Rente / 24.05.2022

Bundesbank erwartet deutliches Defizit in den Rentenkassen

Monatsbericht: Einnahmen der Rentenversicherer könnten 2022 um 2,5 Milliarden Euro weniger steigen als die Ausgaben. Große Unsicherheiten.

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Frankfurt (sth). Die Bundesbank erwartet für das laufende Jahr ein deutliches Defizit in den gesetzlichen Rentenkassen. Laut ihrem am Montag veröffentlichten Monatsbericht könnten die Einnahmen der 16 Rentenversicherungsträger aus Beiträgen und Steuerzuschüssen um etwa 2,5 Milliarden Euro geringer ausfallen als die Ausgaben. Im vergangenen Jahr hätten die Rentenversicherer noch einen Überschuss von etwa einer Milliarde Euro erzielt, im ersten Quartal dieses Jahr ein „weitgehend ausgeglichenes Ergebnis“, so die Bundesbank. Einnahmerisiken für die Rentenversicherung sehen die Währungshüter im laufenden Jahr vor allem durch die „wirtschaftlichen Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine“.

Für das gesamte Jahr 2022 erwarten die deutschen Notenbanker, dass die Ausgaben mit etwa drei Prozent „deutlich stärker (wachsen) als im ersten Quartal“, als sie um rund ein Prozent zulegten. Grund dafür sei vor allem die Rentenanpassung zur Jahresmitte, die die Renten im Bundesdurchschnitt „kräftig um 5,5 Prozent“ wachsen lasse (5,35 Prozent im Westen und 6,12 Prozent im Osten). Dafür verantwortlich sei wiederum vor allem „das hohe Lohnwachstum des Jahres 2021“, das durch „rückläufige Kurzarbeit“ angetrieben worden sei. Der ab der Jahresmitte reaktivierte Nachholfaktor dämpfe die Rentenanpassung sogar „noch um gut einen Prozentpunkt“, so die Bundesbank.

Gebremst würden die Rentenausgaben in den kommenden Jahren dadurch, dass „bis 2025 die Rentenanpassungsformel ausgesetzt“ werde, schreiben die in Frankfurt/Main ansässigen Banker. Dadurch stiegen die Renten nur noch so stark, „dass ein Mindestversorgungsniveau von 48 Prozent erhalten“ bleibt. Ohne diese Maßnahme würden die Renten „vorübergehend um gut zwei Prozent im Jahresdurchschnitt höher ausfallen“, heißt es im Bericht der Bundesbank. 

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Autor

Stefan Thissen