Rente / 06.05.2022

Beschäftigte aus Indien: Ausweg aus dem Demografietrend?

Mehr Zuwanderer sollen dabei mithelfen, den Alterungsprozess hierzulande zu bewältigen. Das arbeitgebernahe IW denkt hier vor allem an ein Land.

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Köln/Bad Homburg (sth). Noch sind sie in Deutschland eine überschaubare Minderheit – doch ihre Zahl ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen: Immer mehr Frauen und Männer aus Indien drängen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Die Zahl der Menschen mit indischer Staatsangehörigkeit sei hierzulande "zwischen den Jahren 2010 und 2020 von 48.000 auf 151.000 angewachsen", heißt es in ener Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Auffällig sei dabei, dass in den zurückliegenden Jahren vor allem die Zahl jener Inderinnen und Inder gestiegen sei, die "(zunächst) ein Hochschulstudium in Deutschland" absolvieren. 

Ein Trend, der nach Ansicht des IW "durchaus zu begrüßen" ist. Zum einen würden die Qualifikationen der Hochschulabsolventen und -absolventinnen vom Subkontinent nach einem Studium in Deutschland "passgenauer den Anforderungen des deutschen Arbeitsmarkts entsprechen". Zudem beteilige sich Deutschland in diesem Fall an den Ausbildungskosten für die jungen Zuwanderer, argumentiert Studienautor Wido Geis-Thöne, IW-Experte für Familienpolitik und Migrationsfragen. Aber auch, wenn indische Beschäftigte erst nach dem Ende ihrer Ausbildung nach Deutschland kämen, drohe dem asiatischen Milliarden-Volk kein "Brain-Drain" (Talente-Abwanderung), beugt die IW-Studie möglicher Kritik an einer gezielten Werbekampagne in Indien vor. "Mit allein rund 44,8 Millionen hochqualifizierten Personen im Alter zwischen 25 und 34 Jahren ist die Fachkräftebasis in Indien so groß, dass auch aus deutscher Sicht sehr starke Wanderungsbewegungen kaum ins Gewicht fallen", so das IW.

Positive Entwicklung keinesfalls selbstverständlich

Dass sich die Zuwanderung aus Indien in den letzten Jahren so positiv entwickelt habe, sei "keinesfalls selbstverständlich", heißt es in der Studie weiter. Denn Deutschland befinde sich beim Werben um qualifizierte indische Beschäftigte vor allem mit den angelsächsischen Ländern wegen der englischen Sprache und ihren starken indischstämmigen Communities in Konkurrenz. Ein wichtiger Erfolgsfaktor dürfte laut IW-Experte Geis-Thöne neben einem zunehmend positiveren Deutschlandbild in der Welt besonders die gezielte Ansprache von Zuwanderungs-Interessierten in Indien "durch die Onlineplattform „Make it in Germany“ gewesen sein". Diese Aktivitäten sollten "weiter ausgebaut werden", empfiehlt das IW. Wegen der vielen jungen Arbeit suchenden Inderinnen und Inder sei es auf längere Sicht "sinnvoll, ein Drittel und mehr der in Deutschland benötigten Zuwanderer aus Indien zu gewinnen".

Daten der Deutschen Rentenversicherung (DRV) bestätigen die zunehmende Erwerbstätigkeit von Zuwanderern aus Indien hierzulande. Während 2010 erst knapp 15.600 Inderinnen und Inder als versicherungspflichtig beschäftigt gezählt wurden, waren es laut jetzt veröffentlichten DRV-Zahlen im Jahr 2020 bereits mehr als 72.000. Etwa drei Viertel der Beschäftigten mit indischem Pass waren demnach Männer; aber auch knapp 19.000 Frauen zählten die Renten-Statistiker. Vielleicht auch angesichts solcher Zahlen empfiehlt das IW in seiner Studie, darauf hinzuwirken, "dass sich die Wanderungsströme nicht stark auf einzelne Regionen und soziale Gruppen in Indien konzentrieren". 

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Autor

Stefan Thissen