Rente / 19.10.2021

Beschäftigte gehen im Schnitt mit 64 Jahren in Rente

Rentenatlas 2021: Im Vorjahr traten Frauen durchschnittlich mit 64,2 Jahren, Männer mit 64,1 Jahren in den Ruhestand – zwei Jahre später als 1999.

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Berlin/Bad Homburg (sth). Rentenversicherte Beschäftigte gehen im Schnitt etwa zwei Monate nach dem 64. Geburtstag in die Altersrente. Nach aktuellen Daten der Deutschen Rentenversicherung (DRV) sank das durchschnittliche Rentenzugangsalter 2020 gegenüber dem Vorjahr zwar leicht von 64,3 auf 64,2 Jahre. Dies war nach Angaben des neuen DRV-„Rentenatlas 2021“ jedoch auf einen Sondereffekt durch die Einführung der sogenannten Mütterrente II Anfang 2019 zurückzuführen. Der neue DRV-Rentenatlas liegt ihre-vorsorge.de vor. Demnach sorgte die Mütterrente II dafür, dass ab 2019 viele Frauen im Rentenalter, deren Kinder vor 1992 geboren wurden, pro Kind 2,5 statt zuvor zwei Entgeltpunkte für die Rente gutgeschrieben bekamen und dadurch erstmals einen Rentenanspruch hatten.

Die Mütterrente II führte 2019 kurzfristig auch zu einer sprunghaften Erhöhung des durchschnittlichen Renteneintrittsalters von Frauen – von 64,1 auf 64,5 Jahre. Würde man diesen statistischen Sondereffekt herausrechnen, „wäre das Rentenzugangsalter annähernd konstant geblieben“, heißt es im Rentenatlas. Diese Normalisierung sei „auch daran zu erkennen, dass das Rentenzugangsalter für Frauen 2020 wieder bei 64,2 Jahren lag“. In den Jahren zuvor gingen Frauen durchschnittlich mit 64,1 Jahren in Rente. Grund für den seit mehr als 20 Jahren anhaltenden Anstieg des Renteneintrittsalters „ist unter anderem das Auslaufen von zwei vorgezogenen Altersrentenarten“, schreibt die DRV. So konnte die frühere „Altersrente für Frauen“ etwa auf Wunsch und mit Abschlägen schon mit 60 Jahren in Anspruch genommen werden.

Späterer Rentenbeginn auch bei Erwerbsgeminderten

Immer später beginnen laut den Daten des neuen Rentenatlas auch neu bewilligte Erwerbsminderungsrenten. Während Frauen, die im Jahr 2005 gesundheitsbedingt vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden mussten, ihre erste Rente im Schnitt mit 49,2 Jahren gezahlt bekamen, war dies 2020 erst mit 52,8 Jahren der Fall. Auch für chronisch kranke oder unfallverletzte Männer stieg das durchschnittliche Rentenzugangsalter den DRV-Angaben zufolge innerhalb der vergangenen 15 Jahre von 50,5 auf 53,7 Jahre.  

Ursache dieser Entwicklung sei vermutlich, „dass das veränderte Krankheitsspektrum bei den Beschäftigten, wie es in den Diagnosestellungen bewilligter Erwerbsminderungsrenten zum Ausdruck kommt, auf den Altersdurchschnitt einwirkt“, heißt es in einer Analyse des Instituts „Arbeit und Qualifikation“ an der Universität Duisburg-Essen. So hätten die klassischen physischen Verschleißerkrankungen, sogenannte orthopädische Erkrankungen, heute ein „geringeres Gewicht bei den diagnostizierten Gründen für Erwerbsminderungsrenten“. Psychische Erkrankungen, die häufiger auch schon in jüngeren Jahren auftreten, spielten dagegen eine „stark zunehmende Rolle“, so die Sozialforscher.

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Autor

Stefan Thissen