Rentenversicherung für landwirtschaftliche Unternehmer versicherten Personen von rund 237.000 auf etwa 200.000 – ein Rückgang von 15,5 Prozent, wie aus dem alle vier Jahre erstellten Lagebericht der Bundesregierung hervorgeht. Die Zahl der AdL-versicherten Unternehmer ging demnach um etwa elf Pfozent auf knapp 141.000 zurück, die der versicherten Ehegatten um knapp 25 Prozent auf rund 51.500. "Gleichzeitig wird in der AdL weiterhin häufig vom Recht auf Befreiung von der Versicherungspflicht Gebrauch gemacht", heißt es in dem Regierungsbericht. Ursache für die negative Entwicklung seien die "anhaltenden strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft" (siehe auch Link unten).

Der Bedeutungsverlust der AdL wird auch anhand der Entwicklung in der Altersstruktur der AdL deutlich. Fast 74 Prozent der versicherten Landwirte und Ehegatten sind über 45 Jahre alt, mehr als 35 Prozent auch über 55 Jahre. Zugleich seien lediglich rund zehn Prozent aller Versicherten unter 35 Jahre alt, während sich die Zahl der über 65-Jährigen im Berichtszeitraum von 335 auf 1.690 "stark erweitert" habe, stellt die Regierung fest. Ursache für den Anstieg der Versichertenzahl in dieser Altersgruppe sei – wie in der gesetzlichen Rentenversicherung – die schrittweise Anhebung der Altersgrenze von 65 auf 67 Jahre. 

Auch die Zahl der Rentner geht zurück

Auch die Zahl der Landwirtinnen und Landwirte, die eine Rente aus der AdL beziehen, ist den Angaben zufolge seit 2008 rückläufig. Mitte 2017 habe das landwirtschaftliche Alterssicherungssystem 590.000 Renten ausgezahlt, vier Jahre zuvor seien es noch 2,6 Prozent mehr gewesen, so der Lagebericht. Von den rund 380.000 Altersrenten seien 199.000 an Männer überwiesen worden, etwa 181.000 an Frauen. Daneben habe die AdL etwa 38.000 Erwerbsminderungsrenten und etwa 169.000 Renten an Witwen und Witwer gezahlt. Bei den Hinterbliebenenrenten habe es einen Rückgang von rund 6,4 Prozent gegeben. "Trotzdem steigen die Rentenausgaben bis 2027 jährlich durchschnttlich um 0,5 Prozent", erwartet die Bundesregierung.

Auch in den kommenden zehn Jahren sei als Folge des weiter anhaltenden Strukturwandels mit einem "deutlichen Rückgang der Beitragszahler" in der AdL zu rechnen, heißt es in dem Bericht. Durch die Defizitdeckung des Bundes werde jedoch verhindert, dass die finanziellen Folgen dieses Wandels die Beitragszahler überfordern. Die AdL stellt in der deutschen Alterssicherung ein Sondersystem dar. Sie ist – anders als die gesetzliche Rentenversicherung – als Teilsicherung angelegt, da der Gesetzgeber davon ausgeht, dass die Versicherten ihre Alterssicherung duch Altenteilansprüche oder eine zusätzliche freiwillige Vorsorge ergänzen. 

Mehr zum Thema:

http://dip21.bundestag.de

Link zum Lagericht der Bundesregierung 2017 über die Alterssicherung der Landwirte (im pdf-Format)

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Autor

Stefan Thissen