Finanzen / 12.10.2017

Bei Fonds auf Kosten achten

Kosten beim Fondskauf haben Einfluss auf Rendite – Erfolgsprämien für Fondsmanager

Düsseldorf (dpa/tmn). Wer einen Fonds kaufen möchte, sollte einen Faktor nicht vergessen: die Kosten. „Die Kosten sind von herausragender Bedeutung für den Anlageerfolg, denn viele fallen auf jeden Fall an“, sagt Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Und zwar teilweise noch, bevor der erste Euro verdient ist.

Zusatzkosten werden beim Fondskauf leicht übersehen

Dazu gehört der Ausgabeaufschlag, der einmalig bei Vertragsabschluss fällig werden und gerade bei Aktienfonds auch mal fünf Prozent betragen kann. Später kommen auf den Anleger jährliche Kosten zu, wie die Verwaltungsgebühren, die zwischen null und zwei Prozent liegen.

Und dann gibt es noch die Kosten, die leicht übersehen werden können, aber durchaus nicht unwesentlich sind. Dazu gehört die Erfolgsprämie.

Erfolgsprämien für Fondsmanager gar nicht so unüblich

„Die Erfolgsprämie, oder Performance Fee wird einem Fondsmanager in der Regel dann gezahlt, wenn er eine bestimmte, vom Fonds festgelegte Benchmark um einen ebenfalls vorab fixierten Prozentsatz übertrifft“, erklärt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Laut Statistik des deutschen Fondsverbandes BVI ist eine Erfolgsprämie gar nicht so unüblich. „Von den Publikumsfonds in der BVI-Statistik sehen rund 27 Prozent eine Performance Fee vor“, bestätigt Sprecher Georg Haumann.

Das Ziel einer solchen Erfolgsprämie ist klar: Sie soll den Fondsmanager anspornen. Bei einem aktiven, also gemanagten Fonds entscheidet der Manager im Rahmen der Fondsstrategie, welche Aktien von welchen Unternehmen gekauft und welche abgestoßen werden. Wenn er das erfolgreicher macht als Kollegen, bekommt er eine Prämie. Doch wie wird der Erfolg gemessen?

Den Index für ihren Erfolg legen Fondsgesellschaften selbst fest

„Fondsgesellschaften messen ihren Erfolg an einem Index, einer Indexmischung oder an einer Rendite, die sie selbst festlegen“, erklärt Roland Aulitzky, Fondsexperte bei der Stiftung Warentest. So wird beispielsweise die Entwicklung des Weltaktienindex MSCI World als Maßstab angesetzt. Macht der gemanagte Fonds mehr Plus als der Index, schlägt die Erfolgsprämie zu Buche.

Rolf Scherfling von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen gibt ein Rechenbeispiel: „Steigt der MSCI World drei Prozent und der Fondsmanager schafft fünf Prozent, zahlt der Anleger auf die zwei Prozentpunkte Unterschied die Erfolgsprämie.“ Wie hoch die Prämie im Einzelfall ist, ist von Fonds zu Fonds unterschiedlich.

Die Messlatte wird von den Fonds selbst bestimmt. So wird bei manchen Fonds schon eine Prämie fällig, wenn sie ein Plus erwirtschaften, unabhängig, wie der Markt sich entwickelt hat. Erreicht ein solcher Fondsmanager zum Beispiel zwei Prozent Plus, während der MSCI World um fünf Prozent steigt, bekommt der Fondsmanager eine Prämie – obwohl er deutlich weniger Gewinn als der Markt gemacht hat.

Seit 2013 gelten verbindliche Regeln bei Fondsprämien

Nach einigen Jahren, in denen die Investmentfonds bei der Gestaltung der Erfolgsprämie freie Hand hatten, hat sich inzwischen die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) der Sache angenommen. Seit 2013 gibt es verbindliche Regeln bei Prämien, allerdings nur für die in Deutschland aufgelegten Fonds.

So dürfen Fonds ihren Gewinn erst nach Abzug der Kosten für ihre Erfolgsberechnung heranziehen. „Der Unterschied ist deutlich, da die Verwaltungskosten eines Aktienfonds Welt selten unter 1,5 Prozent liegen“, erklärt Aulitzky.

Zudem müssen Fonds etwaige Verluste in den vergangenen fünf Jahren verrechnen, bevor sie Gewinne für die Erfolgsgebühr heranziehen.

Auch der Zeitraum, in denen die Fondsmanager ihren Erfolg messen lassen können, wurde auf mindestens ein Jahr festgelegt.

Kürzere Berechnungszeiträume sind aus Sicht der Stiftung Warentest nicht sinnvoll. „Fonds, die auf Jahressicht an ihrer Benchmark scheiterten, können diese auf Quartals- oder Monatssicht übertroffen haben“, erklärt Aulitzky. Der Anleger müsste also trotzdem zahlen, obwohl das gesamte Jahr unter den Erwartungen geblieben ist.

Mit diesen Einschränkungen hat die Bafin Erfolgsprämien zwar etwas fairer gemacht. „Die Regelungen gehen leider nicht weit genug“, findet aber Aulitzky. „So können die Anbieter die Höhe der Gebühr immer noch selbst festlegen und auch einen Maßstab wählen, der für sie günstig ist, nicht jedoch für den Anleger.“

Der Job eines Fondsmanagers ist es, den Index zu schlagen

Ähnlich sieht das Jürgen Kurz: „Grundsätzlich ist es der Job eines Fondsmanagers den Index oder eine entsprechende Vergleichsmarke zu schlagen“, sagt der DSW-Sprecher. „Um da von einer überdurchschnittlichen Leistung sprechen zu können, müsste die Marke schon sehr deutlich übertroffen werden.“ Im Übrigen kommt die Prämie keineswegs immer den Fondsmanagern oder Analysten zu Gute, weiß Aulitzky: „Normalerweise bilden Erfolgsprämien einfach einen weiteren Ertragsposten der Fondsgesellschaft“, sagt er.

Für Anleger gilt: Kosten im Blick behalten

Unabhängig von der Erfolgsprämie sollte der Anleger die Kosten im Blick behalten. Gerade beim Ausgabeaufschlag und bei der Verwaltungsgebühr gibt es Unterschiede. „Die Konditionen variieren je nach Vertriebsweg“, sagt Haumann. „Direktanlagebanken berechnen häufig keine oder niedrigere Ausgabeaufschläge, und auch Filialbanken bieten Aktionen.“ Daher gilt: Augen auf und vergleichen.

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 Deutsche Presseagentur – Themendienst