Soziales / 09.08.2018

"Berufsorientierungsjahr statt Dienstpflicht"

Jugendforscher Hurrelmann: Zeit für gesellschaftliche Aufgaben sollte jungen Menschen einleuchten und muss ihnen gefallen.

Berlin (dpa). In der Debatte über eine allgemeine Dienstpflicht für junge Männer und Frauen hat der Bildungsforscher Klaus Hurrelmann als Alternative ein verbindliches Berufsorientierungsjahr vorgeschlagen. Die Diskussion darüber, junge Leute nach Abschluss der Schulzeit auf gesellschaftliche, aber auch auf berufliche Aufgaben vorzubereiten, finde er grundsätzlich gut, sagte der Berliner Professor der "Welt".

Es sollte allerdings etwas sein, das den jungen Leuten selbst auch einleuchte und gefalle. "Sie zu einem Pflichtdienst zu verdonnern, damit unsere Gesellschaft besser funktioniert, kommt bei ihnen nicht gut an", sagte Hurrelmann. Die CDU hatte die Debatte über eine allgemeine Dienstpflicht bei der Bundeswehr sowie im sozialen Bereich angestoßen. Die SPD hatte sich dazu eher skeptisch geäußert und sich für die Stärkung des freiwilligen Engagement im sozialen Bereich ausgesprochen.

Nicht nur Bundeswehr und Sozialberufe

Die junge Generation sei zwar eine "ichbezogene, egoorientierte" – aber bereit, sich einzubringen, "wenn sie das Gefühl hat, es bringt auch ihr etwas", sagte Hurrelmann. Viele junge Leute seien angesichts der Vielzahl von Studien- und Ausbildungsgängen bei der Berufswahl orientierungslos. Ein Orientierungsjahr könne Entscheidungshilfe leisten und damit auch dafür sorgen, dass die Abbruchquoten in Studium und Lehre gesenkt werden.

Einem solchen Programm müssten sich aber auch Unternehmen und internationale Organisationen öffnen, nicht nur die Sozialberufe und die Bundeswehr. "Diese Begrenzung ist nicht mehr zeitgemäß", sagte er. Die junge Generation sei extrem weltoffen. "Wir müssen die Jugendlichen nur abholen. Aber wenn wir mit den Vorstellungen der älteren Generation kommen, stoßen wir erst mal auf Kühle und Distanz."

Autor

 Deutsche Presseagentur