Soziales / 03.01.2018

Beschäftigungsboom dank guter Konjunktur

Zahl der Beschäftigten erreichte 2017 neuen Höchststand - Arbeitslosenzahl im Dezember angestiegen

Nürnberg/Wiesbaden (dpa/mgw). Der anhaltende Wirtschaftsaufschwung hat Deutschland 2017 einen regelrechten Stellenboom beschert. Die Zahl der Erwerbstätigen kletterte im Vorjahr um 638.000 Personen oder 1,5 Prozent auf 44,3 Millionen und damit auf den höchsten Wert seit der Wiedervereinigung, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Das war gleichzeitig die stärkste Zunahme seit dem Jahr 2007.

Mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigung

Grundsätzlich wächst die Zahl der Arbeitnehmer samt der Selbstständigen seit zwölf Jahren kontinuierlich. Was Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherungen besonders freut: Vor allem die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze, zentrale Säulen des deutschen Sozialsystems, steigt weiter. Dagegen gibt es weniger Selbstständige und auch weniger geringfügig Beschäftigte.

Die zusätzlichen Jobs werden sowohl von Zuwanderern als auch von Inländern erledigt, die zusätzliche Arbeitskraft anbieten. Auch pendeln rund 100.000 Menschen mehr nach Deutschland ein als aus.

Viele freie Stellen

Dabei ist ein Ende des Stellenbooms derzeit nicht absehbar. Darauf deutet jedenfalls die Entwicklung bei den freien Stellen hin. Denn zum Jahresende hat die Nachfrage nach Arbeitskräften nach Erkenntnissen der Bundesagentur für Arbeit (BA) so stark zugenommen wie selten zuvor. Der von der Bundesbehörde ermittelte monatliche Stellenindex BA-X sei im Dezember mit einem Plus von sechs Punkten auf 256 Zähler ungewöhnlich steil gestiegen.

Die Zahl der sofort oder demnächst zu besetzenden Jobs habe damit zugleich ein Rekordniveau erreicht. Die kräftig steigende Nachfrage nach Arbeitskräften ist nach Einschätzung der Bundesagentur vor allem auf den wirtschaftlichen Aufschwung zurückzuführen. Viele gut ausgelastete Betriebe seien dadurch gezwungen, zusätzliche Mitarbeiter einzustellen.

Mehr Mitarbeiter suchen nach neuem Job

Ein Stück weit steckt hinter dem Stellenboom allerdings auch ein in Zeiten der Hochkonjunktur üblicher statistischer Effekt, räumt die Bundesagentur ein. Die guten Jobaussichten veranlassten mehr Mitarbeiter als in Krisenzeiten, sich einen interessanteren oder besser bezahlten Job zu suchen. Dadurch würden mehr Stellen frei, blieben länger unbesetzt und tauchten so häufiger in der Stellenstatistik der Bundesagentur für Arbeit auf.

Mehr Arbeitslose im Dezember, aber weniger als im Vorjahr

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Dezember im Vergleich zum Vormonat witterungsbedingt um 17.000 auf 2,385 Millionen gestiegen. Gegenüber dem Vorjahr ging die Zahl der Erwerbslosen um 183.000 zurück, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 5,3 Prozent.

Im Gesamtjahr 2017 waren im Schnitt 2,533 Millionen Menschen ohne Job - und damit 158.000 weniger als im Vorjahr. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote sank um 0,4 Punkte auf 5,7 Prozent, teilte die BA am Mittwoch mit. Dies entspricht der niedrigsten durchschnittlichen Jahresarbeitslosigkeit seit der deutschen Wiedervereinigung.

Den Anstieg der Arbeitslosenzahl im Dezember führte die Bundesagentur allein auf den Winter zurück. BA-Vorstandschef Detlef Scheele sprach von einer sehr guten Entwicklung: "Die Zahl der arbeitslosen Menschen ist weniger gestiegen als saisonal üblich, die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und die Nachfrage der Betriebe nach neuen Mitarbeitern steigen auf hohem Niveau weiter kräftig an."

Saisonbereinigt sank die Zahl der Jobsucher. Die um jahreszeitliche Einflüsse bereinigte Erwerbslosenzahl lag im Dezember bei 2,442 Millionen. Damit waren rund 29.000 Männer und Frauen weniger ohne Job als im November - im Westen sank die Zahl um 20.000, im Osten um gut 8.000. Die Zahl der Erwerbstätigen lag nach Hochrechnung des Statistischen Bundesamtes im November bei 44,74 Millionen - ein Plus von 50.000 gegenüber dem Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahr waren es 613.000 Erwerbstätige mehr.

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Autor

 Deutsche Presseagentur