Finanzen / 06.07.2018

Baukindergeld hilft vor allem Gutverdienern

DIW: Haushalte aus den oberen Einkommensgruppen profitieren von der neuen Förderung besonders stark.

Berlin (diw/sth). Das Baukindergeld kommt: Vergangene Woche hat sich die Bundesregierung auf die Details der Förderung für Familien mit Kindern, die in den eigenen vier Wänden leben wollen, geeinigt. Doch bereits im Vorfeld zog das gut gemeinte Vorhaben, angesichts vielerorts selbst für Mittelschichtsfamilien unerschwinglicher Immobilienpreise Wohneigentum zu fördern, viel Kritik auf sich. Das Baukindergeld setze nicht am eigentlichen Problem an und begünstige Haushalte, die auf die Förderung gar nicht angewiesen seien und auch ohne sie kaufen beziehungsweise bauen würden, hieß es von verschiedenen Seiten.

Eine Analyse auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) bestätige diese Einschätzung, schreibt das DIW in einem am Donnerstag veröffentlichten Expertenbeitrag (siehe auch Link unten). Haushalte aus den oberen Einkommensgruppen profitierten von der Förderung den Berechnungen zufolge besonders stark. Das Problem immer höherer Eigenkapitalanforderungen, das vor allem für weniger einkommensstarke Haushalte eines ist, gehe die Politik mit dem Baukindergeld hingegen nicht an. So drohe die vergleichsweise teure Förderung – die Kosten dürften sich in den nächsten 13 Jahren auf fast zehn Milliarden Euro summieren – "in Mitnahmeeffekten und höheren Grundstückspreisen zu verpuffen", bemängeln die Wissenschaftler.

Sinnvoller wäre es ihrer Ansicht nach, Instrumente zu nutzen, die direkt am Problem des fehlenden Eigenkapitals anknüpfen. "Die einfachste Variante wären Investitionszuschüsse, die wahrscheinlich aber auch mit größeren Mitnahmeeffekten verbunden wären", schreibt das DIW. Wesentlich zielgenauer seien wohl "Bürgschaften und Nachrangdarlehen, die direkt an den Eigenkapitalbedarf der Haushalte anknüpfen".

Mehr zum Thema:

www.diw.de

Link zur DIW-Analyse des neuen Baukindergelds

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Autor

Stefan Thissen