Finanzen / 04.12.2017

Börsenrallye ohne Ende?

Anleger im Kaufrausch. Doch die Skepsis an der Börse wächst und ob der Höhenflug 2018 anhält, ist fraglich.

Frankfurt/Main (dpa). Amtsantritt eines unberechenbaren US-Präsidenten, Brexit-Verhandlungen, Wahlen in wichtigen Euro-Staaten und geplatzte Sondierungsgespräche in Berlin – 2017 war kein einfaches Jahr für Anleger.

Dennoch sind Investoren in Kauflaune. Der deutsche Leitindex Dax eilte von Rekord zu Rekord und übersprang zeitweise erstmals die Marke von 13.500 Punkten. Auch an der Wall Street in den USA und an anderen großen Handelsplätzen ging es aufwärts.

Die Rahmenbedingungen für eine Fortsetzung des Börsenbooms im kommenden Jahr scheinen gut. Doch die Skepsis wächst.

Beim Dax nicht mehr allzuviel Luft nach oben

„Aktienanleger haben bereits zu viele Vorschusslorbeeren verteilt und sind ausgesprochen sorglos geworden“, argumentiert Helaba-Chefvolkswirtin Gertrud Traud. „Wir glauben, dass wir in dem aktuellen Zyklus das Beste bereits gesehen haben.“ Die Helaba traut dem wichtigsten deutschen Börsenbarometer aktuell bis zu 13.500 Punkte im kommenden Jahr zu.

Deutschlands öffentliche Banken sehen beim Dax nicht mehr allzu viel Luft nach oben. Nach der Kursrally in diesem Jahr notierten Aktien mittlerweile auf einem hohen Niveau. „Schlechte Nachrichten bezüglich der weiteren Gewinnentwicklungen oder konjunkturelle Dämpfer könnten dann schnell zu Kurskorrekturen führen“, argumentiert der Verband öffentlicher Banken (VÖB).

Optimistischer ist die Deutsche Bank. Sprudelnde Unternehmensgewinne dürften den deutschen Aktienmarkt auch im kommenden Jahr antreiben, meint Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden des Instituts. Er sieht den Dax Ende 2018 bei 14.100 Punkten.

Nach Einschätzung von Christian Kahler, Chefstratege Aktien bei der DZ Bank, mehren sich zwar die Gefahrenzeichen für ein Ende des Aufschwungs an den Börsen. „Doch die niedrigen Zinsen werden eine Korrektur wahrscheinlich verhindern.“ Bis auf 14.000 Punkte könnte der deutsche Leitindex bis Ende des kommenden Jahres steigen.

Anlagenotstand wegen niedriger Zinsen

Die Geldflut der Notenbanken hält die Aktienmärkte seit Jahren am Laufen. Investoren müssen das viele Geld irgendwo anlegen. Da die Zinsen im Keller sind, herrscht Anlagenotstand.

Investoren setzen daher verstärkt auf Aktien und Immobilien. Zwar läutete die Europäische Zentralbank (EZB) im Oktober den Einstieg in den Ausstieg aus ihrer ultralockeren Geldpolitik ein. Doch bis die Schleusen geschlossen sind, dürfte es noch eine ganze Weile dauern.

Die erste Leitzinsanhebung im Euroraum erwarten Experten erst 2019. Die US-Notenbank erhöht zwar seit einiger Zeit die Zinsen – allerdings in kleinen Schritten. Ein starker Anstieg wird nicht erwartet. Der designierte Chef der Notenbank Fed, Jerome Powell, gilt als moderat

Zudem hoffen Investoren auf die Umsetzung der von US-Präsident Donald Trump versprochenen Steuerreform, welche vor allem mittelständische US-Unternehmen entlasten soll.

Privatanleger sind zurückhaltend bei Aktien

Gestützt wird die Kauflaune der Anleger auch von der guten Konjunktur. In Deutschland läuft die Wirtschaft auf Hochtouren, der Euroraum kommt in Schwung, und die Weltkonjunktur gewinnt an Tempo.

Die Gewinne der Unternehmen sprudeln, höhere Dividenden locken. Der Boom geht in Deutschland allerdings an vielen Privatanlegern vorbei. Nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts hält gerade einmal jeder siebte Bundesbürger Aktien und/oder Aktienfonds, obwohl Sparbuch, Tagesgeld und Co. wegen der Zinsflaute kaum noch etwas abwerfen

Gerade einmal rund 611 Milliarden Euro steckten Ende des zweiten Quartals nach jüngsten Angaben der Deutschen Bundesbank in Aktien und sonstigen Anteilsrechten.

Zum Vergleich: Auf insgesamt rund 2,248 Billionen Euro beliefen sich die Bestände der privaten Haushalte an Bargeld und Einlagen.

Ausländische Investoren haben das Sagen

Von dem Dividendenregen profitieren vor allem Profi-Investoren wie Versicherungen, Vermögensverwalter und Pensionskassen – und diese kommen mehrheitlich aus dem Ausland.

In Deutschlands erster Börsenliga haben vor allem ausländische Investoren das Sagen: Ihnen gehörten Ende des vergangenen Jahres nach Angaben des Beratungsunternehmens EY durchschnittlich 54 Prozent der Aktien der 30 Dax-Konzerne.

Autor

 Deutsche Presseagentur