Soziales / 08.01.2019

Boomendes Geschäft mit guten Vorsätzen nach Silvester

Im neuen Jahr soll alles besser werden – gesündere Ernährung, mehr Sport – die guten Vorsätze sind noch frisch. Damit lässt sich gut Geld verdienen.

Apfel, Massband, Hanteln, Wasserflasche. Bildnachweis: fotolia.com © Davizro Photography

Düsseldorf (dpa). Nach den üppigen Festessen zu Weihnachten und den feuchtfröhlichen Partys zu Silvester boomt im neuen Jahr das Geschäft mit den guten Vorsätzen. Nicht nur Fitnessketten wie Kieser oder McFit werben mit Sonderangeboten um Kunden. Auch der Fernsehsender Kabel eins geht mit einer Abnehm-Show rund um den Sternekoch Frank Rosin auf Zuschauerfang. Und Handelsketten wie Aldi, Lidl, Rewe oder Edeka präsentieren sich, nachdem sie im Dezember noch im „kleinen Luxus“ schwelgten, im Januar als „Partner für gute Ernährung“.

Neues Jahr, neuer Vorsatz: Das Geschäft mit dem schlechten Gewissen

Kein Wunder: Schließlich ist der Jahresbeginn die Zeit der guten Vorsätze. Eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit ergab kürzlich, dass immerhin 57 Prozent der Bundesbürger im neuen Jahr mehr Sport treiben wollen. Jeder Zweite (49 Prozent) will sich gesünder ernähren. Gut jeder Dritte will abnehmen. Und gerade für den Einzelhandel kommt das schlechte Gewissen der Verbraucher gerade recht.

Der Handel muss nach dem Festtagsboom neue Kaufanreize schaffen

„Januar und Februar sind traditionell schwierige Monate für den Einzelhandel. Denn nach dem Fest sitzt das Geld nicht mehr so locker. Der Handel muss deshalb neue Anreize schaffen, um die Kunden anzulocken“, erklärt der Handelsexperte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU in Düsseldorf.

Die Themen Gesundheit und Fitness seien dafür geradezu ideal. Denn nach dem vielen Essen zu Weihnachten gehe es jetzt darum, durch gute Ernährung rechtzeitig wieder in Form zu kommen, um im Sommerurlaub am Strand eine gute Figur zu machen. Wer dabei helfe, könne die Konsumdelle zum Jahresbeginn zumindest abschwächen und die Kundenbindung deutlich verbessern.

Discounter bieten ganze Kampagnen für gesunde Ernährung an

Die Handelsketten sind deshalb nur allzu gerne bereit, beim Kampf gegen die angefressenen Pfunde Hilfestellung zu leisten. Der Discounter Lidl hat zum Jahresanfang die „Zieh's-durch-Wochen“ ausgerufen. Acht Wochen lang soll die Kampagne, die auch TV- und Radio-Spots sowie Social-Media-Aktivitäten umfasst, dauern und bei der Einhaltung der guten Vorsätze helfen – etwa mit Rezepten für Superfood-Porridge oder Gemüsenudeln mit Linsenbolognese.

Und natürlich gibt es dazu im Laden und im Lidl-Online-Shop nicht nur die passenden Lebensmittel, sondern auch die notwendige Sportausrüstung bis hin zum fast 800 Euro teuren Ellipsentrainer Ergometer. „Außerdem bieten wir viele alltagstaugliche Tipps, damit Ausreden erst gar nicht aufkommen können“, verspricht Lidl-Manager Jürgen Achenbach.

Alleine ist Lidl nicht. Auch Aldi präsentiert sich aktuell mit einer neuen Kampagne als „Partner für bewusste Ernährung“. Der Discounter wolle „beim Verbraucher das Bewusstsein schärfen, wie einfach eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung in den Alltag integriert werden kann“, sagt Aldi-Managerin Julia Adou.

Auch in der Aldi-Werbung sind Sportgeräte von der Kugelhantel bis zum Crosstrainer prominent platziert. Außerdem finden sich bei dem Discounter neben den Standard-Produkten derzeit Protein-Drinks und „5-Kalorien-Nudeln“ aus Alginat im Angebot.

Wer auf die Online-Seiten von Rewe oder Edeka geht, kommt an gesunden Rezepten ebenfalls kaum vorbei. Das Angebot reicht vom Quinoa-Curry mit Kürbis über Gemüse-Spaghetti mit scharfer Avocadocreme bis zu Grünkohl-Smoothies und einem „Super Green Salad“ aus grünem Spargel, Spinat, Zucchini und Erbsen.

Das Problem: Vorsätze haben eine kurze Halbwertszeit

Einen Haken hat die Sache allerdings – für Verbraucher und für den Handel. Die guten Vorsätze halten oft nicht lange an. Der Forsa-Umfrage zufolge gelang es im vergangenen Jahr nur jedem zweiten Verbraucher, seine guten Vorsätze vier Monate und länger durchzuhalten. Das dürfte in diesem Jahr kaum anders sein.

Für den Marketing-Experten Fassnacht steht deshalb fest, das das Ende der Fitness-Fixierung in der Handelswerbung schon absehbar ist: „Spätestens zu Ostern wird uns der Handel dann wieder nahelegen, uns doch selber wieder einmal mit gutem Essen zu verwöhnen.“

Weitere Informationen

www.dak.de
DAK-Studie zu guten Vorsätzen für 2019

Autor

 Deutsche Presseagentur